Jede Menge Spielfreude in der Scheune

Hans-Jochen Köpper

Von Hans-Jochen Köpper

Mi, 26. April 2017

Feldberg

Junge Bands, mitreißender Sound, Kunstwerke und großes Theater auf kleinem Raum machen die Heimarttage in Falkau aus.

FALKAU. Erneut präsentierte sich die alte Bauernscheune am Falkauer Winterberghof als Schauplatz verschiedener Künste. Zum kleinen Jubiläum der Heimarttage (fünf Jahre) hatte Familie Matt dieses Mal ein kleineres, aber nicht weniger interessantes Programm zusammengestellt, dessen künstlerischer Inhalt sich sowohl durch Regionalität als auch durch neue Akzente auszeichnete.

Einen ausgesprochen interessanten Auftakt bot das junge Freiburger Trio "Heirs to the Wild". In ihrem erst vierten Auftritt zeigten Gitarrist und Sänger Micha Scheiffele, Sängerin Rabea Hussain und Bassist Miran Hussain klanglich feine und musikalisch ausgewogene Kompositionen. Melodisch immer wieder überraschend sind die erzählten und gespielten Geschichten im besten Sinn in der klassischen Singer-Songwriter-Tradition verortet, ohne jedoch auf das Niveau simpler vier Akkord-Arrangements herabzufallen. Komplexe Phrasierungen, die sich wie leichte Frühlingsbrisen anhören, mit Einschlägen von Jazz und Orient. Ausdrucksstark von der Gitarre geführt, zeigte sich Rabea Hussain als stimmlich sichere und emotional talentierte Sängerin, die den Texten Leben und Esprit gab.

Die alten Dielen beben beim Motown-Sound

Im Anschluss brachten "Ricci an the Noisehorns" die alten Dielenbretter der Scheune zum Wackeln – und das will etwas heißen, tragen sie doch seit Jahrzehnten klag- und schadlos tonnenschwere Traktoren. Neben dem musikalischen Gerüst durch Bassist Michael Holland und Schlagzeuger Micha Scheiffele (ja, der von "Heirs to the Wild"...) kennzeichneten vor allem die Bläser mit Valentin Matt (Saxophon) und Martin Knab (Trompete) den Sound, der von Keyborder und Sänger Riccardo Belvedere komplettiert wurde. Die fünf Studenten der PH und der Jazz- und Rockschule in Freiburg boten einen Rundflug durch Jazz, Funk und besten Motown-Sound, so dass bereits beim zweiten Stück, dem Klassiker "Supersticious" von Stevie Wonder keiner mehr die Beine ruhig halten konnte. Und tatsächlich glaubte man sich spätestens beim "Hi De Ho Man" von Cab Calloway in einem Chicagoer Ballsaal der 1930er Jahre wieder zu finden. Die Musik war gut geeignet, die unbeheizte Scheune um einige Grade zu erwärmen. Angesichts dessen, dass die Band erst seit einem halben Jahr zusammenspielt, beschränkt sich deren Repertoire bislang auf Coverversionen. Bei diesem Potential darf man aber auf eigene Songs gespannt sein, die bald folgen sollen.

Am nächsten Tag gab’s nach der musikalischen Eröffnung von Valentin Matt mit seinen Saxophonimprovisationen Kunstwerke vom Hausherrn Thomas Matt zu sehen. Einerseits zeigte er einer Auswahl seiner bekannten Stahlobjekte aber auch eine neuere Sammlung von Skizzen, die das Thema "Unterholz" interpretierten. Bemerkenswert umso mehr, dass dies seit 30 Jahren die ersten Zeichnungen sind, die öffentlich von Matt gezeigt wurden: schwarz-weiß Arrangements aus Fläche und Strich mit unterschiedlicher Intensität und Perspektive, wirr und dann wieder streng geometrisch, flach und mit Tiefgang.

Wer einmal im eigenen Wohnzimmer eine Privatvorstellung hautnah erleben will, der kann die Theatergruppe "Spielzimmer" aus Freiburg zu sich einladen. Und dazu braucht es nicht viel Platz, denn die drei Schauspieler können mit spärlicher Requisite auf kleinem Raum agieren. Schauspielerische Präsenz und Wandelbarkeit waren es, die die Akteure auszeichnete, als sie in 75 Minuten das Thema der Identitätsproblematik mit dem Stück "Stiller" von Max Frisch interpretierten. Gelungen waren sowohl die Umsetzung der komplexen Konzeption, die verschiedenen Erzählhaltungen und die wechselnden Perspektiven.

Michael Barop als Stiller, Christina Schlögl als Julika und in verschiedenen Rollen Lukas Diestel entführten die Zuschauer in die Welt des verunsicherten und sich entfremdeten Bildhauers Anatol Stiller, der der ihm aufgezwungenen Rolle nicht gerecht werden kann und mit falscher Identität nach Amerika flieht. Doch auch hier scheitert er und nach seiner Rückkehr decken viele kleine szenische Mosaiksteine auf, was zu ahnen ist: Der eigenen Geschichte kann man nicht entfliehen, schon gar nicht nur durch einen Orts- oder Namenswechsel.

Ein gelungenes und ortsbezogenes Stück Theater, das auch wohlige Schauer auslöste, als in der abgedunkelten Scheune zeitweise nur mit Kerzenlicht gespielt wurde. Auch wurde durch die geöffnete Scheunentür der fiktive Blick auf die Schweizer Bergwelt – "dargestellt" durch den Falkauer Winterwald – suggeriert, inklusive der sehr realen Erkenntnis um die Füße herum, dass es Ende April in Falkau am Abend noch ganz schön kalt werden kann...