Britisches Unterhaus

Frauen hängen Höschen-Girlande vor Büro eines Abgeordneten

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Do, 21. Juni 2018 um 14:36 Uhr

Kolumnen (Sonstige)

Grund war die Weigerung des Mannes, für ein Gesetz gegen das sogenannte "Upskirting" zu stimmen. Die Aktion sorgt nun für Aufsehen – nicht nur im britischen Unterhaus.

Wie kann man einen angegrauten britischen Abgeordneten beschämen? Indem man ihm eine Leine voll Damenunterwäsche vor die Bürotür hängt. Die Höschen-Girlande, die den Tory-Parlamentarier Sir Christopher Choke diese Woche an seinem Arbeitsplatz erwartete, hat ihren Zweck erfüllt. Betreten erklärte Chope, alle Welt habe ihn falsch verstanden. Er sei nicht "irgendwie pervers".

Begonnen hatte die Geschichte mit einer Initiative gegen "Upskirting". Immer mehr Frauen in Großbritannien beklagen sich darüber, dass Voyeuristen mit dem Handy heimlich Aufnahmen unter Kleidern und Röcken machen. Nicht selten werden solche Fotos online gestellt. Eine Journalistin, der das im vorigen Sommer bei einem Musikfestival in London passierte, musste sich von der Polizei sagen lassen, dass es keine gesetzliche Handhabe gebe, um gegen eine derartige Verletzung der Privatsphäre vorzugehen.

Empört brachte die liberale Unterhaus-Abgeordnete Wera Hobhouse eine sogenannte private Gesetzesvorlage ein, der zufolge "Upskirting" künftig mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft würde. Abgeordnete aller Parteien und die Presse applaudierten ihr. Nur Sir Christopher Chope nicht. Der legte, wie es bei privaten Initiativen möglich ist, mit dem Ruf "I object" Widerspruch ein – und stoppte so die Behandlung der Vorlage abrupt.

Kein Wunder, dass er zornige Kommentare auslöste. Selbst Parteikollegen forderten den querköpfigen Konservativen auf, sich "zu schämen". Oppositionspolitikerinnen rieten Torychefin Theresa May, den 71-Jährigen aus der Partei zu werfen. Chope seinerseits fand das Strafgericht völlig übertrieben. Er habe nur etwas gegen die Eile gehabt, mit der die Vorlage durchgedrückt werden sollte. Gegen das Gesetz selbst habe er nichts.

Die späte Beteuerung half ihm aber wenig. Bis das Gesetz diesen Donnerstag erneut im Unterhaus eingebracht wird, steht Sir Christopher weiter am Pranger. Die Höschen-Girlande vor der Bürotür erinnert ihn daran.