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20. Juli 2012 06:36 Uhr

Großeinsatz

Frau stirbt bei Brand in Ettenheimer Klinik – Ursache unklar

Nächtlicher Brand-Alarm im Krankenhaus: Eine Patientin kommt ums Leben, alle anderen müssen raus aus der Klinik. Viele fragen sich nun: Wie konnte das passieren?

Großalarm im Ettenheimer Krankenhaus: Bei einem Brand in der Nacht zum Freitag starb eine 57 Jahre alte Patientin aus einer Ortenaugemeinde in ihrem Krankenbett. Dieses war aus noch ungeklärter Ursache gegen 2 Uhr in Flammen aufgegangen. Die Rettungskräfte mussten 67 Patienten und 7 Klinikmitarbeiter in Sicherheit bringen. Die meisten von ihnen – nämlich 57 – wurden in ein in der Stadthalle eingerichtetes Notlager gebracht, 10 Patienten und eine Nachtschwester wurden sofort in umliegende Kliniken verlegt beziehungsweise dort behandelt (Fotos).

Bett in Flammen – Patientin nicht zu retten

Als Polizei, Kreis und Stadt am späten Freitagvormittag im Bürgersaal des Ettenheimer Rathauses die Medien über den nächtlichen Einsatz beim Krankenhaus informierten, war die Stimmung gedrückt. In den nächsten Minuten wurde die tadellose Arbeit der Einsatzkräfte gelobt, die gute Koordinierung durch die Einsatzzentrale hervorgehoben, die Betreuung und Erstversorgung der evakuierten 67 Patienten als vorbildlich bezeichnet – und dennoch: Eine Patientin konnte in den frühen Morgenstunden dem Feuer in einem Zweibettzimmer auf der Station im Erdgeschoss nicht mehr entkommen.

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Diese Nachricht überdeckte alle positiven Botschaften des Vormittags. Die Leiche war erst nach den Löscharbeiten im Krankenbett entdeckt worden. Wie das Feuer in diesem Zweibettzimmer ausbrach und was zum Tod der 57-Jährigen geführt hat, war in der Pressekonferenz nicht zu erfahren. Die Spezialisten von Polizei und Feuerwehr forschen noch.

Reinhard Renter, Chef der Polizeidirektion Offenburg, lieferte die Fakten zu den dramatischen Szenen, die sich in der Klinik abgespielt hatten: Gegen 2 Uhr war eine 80-jährige Patientin in einem Zwei-Bett-Zimmer am Flurende der Station im Erdgeschoss des dreistöckigen Gebäudes aufgewacht. Sie blickte auf ihr Nachbarbett, das bereits in Flammen stand. Die Patientin in diesem Bett konnte sie schon nicht mehr erkennen. Sie schleppte sich auf den Flur und alarmierte die Nachtschwester. Als beide zurück in das Zimmer wollten, ließ dies der dichte Rauch schon nicht mehr zu. Beide wurden leicht verletzt.

Flammen schnell unter Kontrolle

Inzwischen waren die ersten Feuerwehrleute aus Ettenheim schon vor Ort. Über eine Brandmeldeanlage war die Wehr alarmiert worden. "Krankenhaus ist ein sensibler Bereich, weshalb ich nach ersten Informationen über ein offenes Feuer schon bei der Anfahrt alle Ettenheimer Abteilungen mobilisierte und auch Unterstützung aus Lahr für die Einsatzleitung forderte", erklärte Stadtkommandant Jürgen Rauer. Als die Feuerwehr auf der Höhe ankam, schlugen aus zwei Fenstern im Erdgeschoss bereits Flammen. Die Hitze war so stark, dass in den Stockwerken darüber teilweise Rollläden schmolzen. Die Löscharbeit war dennoch Routine. Die Flammen waren schnell unter Kontrolle, ein Übergreifen des Feuers in die oberen Stockwerke konnte verhindert werden.

