Fleißige Handwerker im alten Dorf

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Do, 13. September 2018

Gundelfingen

Neue Ausstellung im Englerbeck-Huus in Gundelfingen eröffnet am morgigen Freitag / Querschnitt alter Handwerksberufe.

GUNDELFINGEN. In seiner neuen Ausstellung widmet sich das Englerbeck-Huus dem alten Handwerk im Dorf. Zu sehen sind Exponate aus mehreren Gebieten. Die Schau wird am Freitag, 14. September, anlässlich des Gundelfinger Weinfestes eröffnet.

"Das ist das Gesellenstück des Blechners Hans Winklers", sagte Hartwig Brutzer, der Leiter des Arbeitskreises Englerbeck-Huus, und zeigt auf einen großen Rohrbogen aus sieben Segmenten. Die dafür benötigten Werkzeuge liegen daneben auf dem lilafarbenen Podest: Treibhammer, Lötkolben und Blechscheren. Monatelang haben die zehn Mitglieder des Arbeitskreises die neue Ausstellung "Wer will fleißige... Handwerker im alten Dorf" vorbereitet. "Am Ende waren es über 670 Stunden Arbeit für die Ausstellung", sagt Brutzer. In zwei Schichten pro Woche haben die Museumsmacher Hand angelegt.

Am Anfang stand die Qual der Wahl: "Wir haben doppelt so viele Exponate, wie wir zeigen können", sagt Brutzer. Als Nächstes musste die Frage geklärt werden, wie die einzelnen Stücke präsentiert werden. Es wurden Podeste, Regale und Vitrinen gebaut. Die Grundfarbe der Brettergerüste ist ein modernes Lila. Auf kontrastreichen weißen Tafeln stehen erklärende Texte zu den einzelnen Berufen.

Zehn alte Handwerke sind mit Exponaten und Bildern aus früheren Jahren vertreten. Unter anderem gibt es alte Hobel eines Schreiners: "Die Schreinerei war ein altes und angesehenes Handwerk, sie hatten das ausschließliche Recht, Hobel als Werkzeug und Leim als Verbindungsmittel zu nutzen", so Brutzer. Gleich daneben steht ein Holzrad für schwere Lastwagen und weitere landwirtschaftliche Geräte aus Holz. Vieles davon stammt aus der Werkstatt des Wagners August Hug. Neben Müllern und Bäckern gab es in Gundelfingen auch Friseure: "Um 1930 arbeiteten die Friseure Albert Hildebrand und Blasius Erath im Dorf." Gezeigt werden jetzt eine Trockenhaube, Kamm, Brennschere und Messer für die Rasur. Brutzer: "Das Friseurhandwerk gehört wohl zu den wenigen Gewerken, die nicht der Industrialisierung zum Opfer fielen – denn der Dauerwellenautomat konnte sich nicht durchsetzen und einen Schneideroboter gibt es noch nicht."

Von den Hausmetzgern Gustav und Otto Klaiber stammen die Schlacht- und Häutemesser, Wetzstahl und vieles mehr. Schwarz-weiß Bilder zeigen die Metzger bei der Arbeit. Früher gab es in Gundelfingen auch einen Schuhmacher, dort wo heute das Kultur- und Vereinshaus steht. In der Werkstatt wurden Lederstücke für die Oberschuhe geschnitten und mit den Schuhsohlen vernäht, es wurde mit Feilen und Spannriemen gearbeitet. Holzmodelle und Werkzeuge wie Ahlen, Zangen, Nietenpresse und Glättwerkzeuge können in der Ausstellung besichtigt werden. "Das Schuhmacherhandwerk ist eines der ältesten Handwerke, heute gibt es in Deutschland noch einige wenige hundert, die das traditionelle Handwerk ausüben", so Brutzer.

Auch der Sattler ist ein Beruf des lederverarbeitenden Gewerbes. Zur klassischen Aufgabe des dörflichen Sattlers gehörte die Herstellung von Schultornistern und Kindergartentäschchen.

Weitere Abteilungen befassen sich mit den Schneidermeistern, Korbmachern, Blechnern, Klempnern, Spenglern und den Maurern. Viel Platz nimmt auch das Schmiedehandwerk ein. Ein großes Bild zeigt Kurt Kiefer bei der Arbeit in der ehemaligen Schmiede in der Vörstetter Straße. Darunter befinden sich eine Reihe von Schmiedezangen und zahlreiche Hämmer für die verschiedenen Aufgaben des Schmiedes. Außerdem ist ein mächtiger Schraubstock zu sehen. "Alle ausgestellten Exponate zeigen nun einen guten Querschnitt der alten Handwerksberufe in Gundelfingen", freut sich Brutzer.

Die Ausstellung "Wer will fleißige... Handwerker im alten Dorf" ist vom 14. September 2018 bis zum 31. Januar 2020 zu sehen. Öffnungszeiten: Jedes erste Wochenende im Monat von 15 Uhr bis 18 Uhr. Gruppen auf Anfrage unter Tel. 582491 oder Mail: Hartwig4.Brutzer2@t-online.de