Tourismusorganisationen

Ferienland will zum Hochschwarzwald

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Di, 17. Juli 2018 um 18:32 Uhr

Titisee-Neustadt

Die Hochschwarzwald Tourismus Gesellschaft (HTG) könnte um weitere vier Kooperationspartner wachsen. Das Ferienland im Schwarzwald will Kooperationspartner werden. Das Ferienland besteht aus Schonach, Schönwald, Furtwangen und St. Georgen.

HOCHSCHWARZWALD. Der HTG-Aufsichtsrat und der Zweckverband Hochschwarzwald werden den Antrag prüfen, sagt Geschäftsführer Thorsten Rudolph. Wenn die Gremien zustimmen, könnte die Zusammenarbeit 2020 beginnen.

Wie der Zufall spielt: Im BZ-Gespräch hat Rudolph am Dienstag erläutert, dass das Ferienland Interesse bekundet hat und wie das Verfahren zur Prüfung dieser Anfrage aussehen könnte. Wenig später, der Reporter ist gerade weg, bringt der Briefträger den Antrag des Ferienlands in die HTG-Zentrale ...

Das Ansinnen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis hat Rudolph kürzlich angedeutet. Mit dem Bereichsleiter für den Vertrieb und die Tourist-Infos, Christian Gross, und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Wirbser hat er sich im Ferienland umgeschaut, in Gesprächen hat man die Vorstellungen ausgetauscht.

Aber würde die HTG damit nicht eine Grenze überschreiten? Aus dem Kerngebiet hinaus in eine Region, die mit dem Hochschwarzwald kaum Beziehungen unterhält? Und würde eine neuerliche Erweiterung bei der Schwarzwald Tourismus Gesellschaft (STG) gut ankommen?

Rudolph argumentiert, in der Außenwirkung würde das Ferienland gewiss als Hochschwarzwald wahrgenommen werden, denn mit der Landschaft, dem Wintersport samt Weltcup der Kombinierer und natürlich der Kuckucksuhr (Uhrenmuseum Furtwangen) sei es Hochschwarzwald. Daneben ist ihm wichtig, dass die Marke innerhalb der HTG gelebt wird, andernfalls könne sie nicht glaubwürdig vermittelt werden. Die zehn Gründergemeinden und ihre mittlerweile sieben Kooperationsgemeinden (dabei Ühlingen-Birkendorf und Grafenhausen als Rothauser Land) seien nicht gleich, "aber sie haben alle das selbe Thema, empfinden Zusammengehörigkeit und wollen zusammenarbeiten". Sie alle vereine "das intensive Heimatgefühl Wir sind Schwarzwald".

Das schreibt er auch dem Ferienland zu. Er verweist auf Einigkeit dort durch vier einhellige Gemeinderatsbeschlüsse pro HTG. Er hat den Eindruck gewonnen, dass gute Grundlagenarbeit geleistet worden ist, dass die Organisation und Struktur stimmt, dass die Leistungsträger und die Tourist-Infos gut aufgestellt sind: "Das passt zu uns".

Dass die Bestrebungen Missmut bei der STG wecken könnte, glaubt Rudolph nicht. Die STG zähle mehr als 300 Mitgliedsgemeinden. Von Konkurrenz könne keine Rede sein, im Gegenteil, es bestehe mit der STG ein guter Austausch und mit dem neuen Geschäftsführer Hansjörg Mair ein gutes Einvernehmen. Die STG brauche Tourismus-Leuchttürme wie den Hochschwarzwald, betont Rudolph. Nicht zuletzt hätte eine weiter gestärkte HTG größere Kompetenz und fände mehr Gehör bei Diskussionen wie etwa um den Schluchsee oder die Windkraft. Die Aufgabe an sich, künftig eine noch größere Tourismuseinheit zu managen und zu vermarkten, hält Rudolph für machbar.

Das Ferienland brächte nach Angaben seines Geschäftsführers Julian Schmitz rund 440 000 Übernachtungen bei 90 000 Ankünften mit (2017), Tendenz seit 2013 steigend. Die HTG käme damit auf 4,5 Millionen Übernachtungen. Schmitz, der zum Jahresende beim Ferienland ausscheidet, sähe in der Kooperation ein tragfähiges Zukunftskonzept der Vermarktung für die Ferienland-Gastgeber und Leistungsträger.

Josef Herdner, Bürgermeister von Furtwangen, räumt ein, dass die Kreisgrenze als Barriere angesehen werden könnte. Die Themen hingegen seien ähnlich, "die sitzen", und der Menschenschlag unterscheide sich kaum "wir ticken auch so wie die Hochschwarzwälder". Das Ferienland habe erfolgreiche Arbeit geleistet, obwohl die Rahmenbedingungen nicht immer einfach gewesen seien, man sei die Ferienregion im Landkreis Aber mit Schmitz’ Abschied zum Jahresende stelle sich die Frage, wie es weitergeht. Man hätte das Budget erhöhen oder neue Strukturen schaffen müssen – oder eben einen strategischen Partner finden. Als die HTG sich für die Idee offen gezeigt habe, sei man intensiver ins Thema eingestiegen. Dem Ferienland hat es Herdner zufolge gutgetan, dass Rudolph keinen Sanierungsfall, sondern "eine geschmückte Braut" sah. Das Ferienland verspricht sich von der HTG eine professionelle Betreuung und eine bessere Durchdringung des Markts. Herdner: "Ich bin zuversichtlich, das wird funktionieren".

Bernau und Bonndorf sind kein Thema

Rudolph stellt fest: "Wir betreiben keine aktive Expansionspolitik, wir können auch nicht ewig wachsen." Aus diesem Grund beschäftige er sich nicht mit Bernau, das zwar die Voraussetzung für einen Anschluss mitbringen würde, weil es das Gebiet abrunden würde, wo aber keinerlei Interesse bestehe. Befremdet war der HTG-Geschäftsführer davon, dass in Bonndorf kürzlich eine ausführliche Diskussion über einen Beitritt zur HTG geführt wurde, Bürgermeister und Hoteliers sprachen Vor- und Nachteile für die Stadt an, die auf 90 000 Übernachtungen jährlich kommt. Dabei habe Bonndorf bis heute keinen Kontakt aufgenommen.

Deshalb gebe es für ihn keinen Grund, über gemeinsame Interessen oder eine Kooperation nachzudenken. Rudolph: "Das ist nicht meine Aufgabe".