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17. Dezember 2008

GESCHÄFTLICHES

  1. Leni und Roland van Bindsbergen aus den Niederlanden haben die Gastwirtschaft und Pension „Jägerheim“ auf dem Rinken in Hinterzarten eröffnet. Foto: Dieter Maurer

"Jägerheim " erweckt aus dem Dornröschenschlaf

HINTERZARTEN. Nach zweijährigem "Dornröschenschlaf" ist das traditionsreiche Gasthaus Jägerheim auf dem Rinken zu neuem Leben erwacht. Am gestrigen Dienstag gratulierten Bürgermeister Hansjörg Eckert, der Gemeinderat sowie Repräsentanten des Hotelier- und Wirtevereins den Eigentümern Leni und Roland van Bindsbergen zur Eröffnung. Fast so spannend wie ein Krimi ist die Geschichte, wie die niederländischen Eheleute in den Hochschwarzwald gelangten.

Roland van Bindsbergen machte als jugendliche Aushilfe erste Erfahrungen in der Gastronomie: "Dann ging ich zur Polizei." Dort startete er eine steile Karriere. Während 33 Jahren befasste er sich mit international organisierter Kriminalität, klärte Fälle mit Mord, Drogen und Waffen. Er war Offizier und Chef von fünf Abteilungen mit verschiedenen Zuständigkeiten. Mit 48 Jahren begann er ein weiterführendes Studium: "Doch plötzlich überlegte ich mir, wofür studierst du eigentlich? Ich komme dann noch eine Stufe höher, gewinne mehr Einfluss, werde aber persönlich immer abhängiger."

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Roland van Bindsbergen besprach sich mit seiner Gattin. Wegziehen aus ihrem Haus in dem 2000 Einwohner zählenden Babberich, nahe der Grenze zu Deutschland bei Emmerich – aber wohin sollte es gehen? In seiner Freizeit hatte er schon immer gerne etwas "gekocht und gekellnert. Das liegt mir im Blut." Aber die Niederlande "sind ein teures Pflaster und es ist alles vorhanden." Ehefrau Leni, die als Bibliothekarin in der Region arbeitete, zeigte sich aufgeschlossen. Gemeinsam stellten sie einen Kriterienkatalog für ihr Hotel der Zukunft auf: Kein Strand, kein warmes Land, keine Alpen. Arbeiten, Wohnen und Sport sollten an einem Ort möglich sein. Dieser sollte möglichst über 1000 Meter hoch liegen, um in den Wintermonaten Schnee genießen zu können. Er sollte aber auch vier Jahreszeiten bieten und der Gast müsse sowohl "um den Berg herum als auch über den Berg kommen können." Außerdem sollte es nicht zu weit von den Ländern Holland und Belgien entfernt sein.

Die Eheleute kannten den Schwarzwald, verbrachten viele Tage in Altglashütten: "Die Region Feldberg hatte es uns angetan." Im Internet fanden sie mehrere interessante Objekte: "Ein halbes Dutzend kam in die engere Auswahl." Schließlich entschieden sie sich für das Jägerheim: "Es bot alle Voraussetzungen. Wir lieben das Wandern und die Natur." Seit zwei Jahren war das Haus nur mehr für Selbstversorger offen: "Da gab es viel zu renovieren." Gemeinsam mit Freunden machten sie sich ans Werk, schraubten und polierten, warfen Altes und Kaputtes weg und richteten das Jägerheim neu ein: "Das Wiederherrichten hat uns große Freude gemacht, aber wir haben auch einiges Geld investieren müssen."

In der Gastwirtschaft gibt es künftig Schwarzwälder Vesper sowie badische und niederländische Spezialitäten: "Wir richten unser Angebot mit Vesper sowie kleinen warmen Gericht auf die Bedürfnisse von Langläufern, Radfahrern und Wanderern aus." Für Pensionsgäste stehen 32 Betten zur Verfügung. Von "abgelegener Einsamkeit" wollen beide nichts wissen: "Tagsüber kommen hier viele vorbei, abends sind die Pensionsgäste da. Zudem haben wir schon jetzt viel Kontakt zu unseren Nachbarn." In den vergangenen zwei Monaten haben sie Hinterzarten kennen gelernt: "Wir fanden freundliche Aufnahme. Die Mitarbeiter im Rathaus haben sich stets Zeit für uns genommen." In ihrer Heimat waren sie in Vereinen aktiv. Beide lieben den Sport, sie ist zudem Sängerin: "Was wir brauchen, haben wir gefunden. Wir fühlen uns im Hochschwarzwald schon richtig wohl."

Autor: Dieter Maurer