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02. März 2010

Helle Stimme, dunkle Stimmungen – stimmig an sich

Patty Moon zelebriert im Emmendinger Schlosskeller ihre melancholischen Songs/ Crossover mit Tobias Schwab und David Neuffer.

  1. Patty Moon im Schlosskeller. Foto: Hagen Schönherr

EMMENDINGEN. Zwischen dem Bio-Regal und dem als "konventionell" bezeichneten Nahrungsmittel-Bezirken eines Supermarkts verlief ein unüberwindlicher Graben. Er trennte eine Klientel, die sich nur unter Gewaltandrohung ins feindliche Lager begeben würde. Lange Jahre hatte Musik unter Ähnlichem zu leiden. Da gab es die Puristen. Argwöhnisch jede Steckdose auf der Bühne beobachtend war bei jenen ein Keyboard, das per Tastendruck trompeten konnte, über alle Maßen pfui. Auf der anderen Seite siedelte eine neue Generation von Verwurstern, die sich nicht schämten, mit Mikrofonen, Samplern und elektronischem Spielzeug Klassiksymphonien oder quietschende Türklinken zu neuartigen Klangcollagen zu vermengen. Seit einigen Jahren lässt sich nun beobachten, dass es Annäherungen gibt. Gute Musik kann mit und ohne Technik funktionieren. Die aktuelle Generation an Musikern hat das alte Lagerdenken abgelegt und hält ohne Bedenken die Querflöte in der Hand, während nebenan der Laptop Töne sprotzt. Für diese Spezies sind Patty Moon – bürgerlich Judith Heusch, Wohnort Forchheim– und ihr Kollege und Klangtüftler Tobias Schwab zwar keine Vorreiter, doch exzellente Beispiele. Patty Moon gab am Samstag zum ersten Mal seit knapp anderthalb Jahren wieder ein Konzert im Schlosskeller und bewies, wie schön Zusammenklang funktioniert.

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Patty Moons Musik ist ein Crossover von rein instrumentaler Musik mit einem kleinen Kästchen, das auf dem Piano von Tobias Schwab steht. Damit erzeugt der Pianist und Klangvirtuose per Computerpower kleinteilige Geräusche, klingende Flächen und am liebsten knarzige, dem Triphop entlehnte Rhythmen, um sie an passenden Stellen unter die Musik der Sängerin zu legen. Im Schlosskeller wurden die zwei von Cellist David Neuffer unterstützt.

Über der elektronisch-klassischen Kuppelei schwebt – und deshalb wird der ganze Aufwand ja betrieben – die glockenklare Stimme von Patty Moon. Sie ist trotz der bewundernswerten Symbiose-Musik, die Schwab und Neuffler vor einem stattlichen Publikum präsentierten, der Glanzpunkt des ganzen Konzepts. Ein Zuschauer kommentierte: "Die klingt wie Björk." Das stimmt erstens was die Stimme angeht und zweitens trifft es die Musik als Ganzes. Auch die Isländerin Björk bedient sich ungeniert bei allem, was gut klingt und mäandriert zwischen Elektronika, Trip Hop, Jazz, Rock und Folk. Nun ist Patty Moons Musik deshalb längst nicht jedermanns Sache. Die helle Stimme, das Cello, eingespielte Streicher und das Zirpen vom Sampler sind zweifellos wahre Kunst. Gänsehautschauer sind bei manchen der mitunter sehr kurzen Stücke zu erwarten. Patty Moons Musik ist dennoch dominiert von Melancholie, von kleinen Regenwolken, die über einer zerbrechlichen Stimme hängen und nur wenige, dafür klare Sonnenstrahlen hindurch lassen. Wer Patty Moon hört, muss daher wissen, worauf er sich einlässt. Vielleicht sollte eine ihrer CD's – etwa die neueste Scheibe "Dream up" – eher im Graupelschauer oder in einer verfallenen Fabrikhalle gehört werden. Das Befolgen dieser Regel verspricht ein zärtliches, inniges Musikerlebnis, dass die faszinierten Zuschauer auch im Schlosskeller in einen äußerst friedvollen Zustand brachte.

Autor: Hagen Schönherr