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02. August 2012 17:59 Uhr

Untersuchungsergebnisse

Felssturz auf Auto: Eckartsberg bröckelt an vielen Stellen

Am Eckartsberg hat ein herabstürzender Felsen ein Auto zerstört, dessen Besitzerin Sekunden zuvor noch in der Nähe des Wagens war. Nun zeigt sich: Es bröckelt an vielen Stellen. Die Sicherung des Bergs dürfte teuer werden.

Am Breisacher Eckartsberg gibt es deutlich mehr Stellen, an denen der Fels bröckelt, als bislang angenommen. Deshalb werden weitere Häuser in der Marienau vorsorglich mit Stahlstützen und dicken Holzbrettern geschützt. Am Montag werden Spezialisten damit beginnen, den Fels von Gestrüpp zu befreien und das Felsmassiv vorsichtig nach brüchigen Stellen abzuklopfen (Kommentar). Größere Lavabrocken, die überhängen, sollen mit Hilfe von Presslufthämmern beseitigt werden. Auf die Stadt sowie eventuell auch auf einige Hauseigentümer werden hohe Kosten zukommen.

Wie bereits berichtet, war am Dienstagabend bei einem Felssturz in der Marienau eine 31-jährige Frau aus dem Markgräflerland nur knapp dem Tod entkommen. Ihr Auto war unterhalb der Absturzstelle geparkt. Als sie hörte, dass sich Steine von dem Fels lösen, wollte sie zur Sicherheit in ihr Auto steigen. Ihr großes Glück war, dass sie dies zeitlich nicht mehr geschafft hat. Denn kurz bevor sie das Auto erreichte, fiel ein etwa 2,5 Tonnen schwerer Felsbrocken auf das Dach ihres Wagens und zertrümmerte diesen.

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Durch den Aufprall wurde das Auto etwa 8 Meter weit zur Seite geschleudert. Dabei hatte die 31-Jährige noch einmal großes Glück, dass sie nicht von ihrem eigenen Fahrzeug getroffen wurde. Sie wurde lediglich durch umherfliegende Splitter leicht verletzt, erlitt allerdings einen Schock.

Noch in der Nacht sowie am folgenden Morgen wurde die Felswand von Experten des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau unter die Lupe genommen. Zusammen mit der Breisacher Stadtverwaltung und einer Fachfirma wurde ein Plan erarbeitet, wie weitere Felsstürze verhindert werden können. Dieser sieht vor, das Felsmassiv von Pflanzen zu säubern, lose Felsmassen abzuklopfen und als Steinschlagvorhang ein Sicherungsnetz aus Stahl zu installieren, das entsprechend rückverankert wird.

Am Donnerstag ging es zunächst darum, die direkt an der Absturzstelle liegenden Häuser mit Bretterwänden und anderen Materialien vor einem weiteren Steinschlag zu sichern. Bereits am Mittwochmittag waren mit Sand befüllte Container zwischen Fels und Häuserwänden platziert worden. Diese Sicherungsarbeiten werden auch am Freitag noch andauern.

Sicherung dürfte Monate dauern

Bei einer Besichtigung des Eckartsberges im Bereich der gesamten Marienau erlebten Bürgermeister Oliver Rein, Baudezernent Stefan Baum und Geologe Thomas Schweizer am Donnerstagmittag eine unliebsame Überraschung. Schweizer hat nicht nur an der Absturzstelle weitere sogenannte Lavaköpfe ausgemacht, sondern in südlicher Richtung mehrere poröse Stellen am Fels. Bis zum Haus Nummer 13 sollen die Bewohner in der Marienau zunächst nicht mehr ihre zum Eckartsberg hin liegenden Terrassen oder Gärten benutzen. Zudem werden Schilder mit der Aufschrift "Felssturz, Lebensgefahr, betreten verboten" aufgestellt.

Schweizer hat auch an Stellen, die vor Jahren mit Spritzbeton gesichert wurden, Schäden entdeckt. Insgesamt soll nach Angaben von Baudezernent Baum hinter den Häusern eine Fläche von 400 bis 500 Quadratmetern Fels genau untersucht werden. Teilweise sind die Wände des Eckartsbergs an dieser Stelle bis zu 30 Meter hoch. Erschwerend kommt hinzu, dass sich im Eckartsberg noch ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg und damit mehrere Hohlräume befinden.

Kosten in Millionenhöhe?

Am Montag sind weitere Begehungen geplant. An diesen soll erneut ein Fachmann des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau teilnehmen. Wahrscheinlich muss der Eckartsberg neu kartiert werden. Die gesamten Sicherungsarbeiten werden nach Ansicht von Rein sicherlich mehrere Monate dauern, eventuell auch länger.

Wie hoch der Schaden ist, den der Felssturz am Dienstagabend verursacht hat, steht indessen noch nicht fest. Ein Auto wurde total demoliert, zwei weitere Wagen leicht beschädigt. Die umliegenden Häuser wurden von den Steinen wohl nicht getroffen.

Da Gefahr im Verzug war, hat die Stadt Breisach sofort gehandelt. Die Kosten für die Sicherung des Felsens im Bereich der Absturzstelle schätzt der Rathauschef auf rund 100 000 Euro. Wer dafür aufkommen muss, ist laut Rein noch offen. Derzeit werde geprüft, ob der Felsen der Stadt oder noch zum Grundstück der Hauseigentümergemeinschaft in der Marienau gehört. Es sei nicht auszuschließen, dass sich die Hauseigentümer an den Kosten beteiligen müssten.

Klar ist seit Donnerstagnachmittag, dass auf die Stadt eine gewaltige Aufgabe zukommt. Damit verbunden sind hohe Kosten, eventuell sogar in Millionenhöhe.

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Autor: Gerold Zink