Sturmtief

Feuerwehren im Hochschwarzwald nach Burglind im Dauereinsatz

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Mi, 03. Januar 2018 um 12:53 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Umgestürzte Bäume, blockierte Straßen – und ein Notarztwagen, dem der Weg freigesägt werden muss: Sturmtief Burglind hat im Hochschwarzwald die Feuerwehr auf Trab gehalten.

Der Himmel wurde dunkler und dunkler, die Böen stärker und stärker: Sturmtief Burglind fegte am Mittwoch auch über den Hochschwarzwald. Allein bis 13 Uhr wurden in der Region 153 Einsätze gezählt, laut Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald waren insgesamt 250 Kräfte unterwegs. Vor allem umgefallene Bäume forderten die Helfer aller Wehren ebenso wie die Mitarbeiter von Straßenmeisterei, Forst- und Gemeindeverwaltungen. Zahlreiche Straßen waren gesperrt, der Strom fiel aus. Es gab keine Personenschäden.

Die Szenerie
Zwischen und 10 und 11 Uhr erreichte der Sturm seinen Höhepunkt. Der Himmel verdunkelte sich von Minute zu Minute, der Wind peitschte erst Regen und dann Schnee übers Land – Endzeitstimmung im Hochschwarzwald. In Neustadt wehten Gegenstände durch die Luft, der Supermarkt in Lenzkirch musste schließen, weil vom Dach gefallene Ziegel die Kunden gefährdeten. Im Feuerwehrgerätehaus Neustadt trat die Führungsgruppe Hochschwarzwald – bestehend aus 13 Feuerwehrleuten – zusammen, um die Fülle der Einsätze zu koordinieren. Meldungen wurden von der Leitstelle in Freiburg per Mail direkt an die Einsatzgruppe in Neustadt geschickt. "So wird die Leitstelle bei Großereignissen entlastet", erklärte der stellvertretende Kreisbrandmeister Gotthard Benitz. Nach Sturm Lothar wurde die Führungsgruppe eingerichtet. Jetzt musste sie Sturm Burglind bewältigen. Bis in den späten Nachmittag hinein zogen sich die Einsätze.

Die Straßen
"Oberstes Gebot ist, die Sicherheit der Helfer nicht zu gefährden. Bei diesen Böen können sie nicht am oder gar im Wald arbeiten", so Gotthard Benitz. Deshalb wurden am Vormittag Straßen, die bereits durch umgestürzte Bäume blockiert waren, gesperrt und das Freiräumen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Nichts ging mehr unter anderem auf der B 500 im Bereich Waldau-Kalte Herberge und Bärental-Schluchsee, die Kreisstraße zwischen Friedenweiler und Eisenbach, die Kreisstraße von Oberbränd nach Bräunlingen und die Kreisstraße zwischen Schluchsee und Faulenfürst waren dicht. Lenzkirchs Ortsteil Raitenbuch war durch umgestürzte Bäume überhaupt nicht mehr zu erreichen und für einige Zeit komplett abgeschnitten. Hier lag die Priorität der Feuerwehr darin, die Verbindung wenigstens von einer Seite wieder herzustellen.



Auf der B 500 im Bereich Feldberg krachte ein Baum auf den Transporter einer Metzgerei. Der Fahrer blieb unverletzt. Glimpflich verlief auch das Umfallen zweier Bäume in Hinterzarten, die parkende und nicht besetzte Autos trafen. Jede Minute zählte gegen 11.30 Uhr am Rinken: Hier gab es einen Notarzteinsatz, die Feuerwehr musste dem Rettungsfahrzeug aber erst den Weg freisägen. Ein durch den Sturm bedingter Verkehrsunfall sorgte auf der B 500 bei Schluchsee für eine Sperrung. In Saig blockierten umgestürzte Bäume den Hochfirstweg. Die Feuerwehr rückte an, doch angesichts der starken Orkanböen war an ein sicheres Wegräumen der Bäume zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Auch auf der B 31 bei Rötenbach und im Höllental kam es aufgrund umgestürzter Bäume zu Sperrungen und Behinderungen.

Die Bahn
Die Verbindung zwischen Titisee und Seebrugg wurde von der Bahn bereits ab 8.15 Uhr vorsorglich eingestellt und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Ab 12.30 Uhr stand dann auch die Höllentalbahn still, auch hier gab es Schienenersatzverkehr. Die Sperrungen auf beiden Linien werden laut Mitteilung der Bahn noch bis Samstag anhalten – zu groß sind die Schäden.

Der Strom
Licht aus hieß es laut Landratsamt in Schluchsee, Eisenbach, Breitnau, Lenzkirch und St. Märgen. Grund dafür waren Bäume, die auf Freileitungen gestürzt waren. Techniker der Energieversorger waren vor Ort, um die Schäden zu beseitigen. Allerdings erschwerten sich die Einsätze im Laufe des Vormittags zunehmend. Mancherorts, hieß es in einer Pressemitteilung des Energiedienstes, konnten die Schadensstellen wegen blockierter Straßen und Wege nicht erreicht werden. In St. Märgen und Lenzkirch mussten die Wehren Personen aus Fahrstühlen befreien, da diese aufgrund der Stromausfälle lahmgelegt waren. In Löffingen und Titisee lösten Brandmeldeanlagen aus.

Der Wald
Wie Streichhölzer knickten mancherorts die Bäume ab. In Falkau war vor allem der Winterberg getroffen, wo viele Stämme wie Mikados umfielen. Immer wieder war lautes Knarzen zu hören, die Spuren, die der Sturm im Forst hinterlassen hat, waren am Nachmittag deutlich erkennbar. Beim Feuerwehrhaus Feldberg fiel ein mächtiger Baum krachend auf ein Wohnhaus. Ein Autokran musste den Stamm vom Dach heben. Auch die sonst kleine Haslach trat über die Ufer. Angaben über die entstandenen Schäden in den Wäldern konnte am Mittwoch noch keine gemacht werden.

Die Wetterdaten
Wer sich im Internet über die aktuelle Wetterlage informieren wollte, konnte auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes (DWD) keine Werte aus dem Hochschwarzwald finden. Schon seit 18. Dezember gibt es vom DWD keine Wetterdaten vom Feldberg mehr. Ein Anruf beim DWD brachte keine Aufklärung: Man könne nicht sagen, warum die Station nicht mehr funktioniere. Ein genereller Abbau sei aber nicht geplant, hieß es allerdings weiter.

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