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14. Januar 2012
WOCHENSPIEGEL: Drang nach Größe
Als Meister vieler Bürger geben sie alles für den Aufstieg ihrer Stadt. Manche lieben es, ihre Karossen mit aussagekräftigen Nummern zu kennzeichnen und manchmal verliert sich im Drang nach Größe auch der Realitätssinn. So benennt der Herbolzheimer Bürgermeister Ernst Schilling in der (demnächst erscheinenden) Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Karnevalsgesellschaft seine Kleinstadt tatsächlich "Breisgaumetropole". Immerhin: Zum Festwochenende am 21. und 22. Januar werden aus 7 europäischen Ländern rund 6500 Hästräger erwartet. Vielleicht können die zur Mehrung der Metropolfunktionen beitragen und den Aufstieg in der Breisgauer Städtehierarchie begünstigen. Die Ernennung eines närrischen "Oberbürgermeisters" wäre sicher drin – ab dem Schmutzigen Donnerstag ist der Rathausschlüssel ja in Narrenhand. Und zur Beruhigung Freiburger Gäste könnte man notfalls den Begriff "Kleinmetropole" schaffen. Am 1. Juli ist Bürgermeisterwahl in Herbolzheim. Ernst Schilling möchte sich für eine dritte Amtszeit bewerben. Im Lichte früherer Andeutungen – etwa zur Wiederkandidatur – betrachtet, könnte die Vision "Breisgaumetropole" auch eine Botschaft sein. Wer weiß? Seit seinem Amtsantritt 1996 hat er anerkanntermaßen vieles erreicht.
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Das große Jubiläumsjahr ist eingeläutet, in Forchheim bekam man beim Neujahrsempfang Interessantes zur Orts- und allgemeinen Siedlungsgeschichte zu hören. Die Frage nach der Echtheit der Urkunde, auf die sich die 1250-Jahr-Feiern beziehen, hatte ja schon im alten Jahr für Aufregung gesorgt. Und so widmete sich auch Endingens Stadtarchivar Jürgen Simon der Thematik – unter anderem mit einem Exkurs in einst übliche Praktiken im Umgang mit Urkunden, Abschriften und – übersetzt in heutige Zeit – "beglaubigten Kopien". Im Schnelldurchgang durch die Ur- und Frühgeschichte machte Simon auch deutlich, dass zwar schon seit Jahrtausenden immer wieder Menschen im Gebiet des heutigen Forchheims lebten, von einer Siedlungskontinuität ungeachtet aller Funde aus verschiedenen Kulturperioden deshalb aber noch keine Rede sein könne. Allenfalls ein Gräberfeld aus dem 7. Jahrhundert könnte einen Bezug zum heutigen Dorf haben. Gelegenheit, das Wissen über die Geschichte der Region zu vertiefen, bieten übers Jubiläumsjahr hinweg noch diverse Fachvorträge. Eines aber müssen wir an dieser Stelle korrigieren: Nicht die alemannische Abstammung der Forchheimer hatte Simon als inzwischen zweifelhaft bezeichnet, sondern die angeblich fränkische Dorfgründung. Laut heimatkundlichem Merksatz deute die Endung "-heim" auf Franken hin, doch wäre dies im Fall Forchheim seltsam inmitten von alemannischen Siedlungen (Endung "-ingen") – zumal zu einer Zeit, als noch längst keine fränkische Oberhoheit über das Gebiet bestand. Die Moral von der Geschicht’: Historische Abhandlungen sind für Berichterstatter ein Minenfeld, zumal unter dem Zwang, zu komprimieren. Wir geben weiterhin unser Bestes in dem beruhigenden Bewusstsein, mit etwaigen Fehlern die Geschichtsschreibung nicht allzu nachhaltig zu beeinflussen.
Autor: usk
