Ferienprogramm 4.0 im Bergdorfhaus

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Sa, 08. September 2018

Schuttertal

Elf Kinder liefern sich spannende Mannschaftsduelle im virtuellen Fifa-Stadion.

SCHUTTERTAL-SCHWEIGHAUSEN (bets). Was macht ein Ferienprogramm für Kinder heutzutage attraktiv? Wohl, dass es nicht von gestern ist, richtig Spaß macht und auch ein bisschen fordert. Das jedenfalls ist Bürgermeister Carsten Gabberts Anspruch gewesen, als er die Idee hatte, selbst ein Fifa-18-Turnier für Kinder an der Playstation auszurichten. Die virtuelle Sause stieg im Schweighausener Bergdorfhaus, inklusive La-Ola-Welle und Kommentar vom Sportreporter, so als würde auf der Projektionsleinwand vorne die Bundesliga oder die Championsleague übertragen. Elf Kinder zwischen sieben und elf Jahren waren gekommen und lieferten sich ein Match.

An diesem Nachmittag sitzt Carsten Gabbert an seinem Notebook und entwirft die Exceltabellen für die Einzel- und Gruppenergebnisse. Sein Sohn Silas (11 Jahre) und seine Tochter Lucie (7 Jahre) sind auch dabei. Silas spielt beim Turnier mit, Lucie hilft als Glücksfee und lost aus, wer als Mannschaft innerhalb der Gruppe A gegeneinander spielt und wer in Gruppe B, bis feststeht, wer sich im Finale gegenübersteht. Wer mit Gabbert über virtuelles Spielen redet, erkennt schnell: Der Familienvater will keineswegs Nerd-Attitüden fördern. "Das hier ist ja ein Gruppenspiel, und Sie sehen ja, dass die Kinder einen richtigen Spaß miteinander haben." Mannschaftsgeist, rege Kommunikation und die Lust, Neues zu lernen, das solle im Vordergrund stehen.

Der Bürgermeister kennt sich mit Computerspielen aus

Er kennt sich aus mit Computerspielen: "Ich bin jetzt 45 Jahre alt. Als Kind habe ich bereits auf den ersten Heimcomputern gespielt und kenne die Entwicklung in diesem Feld bis heute." Außerdem hat Gabbert bis zu diesem Sommer noch Kinder bis zur E-Jugend in der SG Schweighausen trainiert. Das merkt man bei der Begrüßung: Schnell hat er die Kinder um sich geschart und ihr ihre ganze Aufmerksamkeit.

Als Vater sei es ihm ungemein wichtig, sinnvolle Computerspiele für die Kinder auszusuchen. Eintönige und brutale Ballerspiele seien bei ihm zu Hause deshalb ebenso tabu wie nächtelange, süchtig machende Einzelkämpfe gegen das Spielprogramm. Die Auswahl macht’s also.

Bei virtuellen Fifa-Turnier repräsentiert jeder Spieler eine Mannschaft, die er sich selbst aussucht. Alle Daten realer Mannschaften bis zum kleinsten Detail ihrer aktuellen Spieler sind gespeichert. Deshalb kann jedes Kind wie ein wirklicher Mannschaftstrainer komplexe Spielstrategien und Mannschaftsaufstellungen auswählen und kombinieren; auf dem Feld kommt des dann darauf an, die Spieler schnell und präzise zu manövrieren.

Eine wichtige Rolle spielt auch das Leistungsniveau der Mannschaft. "Bitte wählt nicht einen Champions-League-Verein, wenn sich drüben in der B-Gruppe der Seppi in seinem Regionalpatriotismus den SC Freiburg ausgesucht hat", warnt Gabbert. Sonst seien am Ende Sieg und Niederlage doch zu sehr voraussehbar. Wer hier also mitspielt, braucht auch ein gewisses Wissen im Fußball.

Lucie spielt jedoch am liebsten Minecraft mit Papa. Denn da kann man sich ganze Städte und Zivilisationen aufbauen. Bis jetzt scheint ihre virtuelle Schaffenskraft allerdings auf typische Mädchenträume fixiert: "Ich habe meinen eigenen Reiterhof, und am liebsten reite ich da mit meinem Pferd." Der Papa sagt: "Was ich an Minecraft toll finde, ist, dass nichts vorgefertigt ist. Man hat nur die natürlichen Grundressourcen und muss quasi erst einmal die Steine für das erste Haus selbst herstellen", vergleicht Gabbert das Spiel mit einem Lego-Bausatz. Derweil toben die Mannschaftsduelle. Wer nicht gerade das Gamepad in der Hand hält, fachsimpelt mit den anderen. Der elfjährige Colin zum Beispiel weiß schon ganz genau, wozu die Fifa-Points gut sind, die sich kaufen kann, wer den ersten oder zweiten Gutscheinpreis errungen hat: "Damit kann man die Leistungen und Eigenschaften seiner Spieler verbessern", sagt er. Nach vier Minuten ist schon das nächste Spielerpaar dran. Bis das Turnier um 17 Uhr endete, war’s keine Minute langweilig.