Ein märchenhaftes Spektakel

Festspiele begeistern mit dem Kinderstück "Jorinde und Joringel"

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

Di, 17. Juni 2014 um 15:23 Uhr

Breisach

Besten Märchenspaß gibt es in diesem Jahr beim Jugendstück der Breisacher Festspiele zu erleben.

In der von Regisseur Peter W. Hermanns geschriebenen Bühnenfassung des Grimmschen Märchens "Jorinde und Joringel" entwickelt sich ein zauberhaftes Spektakel, das Kinder wie Erwachsene gleichermaßen in seinen Bann zieht.

Geglückte Ergänzungen
Hermanns, seit nunmehr zehn Jahren für das Jugendstück der Breisacher Festspiele verantwortlich, macht aus dem kurzen Grimmschen Text ein Theatererlebnis mit viel Humor und Situationskomik, ohne dabei den Grundgedanken des Liebesmärchens zu verleugnen. Als besonders glücklich erweist sich dabei seine Entscheidung, behutsame Ergänzungen im Personenrepertoire des Märchens zu vollziehen.

So beginnt das Märchen mit einer äußerst amüsanten Szene um die Familien von Jorinde und Joringel, die im Grimmschen Märchen nicht auftauchen. Damit schafft Hermanns nicht nur den Raum, den Vater von Joringel (Harald Bürgin) auf köstliche Art und Weise einzuführen und damit ein humoristisches Highlight zu schaffen, sondern er forciert durch dessen ablehnende Haltung zur Verbindung seiner Tochter auch die Flucht des Liebespaars (Johanna Stubert und Fabian Denzler).

Diese Flucht lässt die beiden in den Bannkreis der Kattugla geraten, einer Figur, die ihr Unwesen als Zauberin (Elke Bürgin) und als alte Frau (Silvana Ganz) treibt.

Ihre – von den beiden Akteurinnen überaus überzeugend dargestellte – dämonische Ausstrahlung lässt dem Liebespaar keine Chance. Jorinde wird in einen Vogel verwandelt und Joringels Flehen um Gnade bleibt unerhört.

Kleiner Kauz mit großem Herzen
In dieser schier ausweglosen Situation schlägt die Stunde für eine weitere Figur, die Hermanns für seine Bühnenfassung des Märchens kreiert hat. Kauz (Ronja Bürgin) heißt sie, ein Freund Joringels. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes "ein kleiner Kauz mit großem Herzen", der mit viel Wortwitz, der Unterstützung des Publikums und dem ihm eigenen gesunden "Menschenverstand" die Dinge in die richtige Richtung treibt. Von ihm stammt schließlich der Tipp, dass nur der Tautropfen des Riesensonnentaus die Geliebte zurückverwandeln könnte. Und das gelingt auch, so sehr die Waldschrate, Trolle und das achtköpfige Sondereinsatzkommando der Zauberin dies zu verhindern versuchen.

Ein Überfluss an Einfällen
Wirklich beeindruckend ist es, wie liebevoll diese Armada skurrilster Figuren, vor allem auch was die Kostümierung angeht, gestaltet ist. Die Darstellung einer ganz besonderen Cocktailbar ist ein Beispiel für den Überfluss an Einfällen. Aber auch mit ihrem sonstigen Auftreten wissen die Waldbewohner zu begeistern. Nicht zuletzt von dieser schier unerschöpflichen Phantasie geht eine gehörige Portion der Faszination des diesjährigen Jugendstücks aus. Das gilt gleichermaßen für das von Juliane Hollerbach choreographierte Erblühen des Riesensonnentaus, das von 25 Darstellerinnen und Darstellern in beeindruckender Weise gestaltet wird.

Viel Applaus für die Akteure
Selten wurden die Möglichkeiten der weitläufigen Freilichtbühne so konsequent genutzt wie in diesem Jahr. So wird letztlich das gesamte Festspielgelände samt den Zuschauerrängen zu einer großen Theaterbühne. Diese wird auch der Schauplatz für mehrere Szenen, die an die Showdowns klassischer Western erinnern. Der große Applaus der Premierengäste war der verdiente Lohn für ein Schauspielspektakel, das noch viele Besucher auf den Münsterberg locken wird.

Ein Fotoalbum zum neuen Kinderstück der Breisacher Festspiele gibt es unter http://www.badische-zeitung.de

Weitere Spieltermine

Juni: 22./29.

Juli: 6./13./20./27.

August: 24./29./31.

September: 7.

Beginn: jeweils um 15 Uhr auf der Freilichtbühne auf dem Münsterberg, außer bei der Abendvorstellung am 29. August (Beginn: 19 Uhr).

Vorverkauf: Breisach Touristik, BZ-Geschäftsstellen, http://www.festspiele-breisach.de www.reservix.de, Tickethotline 01805/700733

Preise: 6 Euro