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28. Juni 2011 13:52 Uhr

St. Peter und Paul in St. Georgen

Feuer im Kindergarten: Es war wieder Brandstiftung

Die Kripo hat keine Zweifel: Es waren Brandstifter, die den Kindergarten in St. Georgen angezündet haben. Eine Sonderkommission ermittelt. Es wurde eine Belohnung von 3000 Euro für Hinweise auf den oder die Täter ausgesetzt. Derweil macht sich die Pfarrei an den Wiederaufbau.

  1. Viel ist vom Kindergarten St. Peter und Paul nicht mehr übrig geblieben. Foto: Thomas Kunz

In der Nacht zum Montag ist der erst zweieinhalb Jahre alte katholische Kindergarten St. Peter und Paul durch einen Großbrand komplett zerstört worden. Der Sachschaden geht in die Millionen. Es war das zweite Großfeuer bei St. Peter und Paul innerhalb von fünf Jahren. Im August 2006 war der alte Kindergarten von Brandstiftern in Schutt und Asche gelegt worden. Die Täter konnten nie gefasst werden.
Die Ermittlungen der Kripo haben nun ergeben, dass die neue Kindereinrichtung wieder angezündet worden ist. "Wir haben eine relativ gute Erkenntnislage", sagt Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid. Details will er nicht nennen, weil die Polizei kein Täterwissen preisgeben will. Spekuliert wird nun natürlich in St. Georgen, dass es sich um den oder die gleichen Täter handeln könnte. Auch zu diesen Spekulationen nimmt die Polizei keine Stellung. "Die Motivforschung wird in alle Richtungen ausgedehnt", sagt Polizeisprecher Schmid.

Die Kripo hat eine siebenköpfige Sonderkommission gegründet, die sofort die Arbeit aufgenommen hat. Noch im Laufe des Dienstags soll im Umfeld des Kindergartens ein Flugblatt verteilt werden. Die Nachbarn werden dabei gefragt, ob ihnen in der Nacht zum Montag in der Zeit vor 3.30 Uhr verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Bereich von Andreas-Hofer-Straße und Bozener Straße aufgefallen sind. Für Hinweise, die zu Ergreifung des Täters führen, haben Versicherung und Pfarrgemeinde eine Belohnung in Höhe von 3000 Euro ausgesetzt.

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Pfarrei richtet den Blick in die Zukunft

"Es ist unbegreiflich welchen Gewinn kann jemand davon haben, einen Kindergarten anzuzünden?", sagt Franz Wehrle, der Pfarrer von St. Peter und Paul zur Brandstiftung. Es bleibe ein mulmiges Gefühl, auch mit Blick auf die Zukunft. "Da scheint jemand zu sein, der ein Problem hat". Wenn es vor dem Brand einen Einbruch gegeben hat, müsse der mit brachialer Gewalt erfolgt sein, meint Pfarrer Wehrle. Dreifachglas sicherte die Fenster, auch die Türen hatten den höchsten Sicherheitsstandard.

Im Pfarrbüro steht derzeit das Telefon nicht still. Die Gemeinde erlebe eine Welle der Solidarität und Anteilnahme, so der Seelsorger. Am Montagabend hat sich der Stiftungsrat getroffen. Er muss zunächst einmal eine provisorische Unterkunft für die 90 Kindergartenkinder finden. Erste Objekte sollen noch am Dienstag angeschaut werden. Möglicherweise werden die Gruppen erst einmal auf verschiedene Orte verteilt. Nach den Ferien sollen alle Kinder wieder an einem Ort sein. "Das ist auch für die Eltern wichtig, die mehrere Kinder in unserem Kindergarten haben", so Pfarrer Wehrle. Die St. Georgener wollen mit der Stadt reden, ob möglicherweise Container aufgestellt werden können.

Kindergarten soll wieder aufgebaut werden

Fest steht auch schon: Der Kindergarten soll so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden mit dem Geld der Versicherung plus den Preissteigerungen. "Es muss schneller gehen als letzte Mal", sagt der Pfarrer. Damals gab es längere Diskussionen mit der Stadt um die Größe der Einrichtung. Verlässliche Zahlen fehlten, das kostete viel Zeit. Immerhin: Die Planungsphase fällt dieses Mal wohl weg. Seelsorger Wehrle geht nämlich davon aus, dass die Pfarrei nach den Plänen von 2008 wieder bauen kann. Allerdings ist die Nachfrage nach Kindergartenplätzen so groß, dass der neue Kindergarten eine fünfte Gruppe bekommen könnte. Die müsste dann aber die Stadt finanzieren. "Die Gemeinde ist blank – nachdem wir den letzten Kindergartenbau und gerade eben den Umbau des Pfarrheims gestemmt haben", so der Pfarrer.

Der an Weihnachten 2008 eröffnete Kindergarten hatte 1,5 Millionen Euro gekostet. Es war der erste Kindergarten in Passivbauweise in Freiburg. Damals hatte die Versicherung 1,08 Millionen Euro übernommen, 175.000 Euro kamen von der Stadt, 50.000 Euro von der katholischen Gesamtkirchengemeinde, 33.000 Euro von der Erzdiözese. Die Gemeinde St. Peter und Paul zahlte 75.000 Euro, an Spenden wurden knapp 60.000 Euro gesammelt.

Ein kompletter Neuanfang

Es wird nun wieder einen kompletten Neuanfang geben: Von der Einrichtung des abgebrannten Kindergartens kann nichts verwendet werden. Die Einrichtung, alles Mobiliar, alle Spielsachen sind verbrannt oder schwer verrußt und damit unbenutzbar. Immerhin lagen an anderer Stelle noch ein paar alte Kindergartenstühle vom letzten Provisorium – sie werden nun wieder ausgepackt. Und die Pfarrei überlegt, schon jetzt gleich neues Mobiliar zu kaufen – weil man das dann ohnehin für den neuen Kindergarten braucht, so Pfarrer Wehrle.

INFO:
Die Pfarrei hofft auch auf Spenden aus der Bevölkerung. Das Spendenkonto Kindergarten ist unter Kontonummer 51564642 bei der Volksbank Freiburg Bankleitzahl 680 90000 eingerichtet.

Zeugenhinweise bitte an die Kriminalpolizei Freiburg unter der Telefonnummer 0761/882-4884, das so genannte anonyme Telefon 0761/41262 oder jede andere Polizeidienststelle. Per Mail ist die Kripo Freiburg unter der Anschrift: Kripo.Freiburg@polizei.bwl.de zu erreichen.

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Autor: Joachim Röderer