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02. September 2011

Chinesisches Finanzwesen aus der "Innenansicht" kennengelernt

AUS DEM REICH DER MITTE (2): Als Kreditsachbearbeiter eines Beratungsunternehmens sammelte Jens Bürgin wertvolle Erfahrungen / Auch privat Kontakte geknüpft.

  1. Jens Bürgin vor der Chengdu Rural Commercial Bank, die ihm die Möglichkeit bot, hinter die Kulissen zu blicken. Foto: Privat

FISCHINGEN/CHINA (BZ). Der auf dem Fischinger Hofgut Sonnenschein aufgewachsene Jens Bürgin weilt derzeit als Stipendiat in China. Wie er den chinesischen Alltag erlebt und welche weiteren Schritte er zur beruflichen Weiterbildung unternahm, schildert er heute.

"Als Ausländer fällt man in vielen Gegenden Chinas sehr schnell auf und erst recht, wenn man Chinesisch spricht. Da die Chinesen sehr kontaktfreudig sind, wird man oft gefragt, wo man herkommt. So wird einem auf die Aussage, dass man Deutscher sei, gleich die Meinung über Deutschland gesagt. Man bekommt zu hören, dass aus Deutschland hoch entwickelte Technologien kommen, und da die deutschen Autos sehr beliebt sind, werden gleich die deutschen Automarken aufgezählt. Gerade mit Chinesen in meinem Alter redet man natürlich viel über Zukunftspläne wie Karriere und Familie. Dabei wird ersichtlich, wie groß der Druck auf dem chinesischen Arbeitsmarkt ist und mit wie wenig Ansprüchen selbst ein chinesischer Uniabsolvent ins Berufsleben einsteigen kann.

Auch Daiwei, meinen Austauschpartner des Schulprogrammes 2004, hatte ich nicht aus den Augen verloren. Wir trafen uns dieses Jahr in Peking und der Fortschritt war offensichtlich: Dieses Mal konnten wir uns auf Chinesisch unterhalten. Doch ich wollte nicht nur die Han-Chinesen, sondern auch chinesische Minderheiten in China kennen und verstehen lernen. So gaben Reisen in die südliche Provinz Yunnan, die Innere Mongolei, das Tibetplateau und die nordwestliche Provinz Xinjiang tiefe Einblicke in das Leben der Menschen dort.

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Im Mai dieses Jahres begann ich ein zweimonatiges Praktikum in einem chinesischen Finanzberatungsunternehmen, das sich auf die Beratung chinesischer Banken zu Kleinkrediten spezialisiert hatte und darin auch einen sehr guten Ruf genießt. Nun konnte ich erste Erfahrungen im Finanzsektor durch die Mitarbeit an einem Projekt in Chengdu in der Provinz Sichuan sammeln. Die örtliche Bank wollte Kredite für kleine Unternehmen, die es in China massenhaft gibt, einführen, um auch diesen eine Möglichkeit zu geben, sich auf formellem Wege zu finanzieren.

Das Finanzberatungsunternehmen sorgte zunächst für die Einstellung von geeigneten Finanzangestellten. Nachdem ich die erste Einstellungsrunde mit beobachtet hatte, wurde mir bei der zweiten schon so viel Vertrauen entgegengebracht, dass ich mit über die Auswahl entscheiden durfte. Auch ich wurde als Kreditsachbearbeiter ausgebildet und in den Markteinführungsprozess des Kredites sowie in das Marketing integriert. So lernte ich die Strukturen innerhalb einer chinesischen Bank kennen, wurde mit dem Finanzsektor vertraut und lernte die spezielle chinesische Arbeitsmentalität kennen. So habe ich durch die Kombination meines Studienfaches des Wirtschaftsingenieurwesens mit dem Sprachstudium des Chinesischen erfolgreich einen Weg in die chinesische Wirtschaft gefunden.

Da ich mich noch nicht auf den Finanzbereich festlegen wollte, entschied ich mich, einen weiteren Sektor der chinesischen Wirtschaft kennen zu lernen (darüber im dritten Teil mehr)".

Autor: hf