Effiziente Strukturen für Gemeinde, Pfarrgemeinde und Vereine

iwi

Von iwi

Sa, 12. Mai 2012

Forchheim

Nicht nur optische Aufwertung: Gemeinde, Kirche und Planer stellen nach eingehender Analyse ihre Vorstellungen für die künftige Ortsmitte von Forchheim vor.

FORCHHEIM (iwi). Der Endinger Architekt Walter Hügel und das Planungsbüro Fischer haben die Gebäude und das Areal um Rathaus und Kirche untersucht und einen Diskussionsentwurf für die Umgestaltung und den Neubau eines Gemeindezentrums vorgelegt. Rüdiger Kunst von der Kommunalkonzept GmbH erläuterte die Gesamtkosten und die Verteilung auf politische Gemeinde und Pfarrgemeinde.

Die Analyse

des Vorhandenen
Gemeindeverwaltung und Gemeinderat sind in einem renovierungsbedürftigen Rathaus aus dem 19. Jahrhundert untergebracht. Verwaltung, Heimatverein und Musikverein sind im Gebäude mit insgesamt 15 Einzelräumen miteinander verschachtelt, einzelne Räume sind nur über einen anderen Raum erschlossen. Die Außenwände bestehen aus Bruchsteinmauerwerk, die Innenwände aus Fachwerkwänden, die Geschossdecken sind Holzbalkendecken. Einzelne Räume wurden in den vergangenen Jahren renoviert, an der Substanz wurde nichts verändert. Das gesamte Dachgeschoss, die Dachdeckung und die oberste Holzbalkendecke sind stark sanierungsbedürftig, ebenso die Kellerräume. Gebäude und Heizung müssen energetisch saniert werden. Eine sinnvolle Planung wäre laut Planer nur zu realisieren, wenn das gesamte Gebäude entkernt würde. Nur die Außenwände blieben stehen. Der Pfarrsaal beim Pfarrhaus sollte in den letzten Jahren umgebaut und saniert werden. Nach eingehender Prüfung gab die Kirche die Planung aufgrund der hohen Kosten und der unbefriedigenden Ergebnisse auf.

Was ist an Gebäuden und

Räumen vorgesehen?
Das Rathaus und der angrenzende kleine Pfarrsaal werden abgebrochen. Das Pfarrhaus, das die Gemeinde von der Pfarrgemeinde kauft, wird umgebaut. Verwaltung und Pfarramt werden im Gebäude untergebracht. Im Dachgeschoss entsteht ein Sitzungssaal mit 80 Quadratmetern.

Auf den Pfarrgarten wird ein Gemeindezentrum für die politische Gemeinde und die Pfarrgemeinde gebaut, das beiden auch je zur Hälfte gehören wird. Der Neubau soll in Richtung Süden zur Wohnbebauung hin im Wesentlichen geschlossen gehalten werden. Der Entwurf sieht einen flachen Baukörper vor. Das Äußere des Gemeindezentrums wurde bewusst als moderner Baukörper geplant. Ob das Dach als Flachdach oder flachgeneigt errichtet wird, ist noch offen. Durch großflächige Verglasungen kommt das Tageslicht von der Kirche und vom Kindergarten her in den Gemeindesaal. Der Zugang für Rathaus und Gemeindesaal erfolgt vom neuen Kirchplatz her. Die beiden Zugänge für Rathaus und Gemeindezentrum sind getrennt. Der Aufzug kann für beide genutzt werden.

Im Erdgeschoss befinden sich ein helles Foyer, der Gemeindesaal mit knapp 130 Quadratmetern Fläche, die Küche, ein Abstellraum, ein Stuhllager sowie ein Abstellraum für den Musikverein, wie auch ein Behinderten-WC, das gleichzeitig vom Küchenpersonal bei Veranstaltungen genutzt werden kann.

Im Untergeschoss entstehen ein Proberaum für Vereine, die WC-Anlage, Abstellräume für Vereine und Kirche sowie ein Technikraum. Das Untergeschoss erhält vom Kirchplatz her einen separaten Eingang, damit beispielsweise für Vereinsproben das Erdgeschoss nicht geöffnet werden muss. Die WC-Anlage kann bei Festen oder von Gottesdienstbesuchern separat von außen genutzt werden.

Im Rathaus, im Pfarrhaus und im Kindergarten sind ältere Öl-Zentralheizungen eingebaut. Im Zuge des Neubaus werden diese Heizungen erneuert oder man könnte eine zentrale Heizungsanlage für die Gebäude am Kirchplatz schaffen.

Der Kirchplatz soll auch an den Stellen gepflastert werden, wo jetzt noch Asphalt zu sehen ist. Außerdem soll der Platz durch Bäume, Brunnen und eine "Möblierung" aufgewertet werden. Auf dem daneben liegenden bisherigen Anwesen Schwärzle wird ein Parkplatz angelegt.

Die Kosten für die

neue Ortsmitte
Der "neue Ortskern" kommt mit der Modernisierung des Rathauses, dem Bau des Gemeindezentrums, den Abbrucharbeiten, der Platz- und Straßengestaltung sowie dem Umzug des Heimatvereins auf geschätzte 3,5 Millionen Euro. Davon müsste die Gemeinde 1,76 Millionen übernehmen, das Land schießt 1,2 Millionen zu und der Anteil der katholischen Kirche liegt bei 540 000 Euro.

Für die Kosten einer ausschließlichen Sanierung des Rathauses hat Hügel Vergleichszahlen aus Wyhl herangezogen. Dort wird das ehemalige Rechnungsamt, das in einem ähnlichen Zustand war wie das Rathaus in Forchheim, vollständig entkernt und zu einer Bibliothek umgebaut, was etwa 1,4 Millionen Euro kostet. Für das Rathaus in Forchheim errechnete Hügel Kosten von rund 1,7 Millionen Euro. Etwa die Hälfte müsste die Gemeinde tragen, die andere Hälfte käme vom Land.

Die Unterhaltungskosten für das neue Gemeindezentrum würden von politischer Gemeinde und Pfarrgemeinde getragen, was für beide Seiten eine Ersparnis brächte. Ein gemeinsames Nahwärmenetz für die öffentlichen Gebäude würde die Energiekosten deutlich senken.