Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. August 2012 00:02 Uhr

Leopard-Verleihung

Filmfestival von Locarno: Überraschungen sind möglich

Das Publikum des 65. Filmfestivals von Locarno hat viel Qualität gesehen. Wer einen Leoparden erhält, entscheidet sich bald. Deutschland hat mit 18 Beiträgen einen guten Eindruck hinterlassen.

  1. Auf der Piazza Grande werden am Samstag die Preise verliehen. Foto: dpa

Eines steht jetzt schon fest: Der Wettbewerb des 65. Filmfestivals von Locarno und auch die meisten Filme in den anderen Sektionen haben mit hoher Qualität überzeugt. Wer dafür einen Leoparden mit nach Hause nehmen darf, wird sich am Samstag bei der Preisverleihung auf der Piazza Grande am Ufer des Lago Maggiore entscheiden. Mit 18 Beiträgen von insgesamt etwa 300 hat das deutsche Kino auf diesem nach Cannes, Berlin und Venedig wichtigsten europäischen Filmfestival jedenfalls einen ausgesprochen guten Eindruck hinterlassen.

Hoch gehandelt wird die englisch-deutsch-australische Koproduktion "Berberian Sound Studio". Regisseur Peter Strickland denkt darin über den Zerfall bürgerlicher Sicherheit in Westeuropa nach. Auch Julio Hernández Cordón kann sich mit dem Drama "Polvo" Hoffnung auf eine Auszeichnung machen. Der in den USA geborene guatemaltekische Regisseur spiegelt die politische Entwicklung in Guatemala vom Bürgerkrieg 1982 bis heute. In der dem Dokumentarfilm gewidmeten Sektion "Woche der Kritik" beeindruckte besonders "Vergiss mein nicht" von David Sieveking. Der Regisseur porträtiert darin seine an Demenz erkrankte Mutter und reflektiert zugleich sensibel den Verlust ethischer Werte in der deutschen Gesellschaft. Der neunminütige Kurzfilm "Über rauhem Grund" von der Berliner Regiestudentin Youdid Kahveci gilt als einer der Favoriten im Wettbewerb der überwiegend Studenten vorbehaltenen Sektion "Leoparden von Morgen".

Werbung


Die Konkurrenz ist stark, besonders im Hauptwettbewerb. Viele sehen das Regie-Paar Tizza Covi und Rainer Frimmel mit der österreichischen Pseudodokumentation "Der Glanz des Tages" als Leopard-Anwärter. Das Duo zeichnet darin, ausgehend vom Alltag des am Thalia Theater Hamburg und am Wiener Burgtheater gefeierten Schauspielers Philipp Hochmair, ein eigenwilliges Bild vom Leben zwischen banalem Alltag und schillernden Bühnenträumen.

Auch das gleich sechs Mal im Internationalen Wettbewerb vertretene unabhängige Filmschaffen fern der großen Studios in den USA hat gute Aussichten auf einen der Preise. Insbesondere "Starlet" (Regie: Sean Baker), dem feinsinnigen Porträt einer ungewöhnlichen Frauenfreundschaft, werden von den Festivalbesuchern gute Chancen eingeräumt. Insgesamt bewerben sich 19 Spiel- und Dokumentarfilme um den "Goldenen Leoparden" und die übrigen Ehrungen im wichtigsten Wettbewerb des Festivals.

Natürlich gilt in Locarno auch, was für die Jurys aller Filmfestivals gilt: Überraschungen sind möglich. Besonders schwer dürfte es sein, die Auszeichnungen für die beste Hauptdarstellerin und den besten Hauptdarsteller zu vergeben. Sehr viele Schauspieler beeindruckten mit intensiven Darstellungen. In der Publikumsgunst liegen die Französin Jeanne Moreau für ihr Porträt einer bissigen Greisin in "Une estonienne à Paris" und der Engländer Toby Jones mit der Hauptrolle in "Berberian Sound Studio" weit vorn.

Autor: Peter Claus (dpa)


0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.



Weitere Artikel: Kino