Flüchtlinge und Feste zusammenbringen

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Sa, 08. September 2018

Friesenheim

Das Netzwerk Solidarität Friesenheim will einen neuen Weg gehen und benötigt neue Helfer.

FRIESENHEIM (pbs). Das Netzwerk Solidarität Friesenheim will mit seinem Unterstützerkreis neue Wege gehen. Der Vorsitzende Eberhard Braun stellte beim jüngsten Treffen im evangelischen Gemeindehaus die Ideen vor. Zudem, betonte er, brauche der Unterstützerkreis dringend weitere Ehrenamtliche, um den Aufgaben in der Gemeinschaftsunterkunft nachkommen zu können.

"Die Stimmung in der Bevölkerung schlägt um", sagte Pfarrer Rainer Janus, selbst Schriftführer des Vereins. Martina Hamm vom Vorstandsteam bestätigte dies. In vielen Gesprächen mit Menschen über die Arbeit des Unterstützerkreises sei auch ihr das geänderte Meinungsbild entgegengeschlagen. "Wir haben schon immer diskutieren müssen, aber es wird immer schwieriger."

Auch Chemnitz war ein Thema, und ihr Vater habe sie auf die Idee gebracht, ein multireligiöses Friedensgebet in der katholischen Kirche zu veranstalten (morgen, Sonntag, 18 Uhr. Die BZ berichtete bereits). "Jeder soll dabei seinen Gott anbeten dürfen, einzige Bedingung: "Es muss auf Deutsch sein", so Hamm. Damit wolle man möglichen Vorwürfen vorbeugen, dass in einer anderen Sprache im Gebet Dinge gesagt werden, die so nicht gesagt werden dürfen.

Solche Veranstaltungen entsprechen dem neuen Konzept. Dieses zielt darauf ab, künftig Veranstaltungen in allen Ortsteilen zu veranstalten, die von Einheimischen und Flüchtlingen gleichzeitig besucht werden. Der Grund: Die Unterbringung der Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft und der Anschlussunterbringung stellt die Ehrenamtlichen vor unterschiedliche Herausforderungen. Laut Eberhard Braun soll deshalb aus dem Café International ein Treff International werden; hierzu sei er mit den Vereinen, Ortsvorstehern und Bürgermeister Erik Weide im Gespräch. "Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde läuft vorbildlich", so Braun. Er nannte als Beispiel das Kürbisfest der Haus- und Gartenfreunde beim Kloster Heiligenzell, das Helmut Britsch organisiere. Er sieht die Aufgabe des Unterstützerkreises darin, das Fest bei den Flüchtlingen publik zu machen und sie zum Fest zu bringen. Ähnlich soll es bei anderen Veranstaltungen der Vereine laufen. Durch den Kontakt sowie mit eigenen Aktionen wie Spielen für Kinder will das Netzwerk solche Feste unterstützen. "Wir wollen, dass sich die Vereine für eine solche Idee öffnen", so Braun.

Enttäuscht zeigte sich Rainer Janus, dass bereits mehrfach eine Brandschutzübung seitens des Landratsamtes abgesagt worden sei. Es sei bekannt, dass häufig Fehlalarme die Wehrleute in die Gemeinschaftsunterkunft riefen. Eine Schulung der Bewohner dort sieht Janus als wichtig an. Petra Wieber vom Migrationsamt erklärte, dass das Landratsamt als Inhaber dafür zuständig sei und nicht das Netzwerk.

Joseph Hugelmann monierte, dass auch ein Sommerfest mit den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft am Bahnhof vom Sozialdienst durch Monika Brede ausgebremst worden sei. Petra Wieber begründete dies mit der Unterbringung von 15 neuen Flüchtlingen aus Afrika, vornehmlich Alleinreisenden. Deren Bedarf müsse erst ermittelt werden. Das brachte Martina Hamm auf: " Für mich ist es ein rotes Tuch, wenn ich höre, dass der Bedarf ermittelt werden muss." Ihrer Ansicht nach sei es keine Integration, wenn die Menschen sagen, "wir machen, was wir wollen. Dann machen die nur noch ihr Ding." Hierin waren sich einige Ehrenamtliche einig: Sie zeigten sich über fehlendes Engagement und mangelnde Eigeninitiative der Flüchtlinge enttäuscht.