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01. September 2011
Die ganze Familie im Blick
Caritas-Haus Feldberg startet zusammen mit einer Rehaklinik eine Kombitherapie.
FELDBERG. "Drogen – nein danke: Dieser Slogan findet allgemein Zustimmung. Schließlich denkt man dabei an Suchtstoffe wie Heroin oder Kokain. Dass es mit Alkohol und Zigaretten auch legale Drogen gibt, gerät dabei eher aus dem Blickfeld", das sagen die Verantwortlichen des Caritas-Hauses Feldberg. Um dem entgegen zu wirken, ist die Mutter-Kind-Rehabilitationsklinik mit der Rehaklinik St. Landelin in Herbolzheim eine Kooperation eingegangen.
Gerade die Abhängigkeit vom Alkohol stellt das mit Abstand größte Suchtproblem in unserer Gesellschaft dar: Schätzungen zufolge sind 1,5 bis 2 Millionen Deutsche alkoholabhängig, fast zehn Millionen konsumieren Alkohol in "gesundheitlich riskanter Weise".Betroffen sind nicht nur die Alkoholkranken selbst, sondern gerade auch die Familienmitglieder: sie sind besonderen Belastungen ausgesetzt, die kaum jemals ins Blickfeld geraten, sagen die Fachleute aus Feldberg und Herbolzheim.
Die Angehörigen würden im Umgang mit dem Alkoholkranken massive Beeinträchtigungen erleben und seien oft ebenso behandlungsbedürftig wie der Betroffene selbst. Tritt der Süchtige – meist der Vater – eine Entziehungskur an, sei die Erleichterung zunächst groß, der Schock nach der Rückkehr aber umso größer, denn die Familie müsse sich neu zusammenfinden und Anpassungsprozesse – verlorenes Vertrauen wiederfinden, neue Rollenverteilung meistern – hinter sich bringen. Das würde Familien oft überfordern, heißt es.
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Wie wichtig es deshalb ist, die Familie während der stationären Suchttherapie einzubeziehen, sei Fachleuten bekannt, doch in vielen Kliniken könne dieses Konzept aus verschiedenen und überwiegend organisatorisch bedingten Gründen nur begrenzt umgesetzt werden.
Deshalb haben die beiden Einrichtungen eine Kombitherapie ins Leben gerufen: die Rehaklinik St. Landelin in Herbolzheim kümmert sich um die suchtkranken Männer, die Mutter-Kind-Rehabilitationsklinik Caritas-Haus Feldberg um ihre Familien. Während der alkoholabhängige Partner eine Entwöhnungstherapie in Herbolzheim absolviert, erfährt die Familie eine rehabilitative Behandlung in Feldberg.
Indem der süchtige Partner und seine engsten Angehörigen gleichzeitig und aufeinander abgestimmt behandelt werden, könne der Fokus der Therapie darauf gerichtet werden, die Familie als Einheit zu stabilisieren, erläutern die Verantwortlichen.
Durch ständigen Kontakt und Erfahrungsaustausch zwischen den Kliniken werden verschiedene Suchtstrukturen und Verhaltensmuster transparenter und können dadurch im Familiensystem langfristig verändert werden.
Die Kosten für die Kombitherapie werden für die Mutter-Kind Rehabilitation von den Krankenkassen übernommen und für den Vater von der Rentenversicherung. Die erste Kombitherapie beginnt am 15. September.
Autor: bz
