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21. Januar 2016 19:52 Uhr

Spectral-Gebäude

Flüchtlinge im Gewerbegebiet Haid? Betriebe reagieren erbost

Unruhe, Unverständnis und Ärger in den Betrieben im Freiburger Gewerbegebiet Haid: Sie befürchten, eine weitere Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge werde die Umgebung überfordern.

  1. Im ehemaligen Spectral-Gebäude an der Bötzinger Straße sollen Flüchtlinge untergebracht werden. Foto: Ingo Schneider

  2. Christian Schulz, Vorsitzender der IG Haid Foto: Privat

"Bei mir laufen seit heute früh die Telefone heiß", sagt Christian Schulz, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Haid (IG Haid). "Diese Nachricht trifft uns Unternehmer hart und völlig unvorbereitet. Weder das Regierungspräsidium, noch die Stadt oder das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge haben auch nur ein Wort in der Sache mit uns gewechselt." Man fühle sich von den Behörden massiv hintergangen.

"Bei mir laufen seit heute früh die Telefone heiß." Christian Schulz
Im ehemaligen Spectral-Gebäude an der Bötzinger Straße will das Bundesamt, wie die Behörde gegenüber der BZ am Donnerstag bestätigte, voraussichtlich Ende März eine Freiburger Außenstelle eröffnen. Auch Flüchtlinge sollen hier untergebracht werden.

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Die mögliche Unterbringung von bis zu 1000 weiteren Flüchtlingen auf der Haid sei völlig unverhältnismäßig, so die einhellige Meinung, die IG-Haid-Vorsitzender Schulz aus seinen ersten Gesprächen mit den Unternehmern vor Ort zu hören bekam. "Es spielen dabei mit Blick auf die Silvesternacht in Köln und die sich häufenden Meldungen über Probleme wie Schlägereien und Konflikte in den Sammelunterkünften auch zunehmend Ängste eine Rolle", so Schulz.

Städtische Unterkünfte für rund 400 Menschen in der Nähe

Man dürfe aber ungeachtet dessen auch nicht übersehen, dass im Gewerbegebiet Haid in unmittelbarer Nähe des geplanten neuen Standorts bereits heute städtische Unterkünfte für rund 400 Menschen geschaffen worden sind. "Das ehemalige Essilor-Gebäude in der Bötzinger Straße mit seinen 300 Plätzen hat die Stadt alleine schon für 15 Jahre angemietet", betont Schulz. "Viele Unternehmer im Gewerbegebiet fürchten angesichts solch langer Zeiträume neben zunehmenden sozialen Spannungen vor allem auch einen langfristigen Wertverlust für ihre Standorte." Man dürfe die Kooperationsbereitschaft der Unternehmen, die als Arbeitgeber letztlich für den Wohlstand der Menschen und die Handlungsfähigkeit der Stadt mitverantwortlich sind, nicht endlos belasten. "Wir denken auch an die Mitarbeiter, die hier morgens und abends unterwegs sind", so Schulz.

Die Stadt Freiburg habe in der Vergangenheit Interesse an einem Gelände neben dem Spectral-Gebäude als Standort einer möglichen Flüchtlingsunterkunft gezeigt, berichtet Christian Schulz. "Die Spectral-Eigentümer Reinhard Willi und Günter Schneidereit haben sich im vergangenen Jahr aber noch mit Händen und Füßen gegen den Standort eingesetzt, woraufhin in Gesprächen mit der Stadt das Essilor-Gebäude als Kompromiss gefunden wurde."

"Da werden attraktive Mieten bezahlt"

Über die Antwort auf die Frage, warum die beiden Unternehmer nun offenbar mit dem Bundesministerium und dem Regierungspräsidium handelseinig geworden sind, könnten die Unternehmer in der IG Haid nur spekulieren, so Schulz. Es gebe aber deutliche Signale, dass die Mieten, die von der öffentlichen Hand für die Unterkünfte bezahlt werden, deutlich über dem liegen, was man als Eigentümer mit Büro- oder Gewerbeflächen erzielen kann: "Da werden attraktive Mieten bezahlt."

Laut Informationen der IG Haid ist in der Sache das letzte Wort jedoch noch nicht gesprochen: Die Verträge zwischen den Eigentümern und den Behörden sollen noch nicht unterschrieben sein. Schulz: "Wir werden sehen, ob wir den Unternehmern nicht eine Alternative aufzeigen können."

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Autor: si