"Viele Patienten konnten zu Fuß und in Begleitung ins Freie geführt werden, etliche haben wir mit Stühlen, Tragen und in ihren Betten nach draußen gerettet." Bernhard Leitz-Schwoerer
Unterdessen lief bereits eine große Evakuierungsaktion der Patienten an. Weil Auffahrt und Vorplatz ziemlich eng sind, wurde auf dem Aldi-Parkplatz ein Sammelplatz für die Rettungsfahrzeuge eingerichtet, von wo aus die Kräfte abgerufen wurden. Feuerwehr – mit 90 Mann vor Ort – Rettungskräfte von DRK und Malteserhilfsdienst (rund 150), 8 Notärzte, 20 Polizisten sowie Krankenhauspersonal und Leute aus der Nachbarschaft brachten 67 von 68 Patienten im Krankenhaus zunächst ins Freie in Sicherheit. "Viele Patienten konnten zu Fuß und in Begleitung ins Freie geführt werden, etliche haben wir mit Stühlen, Tragen und in ihren Betten nach draußen gerettet. Wir hatten die meisten aus dem Schlaf gerissen, einige standen auch unter Schock, doch die medizinische Betreuung über die Notärzte und das Krankenhauspersonal und unsere psychologische Betreuung hat gut gearbeitet. Angstgefühle oder gar Panik gab es bei den Geretteten nicht", erklärte Bernhard Leitz-Schwoerer, Einsatzleiter des Rettungsdienstes.

Auch Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz war während der Rettungsarbeiten vor Ort und alarmierte seine Mitarbeiter, die ohne zu zögern die Stadthalle als Notlager einrichteten. Er sprach von einer unglaublichen Leistung der Rettungskräfte und war dann doch glücklich, dass nicht mehr passiert ist. In der Stadthalle fanden 57 Patienten für einige Stunden eine Herberge, neun Intensivpatienten sowie die Bettnachbarin der Toten und die erstalarmierte Nachtschwester wurden mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung in umliegende Kliniken gebracht.

Um 9 Uhr waren alle Patienten versorgt

Von den Patienten, die vorübergehend in der Stadthalle untergebracht waren, fanden rund 20 im Laufe des frühen Vormittags in Krankenhäusern im Ortenaukreis und in Emmendingen ein Bett. "Eine ganze Reihe wollte das Wochenende nach dem Erlebten lieber zu Hause im Kreis der Familie verbringen, bei einigen stand ohnehin am Freitag die Entlassung an. Dort, wo wir es medizinisch verantworten konnten, haben wir die Patienten vorübergehend auch nach Hause gelassen," erklärte Theobald Vetter, der Ettenheimer Chefarzt und Stationsarzt. Um 9 Uhr waren dann alle Patienten versorgt und die Stadthalle wieder leer.

Vetter ging am Freitag davon aus, dass schon am kommenden Dienstag die Stationen im ersten und zweiten Obergeschoss wieder voll funktionsfähig sein werden und viele Patientin wieder zurückkehren können. Die Station im Erdgeschoss wird allerdings vollständig saniert werden müssen. Wann diese wieder eröffnet wird, ist noch unklar.

Dass der Einsatz der Rettungskräfte so reibungslos verlief, mag auch etwas dem Zufall geschuldet sein: Erst vor einer Woche hatten Klinikleitung und Ettenheimer Feuerwehr mit Kreisbrandmeister Thomas Happersberger in einer theoretischen Übung die Räumung des Ettenheimer Krankenhauses durchgespielt. "Auch das Wetter hat uns zugespielt. Hätte es geregnet, dann hätten wir die Patienten vor dem Krankenhaus und unter freiem Himmel nicht versammeln können. Und gar nicht ausmalen mag ich mir heute, wie die Situation im Winter ausgeschaut hätte", sagte Leitz-Schwoerer.

Tragödie vor 32 Jahren in Achern

Vor 32 Jahren war es in der Ortenau zu einem verheerenden Krankenhausbrand gekommen. Bei einem Feuer im Kreiskrankenhaus von Achern kamen 10 Menschen ums Leben. In Folge der Katastrophe wurden Brandschutzbestimmungen und Rettungspläne geändert. Das DRK Sasbach hat auf seiner Internetseite die historischen Quellen der Tragödie Ende Mai 1980 zusammengestellt.

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Autor: Klaus Fischer, Oliver Huber, aktualisiert um 18.45 Uhr