Forchheimer fotografiert fremden Falter

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Mo, 27. August 2018

Forchheim

Der Schmetterling lebt eigentlich in Ostafrika – und könnte ausgebüxt sein.

RIEGEL/TENINGEN. Dem Forchheimer Hobbyfotografen Matthias Futterer ist eine seltene Aufnahme gelungen: Er hat auf einer Wiese zwischen Riegel und Teningen einen Schmetterling fotografiert, der eigentlich in Ostafrika heimisch ist. Das Tier mit der lateinischen Bezeichnung "papilio dardanus tibullus" aus der Familie der Ritterfalter könnte laut Experten möglicherweise aus einem Schmetterlingshaus entflogen sein.

Eigentlich wollte Matthias Futterer Eisvögel fotografieren. Gemeinsam mit seinem Kollegen Karsten Guggenbühler war der Forchheimer Hobbyfotograf zwischen Riegel und Teningen unterwegs. "Wir laufen durch das Gras", erzählt Futterer Tage später. "Und auf einmal fliegt der Schmetterling hoch. Das war ein Riesenteil, der hatte sicher acht Zentimeter Flügelspannweite." Futterer griff zur Spiegelreflexkamera mit dem 150-bis-600-Millimeter-Telezoomobjektiv und drückte ab. "Es ist echt ein schönes Bild geworden", sagt der 44-Jährige.

Futterer ist kein Experte, was Schmetterlinge angeht. Er kennt aber einen: Der Gundelfinger André Grabs leitet die Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) und kartiert seit 2007 ehrenamtlich Schmetterlinge, die Daten schickt er an das Naturkundemuseum in Karlsruhe. Grabs guckte sich Futterers Falterfotos an, schlug in Büchern nach und erkannte die Flügelzeichnung des ostafrikanischen Schmetterlinges wieder, der zur Familie der Ritterfalter und der Unterfamilie der Schwalbenschwänze gehört. "Der kann nicht von Kenia hier hochgeflattert sein", sagt Grabs. Seine Theorie: Das Tier ist ausgebüxt, vielleicht aus dem Schmetterlingshaus im elsässischen Hunawihr. Grabs: "Bei diesen Falternhäusern kommt einiges zusammen."

Steve Collins, Schmetterlingsexperte in Kenia, bestätigt später auf BZ-Anfrage die Bestimmung von Grabs; einige deutsche Forscher waren bei der Unterart (tibullus) noch zurückhaltend. Collins ist sich sicher. Er erkennt auf dem Foto auch, dass das Tier ein Weibchen ist und zur Form "hippacoon" gehört – eine weitere Eingrenzung. Erst heute Morgen, schreibt er in seiner E-Mail, habe er genau einen solchen Schmetterling an der kenianischen Küste fotografiert.

Der deutsche Experte Reinart Feldmann, Insektenforscher am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, glaubt nicht, dass "papilio dardanus tibullus" am Oberrhein eine große Zukunft hat. "Solche Exemplare mögen durchaus ein paar Wochen unseren Sommer genießen. Danach gehen sie ein", erklärt er. Und selbst wenn das Weibchen vor dem Ausbüxen befruchtet worden wäre und Eier legen würde, könnten sich daraus auch keine Nachkommen entwickeln: Die Raupen kämen nicht durch den Winter und fänden kein Futter – afrikanische Nachwuchsfalter fressen zum Beispiel am Zitronenbaum.