Kletterziege und Tempobolzer

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Mo, 20. August 2018

Mountainbike

Adelheid Morath und Simon Stiebjahn wiederholen bei der Mountainbike-Etappenfahrt Bike Giro ihre Vorjahressiege.

MOUNTAINBIKE. Die Lokalmatadoren Adelheid Morath aus St. Märgen und Simon Stiebjahn aus Langenordnach haben wie im Vorjahr die viertägige Mountainbike-Etappenfahrt Rothaus Bike Giro im Hochschwarzwald gewonnen. Beide feierten drei Etappenerfolge.

Am Samstag durfte Simon Stiebjahn eines seiner Trainingsreviere im Wettkampfmodus genießen. Dabei hätte die dritte Etappe über 76 Kilometer mit Start und Ziel in Rothaus auch zur Enttäuschung werden können. Denn nach etwa 35 Kilometern registrierte Stiebjahn, dass in seinem Hinterrad eine Speiche gerissen war. Der Bulls-Fahrer hatte in der "Schrecksekunde" jedoch Glück, dass Teamkollege Martin Frey ebenfalls gut unterwegs war und nicht weit hinter ihm lag. So kostete das kurze Warten und der Tausch der Laufräder nur etwa eine halbe Minute. An der zweiten Verpflegungszone an der Hochfirstschanze (km 42,6) und der folgenden Abfahrt hatte sich das Gelbe Trikot schon wieder unter die Spitzenfahrer gemischt. "Ich hätte im Anstieg schon wegfahren können, aber das war mir zu früh, zumal die Tschechen hinter mir zu zweit waren", sagte Stiebjahn. Es entstand eine Vierergruppe mit Lexware-Fahrer Luca Schwarzbauer, Stiebjahn sowie den Tschechen Tomas Visnovsky und Matous Ulman. Letztlich gelang es Stiebjahn an der letzten Rampe die Entscheidung herbeizuführen und nicht nur 13 Sekunden Vorsprung auf Visnovsky herauszufahren, sondern Ulman auch noch mal 41 Sekunden abzunehmen.

Das war Stiebjahns Grundlage für eine kontrollierte Schlussetappe. Auf den 63,5 Kilometern mit Start und Ziel in Rothaus mit 1400 Höhenmetern konnte er U-23-Meister Max Brandl vom Kirchzartener Lexware-Team gönnerhaft auffordern, "ruhig Attacken zu lancieren". Der konnte ihm in der Gesamtwertung nicht mehr gefährlich werden. "Zwei, drei Fahrer hätten wir nicht ziehen lassen, aber eine ungefährliche Spitzengruppe kam uns ja entgegen", sagte Stiebjahn, der den Gesamtdritten und Teamgefährten Simon Schneller aus Oberlegenhardt in die taktischen Überlegungen mit einbezog. Brandl versuchte es mehrfach, eine Attacke wurde gebremst, weil er über einen vor ihm gefallenen Motorradfahrer stürzte und danach seinen Lenker wieder geradebiegen musste. Letztlich fuhr Brandl nach der zweiten Verpflegungszone bei Kilometer 46,5 doch noch weg und kam zu seinem ersten Etappensieg beim Bike Giro. "Das kam mir heute ganz gut entgegen und ich habe heute schon an einen Etappensieg gedacht", so Brandl, der auf dem Podium Glückwünsche von Teamkollege Luca Schwarzbauer entgegennehmen durfte. Der Nürtinger war 34 Sekunden zurück hinter Julian Schelb aus Münstertal Dritter geworden und hatte die Rundfahrt als Fünfter beendet. Triumphator aber war Simon Stiebjahn, der als Tagesvierter notiert wurde. "Super, super, ich kann sehr zufrieden sein. Heute musste ich nie ans Limit gehen und alle vier Tage liefen für mich perfekt", sagte er und strahlte mit dem Gelben Trikot um die Wette.

Vom Breitnauer Pilsner-Merida-Team machte U-23-Fahrer Luca Girke die beste Figur. Mit 44:42 Minuten Rückstand überraschte der Grafenberger, der sich mit einer guten Leistung auf der Schlussetappe in seinem ersten U-23-Jahr noch auf Gesamtrang 17 verbesserte. "Heute war der Hammer, aber ich bin nach meiner ersten Etappenfahrt mit allen vier Tagen sehr zufrieden", sagte der 19-Jährige und dankte Teamkollege Florian Reichle. "Der hat mir heute sehr geholfen." Reichle stürzte rund zehn Kilometer vor dem Ziel und kam blutverschmiert erst als 49. in Rothaus an. In der Gesamtwertung wurde er 31.

Wie Simon Stiebjahn bei den Männern war auch die St. Märgenerin Adelheid Morath bei den Frauen eine Klasse für sich. Auf der dritten Etappe am Samstag kontrollierte sie souverän das Geschehen. Als an der Hochfirstschanze vier Fahrerinnen in den Singletrail-Anstieg gingen, war zuerst die Österreicherin Christina Kollmann-Forstner vorneweg, weil sich drei Männer dazwischen gemischt hatten. Doch Morath meisterte auch diese Aufgabe, überholte die männlichen Kollegen und fuhr bis zum letzten Anstieg gemeinsam mit der Marathon-Europameisterin von 2017 immer mehr Vorsprung auf die Verfolgerinnen Sabine Spitz und Robyn de Groot heraus. Bis Morath am letzten Anstieg eine Attacke setzte und ihre Stärke am Berg ausspielte. Dritter Tag, dritter Etappensieg.

Das gab ihr die Chance, am Sonntag Janine Schneider (Lottstetten) Ausgang zu gewähren. Die durfte sich nach 25 Kilometern absetzen und den Etappensieg feiern, 2:39 Minuten vor Kollmann-Forstner, der Adelheid Morath den zweiten Etappenrang überließ. "Heute ging es nur noch um die Gesamtwertung", sagte Morath und nannte den Streckenverlauf "eine Flachetappe". Bei 1400 Höhenmeter wird da mancher Hobby-Mountainbiker die Augenbrauen hochziehen, doch Kletterziege Morath liebt halt lange, steile Rampen und nimmt fünf Minuten lange Hügel mit einem Schulterzucken mit. "Es hat super Spaß gemacht und man muss Stiebi loben für seine Streckenführung. Für mich war das ein Trainingsblock für das Weltcupfinale und die WM, aber es ist natürlich schön, zu Hause zu gewinnen."

Mit 4:34 Minuten Vorsprung auf Kollmann-Forstner und 11:03 Minuten vor Olympiasiegerin Sabine Spitz ging Morath bei der zweiten Auflage des Bike Giro zum zweiten Mal als Siegerin hervor.