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20. Mai 2016

Firma Zimmermann kommt nicht

BASF und Chemieentsorger haben den Ansiedlungsvertrag für Grenzach aufgelöst / Große Freude in der Gemeinde.

  1. Die Firma Zimmermann wird sich nicht auf dem BASF-Areal (vorne im Bild) ansiedeln. Foto: Ralf H. Dorweiler

GRENZACH-WYHLEN. Die BASF und die Gütersloher Firma Zimmermann haben den Ansiedlungsvertrag für eine Chemieentsorgungsanlage auf dem BASF-Areal aufgelöst. Wie beide Unternehmen in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Donnerstag informierten, handele es sich um ein einvernehmliches Vorgehen, das dem neu in Kraft getretenen Bebauungsplan "Rheinvorland West" geschuldet ist. Damit ist klar: Zimmermann kommt nicht nach Grenzach-Wyhlen. Die Freude in der Gemeinde ist groß.

Die Gründe

Aufgrund des neuen für das BASF-Areal geltenden Bebauungsplans "Rheinvorland West" habe sich die Ausgangslage für die Ansiedlung so massiv verändert, dass die Umsetzung des Projektes "zum großen Bedauern beider Unternehmen" jetzt nicht mehr möglich sei, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von BASF und Zimmermann. Der Bebauungsplan lässt auf dem Werksgelände der BASF nur einen sehr eingeschränkten industriellen Kern zu, der bereits heute weitgehend mit der bestehenden BASF-Produktion belegt ist. Die kleinteilige Gliederung des Areals in Industrie- und Gewerbeflächen limitiert mögliche Erweiterungen sowie Neuansiedlungen von Produktionsbetrieben. "Damit verhindert der Bebauungsplan, dass die Anlage der Firma Zimmermann in dem hierfür vorgesehenen Bereich des Werksgeländes errichtet werden kann", so die BASF. An anderer Stelle hingegen war eine Ansiedlung einer Chemierecyclinganlage durch den Bebauungsplan nicht zu verhindern, wie die Gemeinde stets betont hatte. BASF informiert nun, dass man diese "nur noch sehr begrenzten freien Flächen im industriellen Kern des Werksgeländes" nicht aufgeben wolle. Diese müssten für BASF-Zwecke reserviert bleiben, etwa für Erweiterungen der eigenen Produktion.

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BASF

Michael Christill, der für die Immobilien und Liegenschaften der BASF-Gruppe verantwortlich ist, bedauert, dass die Chemierecycling-Anlage nicht gebaut werden kann: "Die Firma Zimmermann erfüllt eine wichtige Aufgabe in der Kreislaufwirtschaft und entsorgt auf höchstem technischen Standard die in Industrieprozessen entstehenden Abfälle", so Christill. BASF möchte die Folgen des Bebauungsplans für ihre Aktivitäten am Standort nochmals genau prüfen und behalte sich auch vor, eine weitergehende juristische Beurteilung zu veranlassen. "Wir sind enttäuscht, dass unsere Einwände nicht berücksichtigt worden sind und schätzen den Bebauungsplan aus diesem Grund auch nicht als ausgewogen ein", heißt es. In den nächsten Tagen will das Unternehmen Gespräche mit der Gemeinde führen. Ziel sei weiterhin ein Bebauungsplan, der sowohl den Interessen der Gemeinde als auch den Bedürfnissen des Unternehmens gerecht werde.

Zimmermann

"Wir hätten uns sehr gerne auf dem BASF-Areal in Grenzach angesiedelt", wird Gerhard Zimmermann, Geschäftsführer der Zimmermann-Gruppe, in der Pressemitteilung zitiert. Das Werksgelände habe für die Ansiedlung ideale Bedingungen erfüllt. "Nach reiflicher Überlegung haben wir uns nun zu diesem unternehmerischen Schritt entschieden, der uns nicht leicht gefallen ist. Wir haben in den letzten Jahren viel Engagement, Zeit und Kosten investiert und sahen in einer seit Mitte des 19. Jahrhunderts von der chemischen Industrie geprägten Region einen optimalen Standort für die geplante Chemierecycling-Anlage", so Zimmermann weiter.

Der Chemieentsorger wird aufgrund des bestehenden Bedarfs an Behandlungsanlagen für Sonderabfälle in Baden-Württemberg nach einem zusätzlichen Standort schauen. Ein Zwischenlager für Sonderabfälle wurde unlängst in Waldkirch in Betrieb genommen. Das in Grenzach-Wyhlen ansässige Vertriebsbüro werde im Laufe der Zeit nach Waldkirch verlegt, heißt es auf Nachfrage im Unternehmen.

Gemeinde

"Die Nachricht sehen wir positiv", sagte Bürgermeister Tobias Benz. Es sei ein guter Tag für die Gemeinde, der zudem den Weg zum Neustart der Entwicklung des wichtigen BASF-Areals ebne. Benz betonte, dass Grenzach-Wyhlen weiterhin neben einer Wohn- auch eine Industriegemeinde sein wolle und an der zukunftsfähigen Entwicklung der Industrie und des Areals besonders interessiert sei. Er bezeichnete die Firma Zimmermann als gutes und sinnvolles Unternehmen, dem er wünsche, einen für ihren Betrieb geeigneteren Standort zu finden. Das Areal zwischen Rhein und Ortsmitte sei für die Ansiedlung nicht ideal gewesen. Die Auflösung des Ansiedlungsvertrags zwischen BASF und Zimmermann sei nun der Startschuss für die Gespräche mit der BASF, der man im Vorfeld die Bereitschaft signalisiert hatte, den Bebauungsplan ihren Bedürfnissen entsprechend wieder zu ändern. "Ich bin zuversichtlich, dass wir uns mit der BASF einigen werden", sagte der Bürgermeister.

BI Zukunftsforum

Manfred Mutter, der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Zukunftsforum sagte: "Es hat sich gezeigt, dass sich sachbezogenes Bürgerengagement lohnt." Er lobte, dass die drei Jahre Kampf gegen die Ansiedlung ein für die ganze Region positiven Nebeneffekt gehabt hätten: den stark verbesserten Dialog zwischen der Bevölkerung, der Gemeinde und der Industrie, was sich auch durch die Gründung des Netzwerkes "Chemie am Hochrhein" manifestiere. Der Tag sei auch ein guter für die BASF, denn nun sei der Weg zu einer zukunftsfähigen Entwicklung des Areal mit hochwertigen Produkten wieder frei. "Ein Sondermüllentsorger daneben wäre nicht kompatibel gewesen", war die Befürchtung, die Mutter stellvertretend äußerte.

Autor: Ralf H. Dorweiler