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12. August 2015

Fette Yachten und dicke Kähne

Modell-Schiff-Kapitäne zeigen beim Badweiher-Hock in St. Peter ihre schwimmenden Schätze.

  1. Die unterschiedlichsten Schiffe wurden beim Badweiher-Hock in St. Peter vorgestellt. Geräucherte Forellen waren sehr begehrt. Foto: Wolf-W. Adam

  2. Foto: Wolf-Wilhelm Adam

ST. PETER. Die Modell-Schiff-Kapitäne St. Peter können auf ein ereignisreiches Wochenende zurückblicken. Zum 25. Mal ließen sie es beim Badweiher-Hock so richtig krachen. Und das nicht nur beim abendlichen Feuerwerk, sondern auch und vor allem auf dem Weiher.

Mehr als 200 Modellschiffe waren dort zu sehen und begeisterten die unzähligen Besucher, die insbesondere auch wegen der kulinarischen Genüsse an den Weiher gekommen waren. Auf die Frage, wie ein doch recht kleiner Verein sich solch eine Bekanntheit in der Modellbauszene verschafft hat, meinte der Vorsitzende mit einem Zwinkern: "Wir sind einfach gut."

Diesen Satz führte Friedhelm Wölker dann noch etwas weiter aus. Der Verein wurde 1988 gegründet, und zwei Jahre später fand der Badweiher-Hock zum ersten Mal statt. "Wir haben ganz klein angefangen, wurden dann aber über Mund-zu-Mund-Propaganda immer größer." Jeder, der einmal da war, kommt im nächsten Jahr wieder. Als dann die von den Mitgliedern der Modell-Schiff-Kapitäne komplett selbst gebaute Hafenanlage zu Wasser gelassen wurde, war der Verein damit Vorreiter im bundesweiten Modellbau.

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Keiner hatte wohl bis dahin solch eine umfangreiche Hafenanlage, was den besonderen Reiz für die Modellboot-Kapitäne ausmachte, einmal im Jahr aus ganz Europa ins beschauliche St. Peter zu kommen. Heute ist die Anlage mit unzähligen Metern Kabeln, den unterschiedlichsten Szenarien und vielen kleinen Besonderheiten fester Bestandteil des Badweiher-Hocks. Punkt 15 Uhr explodiert beispielsweise die Raffinerie – und flugs eilen alle Boote, die eine Löschkanone an Bord haben, herbei und sorgen dafür, dass der Brand schnell eingedämmt ist.

Mehr als 100 Modellbauer hatten dieses Jahr wieder den Weg nach St. Peter gefunden und all ihre Schmuckstücke dabei. Das geht los beim kleinen Schlepper im Maßstab 1:200 und geht bis zum vier Meter langen und weit über 300 Kilogramm schweren Containerschiff im Maßstab 1:32. Faszinierend war beispielsweise bei eben diesem Containerschiff, wie die Modell-Schiff-Kapitäne mit vier Schleppern den dicken Kahn durch die Hafenanlage manövrierten. Einer zieht, zwei sorgen für die Richtung, indem sie seitlich drücken und einer sichert mit einem Seil von hinten ab. Wie in der Realität auch.

Und die kleinen Schlepper, die kaum mehr als 20 Zentimeter groß sind, haben eine derartige Kraft, dass sie sogar ein echtes Ruderboot mit vier Insassen ohne Probleme von der einen Seite des Weihers auf die andere Seite schieben können. "Das haben wir tatsächlich schon mal ausprobiert und es hat funktioniert", berichtet Wölker strahlend.

Gorch Fock II mit 19 Elektromotoren

Wenn er von den Modell-Schiffen erzählt, geht ihm das Herz auf. So wie den vielen anderen Modell-Schiff-Kapitänen, die am Wochenende vor Ort waren. Einer von ihnen ist Helmut Switek aus Kempten. Er hatte, wenn man schon ein Modell herausgreifen möchte, das Highlight dabei: das Segelschiff Gorch Fock II, das mit 19 Elektromotoren bestückt annähernd alle Segel verstellen, drehen und aufrollen kann. Ein vorsichtiger Versuch, die Arbeitszeit zu schätzen, hatte neun Jahre als Ergebnis. "Man kann das nicht genau beziffern. Zählt man das nächtliche Grübeln, wie ein bestimmtes Problem umgesetzt wird, beispielsweise dazu oder lässt man das weg? Es war auf jeden Fall viel Arbeit", so Switek, der schon am nächsten Projekt baut, das er nächstes oder übernächstes Jahr mitbringen möchte.

Was den Badweiher-Hock auch besonders macht, ist das bereits angesprochene kulinarische Angebot. Ein paar Fischer aus Waldkirch sind seit Jahren dabei und räuchern vor Ort frische Forellen. Alle Kuchen – und das sind beileibe sehr viele – werden von den meist weiblichen Mitgliedern des Vereins gebacken. "Es gibt Mitglieder, die in den vergangenen Jahren bis zu 40 Kuchen gebacken haben. Viele Besucher kommen extra wegen der leckeren Kuchentheke alljährlich zu uns", berichtet der Vorsitzende. Die weitere Bewirtung hat der Förderverein des Sportvereins übernommen, weil die Modell-Schiff-Kapitäne den Badweiher-Hock nicht mehr alleine stemmen könnten.

Man fühlt sich wohl bei den Modell-Schiff-Kapitänen rund um den Badweiher, und das unterschreiben alle, die einmal da waren. Das Wochenende war aus Sicht der Kapitäne ein voller Erfolg und schon heute sind viele Unterkünfte für das Wochenende in einem Jahr, wenn der 26. Badweiher-Hock stattfindet, ausgebucht.

Autor: Wolf-Wilhelm Adam