Flöte, so feurig und virtuos geblasen

ulb

Von ulb

Mo, 08. Juli 2013

Friesenheim

Die Musikfreunde Ettenheim können stolz sein, die zwei hochkarätigen Künstler für den Musiksommer gewonnen zu haben.

ETTENHEIM. Weltklasse im Bürgersaal: Im Rahmen des 7. Ettenheimer Musiksommers ist am Freitag Abend die renommierte "Echo-Klassik"-Preisträgerin an der Blockflöte, Dorothee Oberlinger, zusammen mit ihrem Bühnenpartner, dem italienischen Cembalisten, Pianisten und Organisten Giampietro Rosato aufgetreten.

Im Reigen der Instrumente spielt die Blockflöte ja eher die Rolle des Veilchens im Moose: Bescheiden, sittsam und rein begleitet sie die ersten musikalischen Gehversuche der meisten Kinder, die weihnachtlichen Gesänge unterm Tannenbaum und manches gemütliche Damen-Kränzchen und wird spätestens mit dem Eintritt in die Pubertät verschämt beiseite gelegt. "Cool!" ist ein Ausruf, der im Zusammenhang mit der Blockflöte wohl kaum je gehört wird.

Und doch ist es genau dieses moderne Wort für den Ausdruck höchster Wertschätzung, das sich einem beim Konzert der Flötistin Dorothee Oberlinger im Bürgersaal im Rathaus förmlich aufdrängt. Betitelt ist dieses vorletzte Event des siebten Ettenheimer Musiksommers zwar mit "Per il flauto dolce" – für die zarte, süße Flöte. Doch welche furiose Dynamik versteht Dorothee Oberlinger aus diesem unscheinbaren Holzblasinstrument herauszuholen!

Egal ob sie die Kleinste im Bunde der insgesamt acht Flöten in allen Längen und Holzarten an den Mund setzt und ihre Finger in rasendem Tempo über die Grifflöcher bewegt, oder die schwarze "Beinahe-Tenorflöte", die in der Tiefe nicht bis zum "c", sondern nur zum "d" hinunterreicht – immer tut sie das mit einer unglaublichen Verve. Schüttelt dazu mit energischen Bewegungen ihr lockiges Haar, setzt ein fast keck zu nennendes Lächeln auf, wenn nach einem Andante oder Adagio wieder einmal ein federleicht durch den Raum brausendes Allegro um die Ecke gebogen kommt.

Spätestens bei den "Couplets des Folies" von Marin Marais beginnt man zu ahnen, dass auch Flöte, so feurig und virtuos geblasen, nach Rock klingen kann, dass Ian Anderson von Jethro Tull sich möglicherweise hier seine Inspiration geholt hat. Man könnte es also auch nennen: Ba-Rock vom Feinsten. Als Begleiter an den per Tasten-Anschlag charakteristisch sanft gezupften Saiten des Cembalos hat sich Dorothee Oberlinger den ebenso wie sie selbst international konzertierenden Künstler Giampietro Rosato ausgewählt.

In perfekter Klang-Harmonie präsentierten die beiden Musiker einen spannenden Querschnitt durch die Werke des Früh-, Hoch- und Spätbarock, zu denen neben dem bereits genannten, hierzulande sonst eher selten gespielten Marais auch oft gehörte Größen wie Arcangelo Corelli oder Georg Friedrich Händel zählten. Die Musikfreunde Ettenheim als Organisatoren des Musiksommers können zu Recht stolz sein, dass es ihnen gelungen ist, derart hochkarätige, mehrfach international ausgezeichnete Künstler für ein Konzert verpflichten zu können, das vom Studio Freiburg des Südwestrundfunks live aufgezeichnet wurde.