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09. Dezember 2009 14:11 Uhr

Parkhaus Feldberg

Was sagt ein Naturschützer zum Feldberg-Parkhaus?

Das Parkhaus Feldberg ist seit vielen Jahren ein Diskussions- und Arbeitsthema nicht nur am Höchsten. Mit dem drei Millionen Euro Zuschuss des Landes, scheint die letzte Hürde überwunden zu sein. Wie aber urteilt einer über das Projekt, dem der Schutz der Natur besonders am Herzen liegt, der aber auch im Winter bei der Fahrt zum Arbeitsplatz tagtäglich dem Verkehrschaos ausgeliefert ist. BZ-Redakteur Ralf Morys sprach mit Stephan Büchner, dem Leiter des Naturschutzzentrums am Feldberg.

  1. Stephan Büchner sieht für die Natur wenig Nachteile Foto: Privat

BZ: Für das Parkhaus am Feldberg zahlt das Land drei Millionen Euro und damit kann es wohl gebaut werden. Ist dies eine gute Nachricht für das Naturschutzgebiet Feldberg?
Büchner: Mit dem Naturschutzgebiet selber hat der Bau des Parkhauses meiner Meinung nach nicht viel zu tun.

BZ: Welche Vorteile verbinden Sie mit dem Parkhaus ?
Büchner: Das Parkhaus selbst wird zwar sicher nicht besonders "schön" aussehen, aber die riesigen, hässlichen Schotter- und Asphaltflächen können endlich verschwinden beziehungsweise ansprechend gestaltet werden. Und die großen Blechlawinen am Fuß des Seebuck verschwinden auch. Unter dem Strich glaube ich, dass der Bereich um den "Feldberger Hof" und das Haus der Natur an Attraktivität gewinnen wird. Auch der Service für die Besucher wird deutlich verbessert, weil sie in der Regel einen trockenen Stellplatz in unmittelbarer Nähe des Skigebiets ohne langes Suchen finden werden. Durch die geplante Anlage von Wegen können die Feldberg-Besucher zudem viel besser als jetzt geführt und zu ihren Zielen geleitet werden. Außerdem gehe ich davon aus, dass weniger Autos als bisher entlang der Bundesstraße parken müssen, da deutlich mehr Parkplätze im Parkhaus zur Verfügung stehen als auf den beiden bisherigen Parkplätzen, vor allem, wenn im Winter die Parkflächen durch Schneeberge eingeengt werden. Dies bringt auch einen erheblichen Sicherheitsgewinn, denn bisher laufen außerordentlich viele Gäste beidseitig an der Bundesstraße entlang, was oft zu kritischen Situationen führt.

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BZ: Glauben Sie, dass das Parkhaus noch mehr Autos anziehen wird ?
Büchner: Möglicherweise, aber ich glaube nicht, dass dies in größerem Umfang erfolgen wird. Meiner Meinung nach sollte man beides tun: Das Parkhaus bauen und den ÖPNV stärken und verbessern. Unter dieser Voraussetzung sollte die Zahl der Autos nicht wesentlich steigen.

BZ: Welche Vorteile könnte die Natur aus dem Bau des Parkhauses ziehen ?
Büchner: Für die Natur sehe ich – abgesehen von der zumindest teilweisen Begrünung der verbleibenden Schotterflächen – wenige Vorteile, aber auch wenige Nachteile.

BZ: Es gibt viele Gegner des Projekts, die es aus umwelt- und ökologischen Gründen für falsch halten. Was kann man diesen Leuten entgegenhalten?
Büchner: Grundsätzlich geht es eigentlich gar nicht mehr um die Frage, ob ein Parkhaus gebaut werden kann oder darf. Diese Frage wurde bereits 1999 entschieden. Die momentane Diskussion entzündete sich an der vorgesehenen Änderung des Bebauungsplanes, die ein von der Fläche her kleineres, dafür aber etwas höheres, rundes Parkhaus vorsieht. Ich halte dies aufgrund des geringeren Flächenverbrauchs für eine bessere Lösung als den früher geplanten, großflächigen Flachbau. Es haben bisher schon etliche Workshops und "Brainstormings" unter Beteiligung verschiedenster Institutionen stattgefunden, ohne dass jemals eine Lösung für das Verkehrschaos am Feldberg gefunden worden wäre, zu der Alle gesagt hätten "Das ist es!" Den Umweltaspekt der Kritik am Parkhaus teile ich durchaus: Es wäre besser für die Natur und besser für die gesamte Umwelt (auch das Klima), wenn viel mehr Menschen als bisher auf Busse und Bahnen umsteigen würden. Ich denke aber nicht, dass der Bau des Parkhauses diesen Aspekt wesentlich verschlechtern wird. Die Kritik an der unschönen Optik eines großen Parkhauses verstehe ich auch, doch denke ich – wie gesagt – dass insgesamt gesehen die Situation verbessert wird.

