Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

07. Juli 2017

Feuerwerk der Musik aus alten Köpfen

Musik der europäischen Avantgarde des 18. Jahrhunderts zum Abschluss des elften Ettenheimer Musiksommers.

  1. Musik der Avantgarde des 18. Jahrhunderts gab es vom Ensemble Le Parlament de Musique Strasbourg zum Abschluss des Musiksommers. Foto: Sandra Decoux-Kone

ETTENHEIM. Das Cembalo kam doch noch rechtzeitig. Und auch eine kurzfristige Umbesetzung bei der Traversflöte war notwendig geworden. Tagsüber hatte Paul Jensen, der Vorsitzende der Musikfreunde Ettenheim, noch gebangt, ob alles klappen würde. Umso entspannter konnte er abends im sommerlich warmen Bürgersaal zahlreiche Konzertbesucher zum Abschlusskonzert des Ettenheimer Musiksommers willkommen heißen.

In seiner mittlerweile elften Saison hatte der Verein sich des Themas "Lamento und Jubel" verschrieben. In der letzten Aufführung dieser Reihe präsentierte das Ensemble Le Parlement de musique Strasbourg Kompositionen der Mannheimer Hofkapelle aus dem 18. Jahrhundert. Die badischen Kurfürsten Carl Theodor und Carl Philipp hatten angesehene Musiker für ihren Hof nach Mannheim gewinnen können. So konnten sie für ihre Residenzstadt auch Leontzie Honauer anwerben, der vor der Halsbandaffäre in den Diensten des Kardinals Rohan in Straßburg gestanden hatte.

Zufall, Absicht oder Ironie der Geschichte, dass nun die Musik die Zuhörer und Zuhörerinnen mit jener epochalen Affäre in Beziehung brachte. Das Porträt von Kardinal Louis de Rohan hing unmittelbar neben dem Cembalo, so war jene vorrevolutionäre Zeit im Bürgersaal präsent. Bei Honauers Allegro und Minuetto konnte man im Geiste die höfische Gesellschaft unbekümmert über das Parkett der Ballsäle tanzen sehen.

Werbung


Das gut gelaunte Ensemble unter der Leitung von Martin Gester, der auch das Cembalo spielte, wirkte dabei in seinem Vortrag sehr konzentriert. Heiter verspielte Töne führten das Publikum in die Welt des Barock und Rokoko. Ein inspirierendes Schreiten in G-Dur beim eingangs gespielten Quintett für Flöte, Violine, Viola, Violoncello und Cembalo von Ignaz Holzbauer. Klare, stimmige Einsätze und eine wohltuend harmonische, gleichförmige Bewegung.

Es waren Musikstücke von eher unbekannten, dennoch bedeutenden Komponisten wie Franz Xaver Richter, besagtem Honauer, Joseph Toeschi und Johann Baptist Wendling, die gespielt wurden. Die Mitglieder der Mannheimer Schule wirkten damals qualitäts- und stilbildend, gültig bis in die heutige Orchesterarbeit. Richters Sonate in A-Dur wirkte moderner, dunkel. Während das Cembalo den Takt vorgibt, scheinen Flöte und Cello miteinander zu streiten, die revolutionäre Zeit scheint sich da schon in der Musik anzubahnen. Leichter Fugato-Galopp im dritten Satz mit unvermitteltem Ende.

Mozart, der auf seiner ersten Reise mit acht Jahren wie auch auf seiner zweiten mit 22 Jahren in Mannheim weilte, habe, nach den Ausführungen des Leiters Martin Gester, über Richter gesagt: "Was für ein Feuer in diesem alten Kopf steckt".

Gester beschrieb die damalige Aufführungspraxis am Hof von Versailles als sehr "unprätentiös", so leicht und heiter wirkte auch der Vortrag seines Ensembles im Ettenheimer Bürgersaal. Voller Anmut und mit Hingabe gespielt auch das Allegro in Wendlings Trio in a-moll. Unüberhörbar die besondere Dynamik, der Esprit, aber auch die tiefe Emotionalität im abschließenden Flötenquartett von W.A. Mozart. Es gab hoch verdienten, herzlichen Applaus.

Im Oktober folgt im Rahmen des Ettenheimer Musiksommers noch ein Jugendkonzert mit dem deutsch-französischen HipHop-Duo Zweierpasch, in das auch alle Ettenheimer Schulen eingebunden sein werden.

Autor: Bertold Obergföll