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06. März 2016 17:00 Uhr

Hochschwarzwald

Feldberg-Parkhaus geöffnet – Verkehrschaos bleibt

Die Beschilderung ist nicht gut und manch Autofahrer einfach zu bequem: Das neue Feldberg-Parkhaus wird zu wenig genutzt. Die Verkehrssituation ist so chaotisch, dass der Busbetreiber an Konsequenzen denkt.

Den Feldberg bezeichnen seine Werbestrategen selbstbewusst als Heimat des Skisports. Derzeit feiert der "Höchste" sein 125-Jahre-Jubiläum, das umstrittene neue Großparkhaus sollte nun endlich auch das Verkehrschaos lindern. Der im "alpenländischen" Stil gebaute riesige Autosilo ist 96 Meter lang, 48 Meter breit und 25 Meter hoch, bietet Platz für 1200 Autos und hat 15 Millionen Euro gekostet. Bei der feierlichen Eröffnung im Dezember zeigte sich Stefan Wirbser, Bürgermeister der Gemeinde Feldberg, Vorsitzender des Liftverbundes und Parkhaus-Promoter, begeistert: "Jetzt heißt es am Feldberg: Parken am Skihang, raus aus dem Auto und hinein in das Wintervergnügen." Nun lag auf dem Feldberg bis Mitte Januar kaum oder gar kein Schnee. Doch mit der weißen Pracht kamen auch die Blechlawinen. Und nun zeigt sich: Die Situation scheint nicht besser als zuvor.

500 Strafzettel an einem Tag

Wegen mangelnder Hinweisschilder, aus Gewohnheit oder Bequemlichkeit parken viele Autofahrer ihre Karossen wie bisher entlang der Passstraße. Zwar verteilt die Polizei fleißig Strafzettel. "500 waren es bis heute, weitere 50 Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden", berichtet Yasmin Bohrer von der Polizei. Doch das Ganze scheint eine Sisyphus-Arbeit: Kaum ist ein Falschparker weg, kommt der nächste.

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"Wenn nicht bald eine geregelte Anfahrt an die Haltestellen gewährleistet wird, ist der durchgehende Betrieb gefährdet." Uwe Mühl, Südbadenbus
Für die öffentlichen Busse gibt es kein Durchkommen mehr – wie in den Jahren ohne Parkhaus. Zuweilen kommt der Verkehr auf der Passstraße ganz zum Erliegen. Nicht auszudenken, wenn im Katastrophenfall schwere Rettungsfahrzeuge dort durch müssten. Um aneinander vorbeizukommen, müssen die Busfahrer Millimeterarbeit leisten, oft bis zu mehrere hundert Meter zurücksetzen und dabei die Beschwerden der Passagiere ertragen. "Nach den Neuschneefällen herrschte hier Chaos pur", berichtet einer von ihnen. Nun erwägt die Bus-Gesellschaft, den Betrieb auf dieser Stecke während der Wintersaison teilweise einzustellen. "Wenn nicht bald eine geregelte Anfahrt an die Haltestellen gewährleistet wird, ist der durchgehende Betrieb gefährdet", erklärt Uwe Mühl von der Einsatzzentrale der Südbadenbus AG in Schopfheim.
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Das Paradoxe dabei: Bisher war das Parkhaus nur an gerade neun Tagen voll belegt. Viel Stau und Stress wäre vermeidbar gewesen, doch leider haben die Parkhaus-Befürworter vergessen, Hinweisschilder aufzustellen. Diejenigen, die das Parkhaus benutzen, sind allerdings des Lobes voll. "Toll, dass man sich im Trockenen umziehen kann – und das erst noch gratis", berichtet eine Familie aus Luxemburg. "Nur die Toilette war nicht ganz einfach zu finden."

Runder Tisch konstatiert Handlungsbedarf

Nach mehreren Verschiebungen sind nun am Freitag Vertreter aus verschiedenen Bereichen und Träger (Gemeinde, Land, Lift- und Busbetreiber) zu einem Runden Tisch zum Thema Feldberg gekommen. Als Projektmanager "Feldberg 2020" amtiert der frühere Erste Landesbeamte Helmut Unseld. Unbestritten war in der Runde, dass die Situation im ersten Winter mit dem neuen Parkhaus nicht sonderlich gut gelaufen ist und Handlungsbedarf herrscht. Abhilfe schaffen sollen nun eine bessere Website, ein Parkleitsystem sowie ein Kreisverkehr vor dem Parkhaus. Außerdem soll das Parken längs der B317 nur noch einseitig gestattet sein, und Falschparker sollen konsequenter verfolgt werden.

Feldbergs Bürgermeister Stefan Wirbser gesteht gewisse Kinderkrankheiten ein, zieht aber trotzdem ein positives Fazit. Fest steht jedoch, dass die Gemeinde dem Parkhaus-Investor diesen Winter nicht die garantierte Summe von 800.000 Euro bezahlen kann. Schuld daran ist der verspätete Winter, denn der Parkhaus-Fonds wird durch die – gerade verteuerten – Lift-Tickets finanziert. Dabei genießen die automobilen Skifahrer eine Sonderstellung. Sie müssen dank Lift-Ticket nichts fürs Parkhaus bezahlen. Pech hat, wer mit dem Bus anreist und über den Parkhaus-Aufschlag auf das Lift-Ticket das Parkhaus mitbezahlt. Und dann auch noch im Stau steht, weil es zu wenige Autofahrer nutzen.
Der Artikel erschien zunächst in unserer Wochenzeitung "Der Sonntag" am 6. März 2016.

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Autor: Stephan Dietrich, "Der Sonntag"