BZ: Halten Sie es für machbar, die Wintersportler vermehrt auf den ÖPNV zu verweisen und so die Zufahrt ins Skigebiet zu regeln?
Büchner: Man kann sicher einige Wintersportler mehr als heute dazu motivieren, mit Bussen und Bahnen anzureisen, wenn man das Angebot deutlich verbessert. Dazu gehört allerdings auch, dass man freie Fahrt für die Busse gewährleistet, die jetzt oft nicht durchkommen, weil die Bundesstraße beidseitig zugeparkt ist. Aber ich glaube nicht, dass man die Masse der Wintersportler zu diesem Schritt bewegen kann. Dem stehen zwei Probleme entgegen: Erstens haben wir eine durchgängige Bundesstraße am Feldberg, die man nicht einfach sperren kann. Und ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen immer erst einmal hochfahren werden, um zu schauen, ob sie nicht doch irgendwo noch einen Platz finden. Man kann oft beobachten, dass selbst mitten auf der Zufahrtsstraße stehende Schilder "Parkplatz belegt!" ignoriert werden. Und zweitens ist der Feldberg ein ausgesprochenes Familien-Skigebiet. Und wenn man weiß, was eine Familie mit Kindern so alles dabei hat, wenn sie zum Skifahren geht, erscheint es mir extrem unwahrscheinlich, dass diese Gäste mit Kindern, Skistiefeln, Ersatzklamotten, Schuhen zum Wechseln, Verpflegung, vielleicht noch dem Schlitten und vielem mehr auf Busse und Bahnen umsteigen werden. Fazit: Ich glaube nicht, dass man dies in nennenswertem Umfang schaffen wird. An dem Problem, dass die meisten Menschen mit dem Auto zum Wintersport fahren, werden wir in absehbarer Zeit nicht vorbeikommen. Dennoch sollte man selbstverständlich unbedingt alles Mögliche tun, um das ÖPNV-Angebot zu verbessern.

BZ: Wenn das Parkhaus steht, wie wird die Parksituation dann aussehen ?
Büchner: Es ist allen Beteiligten klar, dass die Kapazität des Parkhauses nicht ausreichen wird, um sämtliche an einem schönen Wintertag anreisenden Fahrzeuge unterzubringen. Ich gehe aber dennoch davon aus, dass sehr viel mehr Autos als bisher einen Stellplatz unmittelbar am Skigebiet finden werden, und dass somit die Zahl der an der Bundesstraße parkenden Besucher deutlich geringer sein wird. Unter der Voraussetzung, dass das an den Spitzentagen unumgängliche Parken an der B 317 durch die Polizei strikt geregelt wird, halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass dort insbesondere an den engeren Straßenabschnitten allenfalls einseitig geparkt werden muss, was schon ein deutlicher Vorteil gegenüber der bisherigen Situation wäre. Und im Sommer müssen gar keine Autos mehr auf den Flächen parken, auch das ist aus meiner Sicht eine Verbesserung.

BZ: Als Leiter des Naturschutzzentrums am Feldberg verbinden Sie mit dem Parkhaus Feldberg ...
Büchner:...ein attraktiveres Umfeld des Hauses der Natur, einen erheblich verbesserten Besucherservice, eine leichtere und effektivere Lenkung der Gäste und die Gewissheit, dass das geplante Parkhaus zwar sicher keine Optimallösung für die Natur ist, aber eine Lösung, die unter den gegebenen und zum größten Teil allenfalls in geringem Umfang änderbaren Rahmenbedingungen unter dem Strich eine Verbesserung der chaotischen Verkehrsverhältnisse am Feldberg bewirken wird.

Autor: rys