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05. April 2013 21:50 Uhr

BZ-Interview

Feldbergs Lift-Chef freut sich über den finanziell besten Winter

Noch an diesem Wochenende laufen die Skilifte am Feldberg, dann ist Schluss. Lift-Chef Volker Haselbacher kann sich dann über den finanziell besten Winter seit Bestehen des Liftverbunds freuen.

  1. Wer nochmal den Berg hinabfliegen will wie dieser Snowboarder, muss sich sputen. Foto: dpa

BZ: Herr Haselbacher, stehen Sie dieses Wochenende selbst nochmal auf der Piste?
Volker Haselbacher: Auf jeden Fall. Das lasse ich mir nicht entgegen.

BZ: Auf dem Feldberg war es in den vergangenen Tagen vergleichsweise warm. Sind die Bedingungen noch gut?
Haselbacher: Nein, sie sind nicht nur gut, sie sind hervorragend. Wir haben immer noch anderthalb Meter Schnee. Und die Temperaturen sorgen dafür, dass auch mal Mädels im Bikinioberteil die Piste hinuntersausen.

BZ: Ist das ein Werbegag, um Männer anzulocken?
Haselbacher: Nein, am Donnerstag habe ich das wirklich gesehen. Da hatte es oben acht Grad.
BZ: Warum endet die Saison trotz guter Bedingungen dieses Wochenende? Ließe sie sich nicht verlängern?

Haselbacher: Das wird immer wieder diskutiert, ist aber nicht so einfach, weil wir die Anlagen auf Sommer umstellen müssen. Auf dem Seil des Sechsersessellifts beispielsweise läuft von Mai an eine Kabinenbahn. Dafür müssen unter anderem die Einstiegsbereiche verändert werden. Bei allen Liften stehen Revisionen an, die Rollen müssen kontrolliert und kleine Schäden ausgebessert werden. Dafür brauchen wir Zeit. Auch vom Personaleinsatz her gesehen ist es vernünftig, eine Woche nach Ostern aufzuhören.
BZ: Als die Saison Anfang Dezember begann, sah es erstmal nicht aus, als könnte es ein guter Winter werden. Es war trüb und viel zu warm, ohne Beschneiung hätten die Lifte nicht laufen können.

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Haselbacher: An Weihnachten zu sagen, wie der Winter wird, ist reine Spekulation. Das ist viel zu früh. Der Winter auf dem Feldberg ist gesichert, da bin ich relaxed – und ich war es auch im vergangenen Dezember.

BZ: Vor einigen Wochen konnte auf dem Feldberg der 500 000. Skifahrer begrüßt werden. Wie viele waren es insgesamt?
Haselbacher: Wir haben in dieser Saison rund 560 000 Wintersportler gezählt – und umsatztechnisch den besten Winter seit Bestehen des Liftverbunds erlebt.

BZ: Nennen Sie eine Zahl?
Haselbacher: Wir haben knapp neun Millionen Euro umgesetzt.

BZ: Besonders sonnig war dieser Winter auch auf dem Feldberg nicht. Warum sind trotzdem so viele gekommen?
Haselbacher: Ein Unterschied zu anderen Jahren war sicherlich, dass es auch unten in Freiburg lange relativ kalt war. Viele unser sportlichen Gäste fahren gerne Fahrrad, sobald es Frühling wird. Weil es dieses Jahr nicht warm wurde, sind doch nochmal viele auf die Bretter gestiegen. Die Kälte im Tal ist uns auf jeden Fall zugutegekommen. Zum Erfolg trägt sicherlich auch die Hochschwarzwaldcard bei, mit der Gäste, die mindestens zweimal im Hochschwarzwald übernachten, kostenlos die Lifte nutzen können.

BZ: An schönen Tagen wimmelt es auf dem Höchsten nur so von Menschen. Gibt es Beschwerden, dass es manchmal zu voll ist?
Haselbacher: Bei Alpensicht, Sonne und guten Schneeverhältnissen sind 9000 bis 10 000 Skifahrer da, dazu kommen Schneeschuh- und Winterwanderer. Alles in allem sind das 2000 Leute zu viel. An den meisten Tagen verteilt es sich aber ganz gut und auch die Anstehzeiten an den Liften sind erträglich. Wir wollen unser Skigebiet nicht erweitern, aber die Kapazitäten unserer Liftanlagen – und natürlich endlich die Parksituation – verbessern. Diese führt nämlich durchaus zu Stress bei den Gästen. Wenn alles glattläuft, könnte im kommenden Jahr mit dem Bau des Parkhauses begonnen werden.
BZ: Was, wenn das Parkhaus steht und die Winter immer milder, also auch schneeärmer werden?
Haselbacher: Mir ist nicht bange, wenn ich an die nächsten Winter denke. Der Wintersport entwickelt sich insgesamt sehr positiv.

BZ: Woher kommen die Gäste?
Haselbacher: Die meisten Wintersportler kommen aus Baden-Württemberg und einem Umkreis von anderthalb bis zwei Stunden Fahrt. Würden sie in die Alpen fahren, bräuchten sie doppelt so lange für die Anreise. Davon abgesehen ist das Skifahren bei uns ein Drittel günstiger als in den Alpen. Wir haben aber auch vermehrt ausländische Gäste. Vereinzelt Inder, Pakistani, Araber und jede Menge Besucher aus Frankreich und der Schweiz.

BZ: Obwohl die Eidgenossen die Alpen vor der Haustüre haben?
Haselbacher: Ja. Wir vermuten, dass viele gerne zu uns kommen, um einen schönen Wintertag zu erleben. Da geht es nicht darum, von morgens bis abends nonstop auf der Piste zu stehen, sondern auch andere Dinge zu erleben. Man kann beispielsweise an den Schneebars etwas trinken, traditionelle Hütten besuchen, Snowkiter beobachten oder den Funpark erleben. Bei uns ist einfach viel Abwechslung geboten.
BZ: Nach Sonntag wird es ruhiger auf dem Höchsten. Freuen Sie sich schon auf den nächsten Winter?

Haselbacher: Jetzt freue ich mich erstmal auf das Frühjahr. Auf den Winter freue ich mich aber jedes Mal aufs Neue, weil er im Hochschwarzwald sonnig und schneereich ist und nicht so trüb und matschig wie im Tal.
Die Saison geht am Samstag mit den Feldberg-Masters zu Ende. Bei diesem Wettkampf fahren die Teilnehmer alle 14 Liftanlagen ab und jagen sich gegenseitig von Lift zu Lift. Die schnellsten gewinnen Jahreskarten für den Liftverbund.

Volker Haselbacher

Der 54-Jährige arbeitet seit 1988 am und auf dem Feldberg. Seit vier Jahren ist er stellvertretender Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, außerdem ist der gebürtige Schwarzwälder und leidenschaftliche Wintersportler Geschäftsführer und Marketingchef des seit gut 30 Jahren bestehenden Liftverbunds Feldberg. Dazu gehören neben den 14 Liften am Feldberg auch die Skigebiete Altglashütten, Menzenschwand, Muggenbrunn, Todtnauberg und Notschrei sowie die Belchenbahn.

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Autor: Kathrin Blum