Silvesternacht in Freiburg

Feuerwehr und Rettungsdienst bei Einsätzen mit Böllern beworfen

Joachim Röderer und dpa

Von Joachim Röderer & dpa

Mo, 01. Januar 2018 um 11:26 Uhr

Freiburg

Die Feuerwehren in Freiburg mussten in der Nacht zu Neujahr zu knapp 30 Einsätzen ausrücken. Auch der Rettungsdienst hatte viel Arbeit. Dabei bewarfen Feiernde die Einsatzkräfte mit Böllern.

Für die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren in Freiburg war es im Prinzip eine normale Silvesternacht. Die Wehrleute wurden an Silvester und in den ersten Stunden des neuen Jahres zu 28 Einsätzen gerufen. Meist handelte es sich um kleinere Brände von Hecken, Rasen, Müllcontainern, gelben Säcken oder um Lagefeuer. (siehe auch: Bilanz der Silvesternacht der Polizei Offenburg)

Brand in Mehrfamilienhaus

Einen größeren Einsatz gab es in der Ferdinand-Weiß-Straße im Stühlinger. Kurz nach Jahreswechsel war Alarm ausgelöst worden, weil auf einem Balkon im dritten Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses ein Brand ausgebrochen war. Das Feuer hatte bereits auf die Wohnung übergegriffen. Die Feuerwehr löschte die Flammen unter Atemschutz über die Schiebeleiter. Danach kontrollierte sie die darüberliegenden Geschosse. Zwei Bewohner mussten mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung vom Rettungsdienst behandelt werden.

Gesichts- und Schnittverletzungen

Auch für diesen war es eine arbeitsreiche Nacht. Es gab eine Vielzahl von Einsätzen, unter anderem wegen Verletzungen infolge von Schlägereien. Einsatzkräfte behandelten zudem Alkoholvergiftungen sowie Gesichts- und Schnittverletzungen.

Böller auf Einsatzkräfte

In ihrem Bericht über die Geschehnisse der Nacht weisen Feuerwehr und Rettungsdienst daraufhin, dass es zu besonders unerfreulichen Situationen gekommen sei – und das gleich mehrfach. Feiernde hätten die Einsatzkräfte mit Böllern beworfen und so deren Arbeit behindert. Die Vorfälle ereigneten sich nach BZ-Informationen im Bereich des Hauptbahnhofs.

"Die Aggressionsschwelle sinkt immer weiter", berichtet Armin Maurer, Disponent für den Rettungsdienst in der Integrierten Leitstelle. "Es gibt immer weniger Respekt vor den Einsatzkräften – egal, ob es Rettungsdienst, Feuerwehr oder Polizei ist", so Maurer. Es seien zwar immer nur wenige, die negativ auffallen. "Aber die machen es dann aus."

Die Feuerwehr hatte sich vorab schon auf die Situation eingestellt. Man habe die Wehrleute darauf hingewiesen, dass die Fenster an den Einsatzfahrzeugen geschlossen bleiben müssten – und ebenso die Rettungsanzüge. Bei größeren Attacken habe man die Einsatzzüge angewiesen, den Einsatz abzubrechen und abzurücken: "Der Eigenschutz geht in einem solchen Fall vor", so Berthold Hauser, die in der Silvesternacht als Amtsleiter vom Dienst in der Feuerwache im Einsatz war.

In der Nacht waren 20 Wehrleute der Berufsfeuerwehr im Einsatz. Hinzu kamen die Silvesterbereitschaften verschiedener Freiwilliger Feuerwehren. So besetzten die Abteilungen Oberstadt, Unterstadt, Herdern, Rieselfeld, Hochdorf und Ebnet ab 20 Uhr ihre Feuerwehrhäuser. Zusätzlich mussten in der heißen Phase um Mitternacht dann noch die Abteilungen Stühlinger und St. Georgen von Zuhause alarmiert werden. Insgesamt waren in dieser Nacht mehr als 80 Feuerwehrleute im Einsatz für den Schutz der Allgemeinheit.

Steine auf Polizei

Betroffen war auch die Polizei. Bei einem Einsatz wegen einer Massenschlägerei in Breisach wurden einem Sprecher zufolge Steine auf einen Streifenwagen geworfen.

Minderjährige notoperiert

Zwei minderjährige Schüler kamen in die Notaufnahme der Uniklinik in Freiburg. Sie wurden beim Start einer Silvester-Rakete verletzt, wie Florian Lampert, Facharzt für Plastische Chirurgie an der Uniklinik, am Montag sagte.

Anstatt abzuheben sei der Feuerwerkskörper sofort explodiert und habe die beiden so schwer verletzt, dass sie noch am Silvesterabend notoperiert werden mussten. Lampert behandelte am Neujahrsmorgen viele weitere Menschen, die sich durch unsachgemäßen und leichtsinnigen Umgang mit Pyrotechnik schwere Verbrennungen zugezogen hatten, wie er sagte.

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