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27. Juni 2011 17:05 Uhr

Kindergarten St. Peter und Paul

Feuer im Kindergarten: Wieder riecht es nach Brandstiftung

Entsetzen, Trauer und Fassungslosigkeit in Freiburg: Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren hat ein Feuer den Kindergarten St. Peter und Paul zerstört. Und erneut deutet alles auf Brandstiftung hin. Die Täter von damals wurden nie geschnappt.

Mütter wischen sich Tränen aus den Augen, Kinder stehen geschockt am Zaun. Sie blicken auf die rauchenden Trümmer und auf die Feuerwehr, welche auch acht Stunden nach der Alarmierung Glutnester löscht. Und immer hört man diese Fragen: Warum schon wieder unser Kindergarten? War es auch dieses Mal wieder Brandstiftung? Erste Indizien deuten daraufhin, dass das Feuer absichtlich gelegt wurde, sagt Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid. Sachverständige ermitteln noch am Brandort. 2006, das weiß man, haben die Täter Brandbeschleuniger benutzt.

Der zweite Kindergartenbrand wird am Montagmorgen um 3.30 Uhr von Nachbarn entdeckt. Die Löschtrupps von Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Wehren sehen schon bei der Anfahrt den hellen Feuerschein. Das Holzgebäude steht da bereits hell in Flammen. 130 Feuerwehrleute kämpfen stundenlang gegen das Feuer, das eine große Hitze entwickelt. Der hintere Teil des Gebäudes wird von den Flammen komplett zerstört, der vordere Bereich zur Straße hin steht noch: "Aber es gibt schweren Rauchschaden", sagt Hans-Peter Guschl vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Die Feuerwehr hatte mit der Passivbauweise des Hauses zu kämpfen: "Das ist schwierig zu löschen", so Guschl. In der Dämmschicht zwischen den Holzschichten halten sich Brandnester über Stunden.

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Erneut ein Totalschaden

Pfarrer Franz Wehrle von der Pfarrer St. Peter und Paul geht davon aus, dass das Feuer wie schon vor fünf Jahren einen Totalschaden angerichtet hat. Der erst an Weihnachten 2008 bezogene Neubau hat 1,3 Millionen Euro gekostet. Es sind auch viele Spenden in das Haus geflossen. 90 Kinder besuchen die vier Gruppen der Einrichtung, die Nachfrage nach Plätzen ist riesig. "Wir hatten diesen Kindergarten auch mit Blick auf die Zukunft gebaut", sagt Franz Wehrle und blickt kopfschüttelnd hinüber zur Brandruine.

Der Pfarrer sieht Parallelen zu 2006: Auch damals brach das Feuer am Ende der Ferienzeit aus, auch damals lag der Hauptbrandherd nahe der dunkelsten Stelle des Areals. Bäume und Sträucher verdecken hier den Blick zu Straße und Nachbarn. In jüngster Zeit habe es immer wieder versuchte Einbrücke gegeben. An einen technischen Defekt will der Pfarrer nicht glauben: "Die Leiterin war am Samstag noch im Gebäude, da war alles in Ordnung". Am Sonntag wurde im vorderen Bereich auch noch Kinderkirche gefeiert.

Bemühen um Zuversicht

Kindergartenleiterin Hilda Thoma wirkt in all dem Chaos gefasst. Mit Hilfe der Feuerwehr holt sie körbeweise Aktenordner aus dem Leiterinnenzimmer. Nein, niemals hätte sie gedacht, dass so etwas zweimal passieren kann, sagt sie zum zerstörerischen Feuer. Dennoch versucht sie, irgendwie Zuversicht bei geschockten Müttern und den sichtlich mitgenommenen Mitarbeiterin zu verbreiten: "Wir sind alle noch da, es niemand zu Schaden gekommen und das ist das Wichtigste", tröstet sie. Noch am Montagabend will man sich wegen der Suche nach Ausweichquartieren zusammensetzen.

Die Eltern, die auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, müssen schnell wissen, wie es nächste Woche weitergeht. Auch Pfarrer Wehrle will dem neuerlichen schweren Nackenschlag für St. Peter und Paul und für St. Georgen trotzen. Allen, die zweifelnd nachfragen, erklärt er: Das Pfarrfest am kommenden Wochenende werde auf jeden Fall gefeiert.

Zeugen gesucht

Die Polizei bittet um Zeugenhinweise unter Tel. 0761/882-4884, anonym an Tel. 0761/41262 oder per E-Mail an Kripo.Freiburg@polizei.bwl.de.

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Autor: Joachim Röderer