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Wie nehmen blinde Menschen Farben wahr?

cfr

Von cfr

Sa, 18. November 2017 um 18:16 Uhr

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Menschen, die von Geburt oder frühester Kindheit an blind sind, kennen keine Farben. Die Unterscheidung lernen sie durch Definitionen Dritter:

Rot zum Beispiel wird mit dem Feuer assoziiert, Blau mit Wasser. "Diese Definitionen sind aber sehr abstrakt", sagt Mischa Knebel, Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Südbaden. "Ich kannte einen geburtsblinden Menschen, der meinte, dass alle Tapeten gelb seien, weil sich die Oberfläche genauso anfühlt wie eine Orangenschale."
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Geburtsblinde Menschen sehen nichts, kein Schwarz, kein Weiß, weil sie gar nicht wissen, wie diese Farben aussehen. Anders verhält es sich bei Menschen, die im Laufe ihres Lebens erblinden. Die Vorstellung von Farbe hat sich im Gehirn eingeprägt. Sie können auf Farberkennungsgeräte oder spezielle Smartphone-Apps zurückgreifen, die ihnen die Farbe von Gegenständen mitteilen.

Das erleichtert zum Beispiel das Zusammenstellen von Kleidung. "Menschen, die späterblindet sind, geben oftmals an, schwarz oder auch neonhell zu sehen", sagt Knebel. In Deutschland gilt dem Gesetz nach als blind, wer auf dem besseren Auge über weniger als zwei Prozent Sehvermögen verfügt. Diese Menschen – ein Großteil der Blinden – können abhängig von der Erblindungsursache häufig noch Hell und Dunkel unterscheiden oder auch Umrisse von Gebäuden und Personen erkennen.

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