Autodesign im Wandel

Form und Funktion

Hanne Schweitzer (SP-X)

Von Hanne Schweitzer (SP-X)

Sa, 08. Dezember 2018 um 13:01 Uhr

Auto & Mobilität

Außendisplays, keine Außenspiegel, keine Motorhaube und drinnen ein Bett: Wenn die Zukunftstechnik das Design bestimmt, sehen unsere Autos künftig deutlich anders aus – einen Vorgeschmack gibt es bereits.

In den Anfangszeiten ähnelte das Automobil seinem Vorgänger, der Kutsche. Mit Jahrzehnten des Technikfortschritts veränderte sich auch das Design: Vielzylindrige, längs eingebaute Motoren führten zu endlos langen Motorhauben, verbrauchsgetriebene Entwicklung im Windkanal ließ die Wagen aerodynamischer werden bis hin zur Keilform, und im Innenraum sorgte fortschrittliche Sicherheitstechnik zum Beispiel in Form von Airbags für üppigere Verkleidungen und massigere Lenkräder. Die immer rascher voranschreitende Entwicklung beeinflusst auch in kommenden Jahren das Aussehen unserer Autos, fünf Beispiele.

Bereits auf der Straße zu sehen, wenn auch längst nicht flächendeckend, sind gestalterische Änderungen, die die Elektromobilität mit sich bringt. Weil Elektromotoren beispielsweise keine Kühlluftöffnung in der Front brauchen, ist schon bei heutigen Modellen wie BMW i3 oder Kia Soul der Kühlergrill geschlossen, wenn überhaupt vorhanden. Die geschlossene Front charakterisiert auch kommende, speziell für den E-Antrieb designte Modelle wie den voraussichtlich Ende 2019 in Serie gehenden Kompakt-Stromer von VW, der Medienberichten zufolge Neo heißt. Der Nachfolger des Elektro-Golfs greift auch ein anderes Stilmerkmal auf, das heutige E-Autos wie den Hyundai Kona Elektro bereits kennzeichnet: die aerodynamischen Felgen. Sie sind stärker verkleidet und sollen dadurch für weniger Verwirbelungen sorgen und den Luftwiderstand verringern, was sich positiv auf die Reichweite auswirkt.

Schon in Sicht ist eine weitere Neuheit, die voraussichtlich ab dem kommenden Jahr Autos anders aussehen lässt. Die seit Jahren in ihren Ausmaßen gewachsenen Außenspiegel gehören damit bald der Vergangenheit an. Ersetzt werden sie durch Kameras, die das Verkehrsgeschehen seitlich und hinter dem Fahrzeug auf Bildschirme im Innenraum übertragen. Weltweit erstes Auto mit der Funktion ist die zunächst in Japan erhältliche Mittelklasse-Limousine ES. Auch für den Elektro-SUV Audi E-Tron ist die Funktion angekündigt. Die neue Technik soll Vorteile bei Luftwiderstand, Fahrkomfort und Sicherheit bringen. Und natürlich mehr gestalterische Freiheit für die Designer.

Etwas weiter in die Zukunft geblickt hat wiederum die E-Mobilität grundsätzlichere Auswirkungen auf das Design: Weil E-Motoren deutlich kompakter bauen als Benziner oder Diesel, schrumpfen die Motorhauben, und die A-Säule kann weiter vorn angesetzt werden. Auch der Einsatz der Batterien im Fahrzeugboden trägt zur Neuausrichtung bei: Kurze Motorhaube, kurze Überhänge, dafür ein langer Radstand und ein insgesamt höher bauendes Fahrzeug. Das schafft im Innenraum mehr Platz – so soll der kommende VW-Stromer auf einer kleineren Grundfläche als ein Golf innen so viel Platz wie ein Passat bieten.

Autos, die Texte erzeugen

Als anderer wichtiger Techniktrend wird das autonome Fahren die Autogestaltung deutlich beeinflussen. Vor diesem Hintergrund bekommt beispielsweise die Fahrzeugbeleuchtung neue Aufgaben, sie greift aktiv in die Kommunikation mit der Umwelt ein. Relativ simpel und eher durch gesetzliche denn technische Hürden von der Serienreife getrennt sind kommunizierende Rückleuchten. Eine von VW erdachte Rückleuchte beispielsweise kann mithilfe von knapp 200 LEDs Text in Laufschrift oder in Symbolen darstellen und damit andere Verkehrsteilnehmer vor Stau oder Glätte warnen. In einer weiteren Entwicklungsstufe, wenn das Auto überhaupt keinen Fahrer mehr hat, könnten Displays außen am Fahrzeug Kommunikation mit der Außenwelt übernehmen, zum Beispiel einem Fußgänger signalisieren, dass er gefahrlos die Straße überqueren kann.

Fährt das Auto ohne Fahrer, wird sich auch die Innenraumgestaltung radikal ändern. Verschiedene Hersteller haben dazu bereits Ideen vorgestellt, in diesem Jahr hat beispielsweise Renault mit der Studie EZ-GO ein Roboter-Taxi gezeigt, auf dem die Passagiere auf einem Sofa in U-Form Platz nehmen. Volvos Konzeptauto 360c hat ebenfalls keinen Fahrer und dient als Langstrecken-Shuttle, in dem man sogar im Bett schlafen kann.