Der Mann für alle Fälle

Frank Hellmann

Von Frank Hellmann

Mi, 14. März 2018

Frauenfussball

Der Deutsche Fußball-Bund wirft erstmals seine Bundestrainerin raus – und holt Horst Hrubesch als Interimslösung.

FRANKFURT. Engagement und Empathie alleine sind keine Erfolgsgaranten. Zumindest nicht für eine Fußballlehrerin, die damit fehlende Erfahrung im Trainermetier wettmachen wollte. Auf diese Formel lässt sich die von Anfang an unter keinem glücklichen Stern stehende Amtszeit von Bundestrainerin Steffi Jones bringen, die im September 2016 begann. Am Dienstagmorgen zog der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach einer Telefonkonferenz die Reißleine und entband die gebürtige Frankfurterin mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben beim Frauen-Nationalteam. Die 45-Jährige, die kürzlich betont hatte, sie wolle sich "nicht wie die Sau durchs Dorf treiben lassen", muss gehen, weil der DFB das wichtigste Ereignis – die Teilnahme an der Frauen-WM 2019 in Frankreich – in größter Gefahr sieht.

Den Ausschlag gab, dass Jones beim so genannten She-Believes-Cup, einem Einladungsturnier in den USA, nicht nur krachend die letzte Partie gegen WM-Ausrichter Frankreich (0:3) in den Sand gesetzt hatte, sondern auch weite Teile der Spielerinnen verloren hatte. Ein Aushängeschild, nach dem EM-Aus im Viertelfinale und einem verlorenen WM-Qualifikationsspiel gegen Island ohnehin auf dem absteigenden Ast, zerfällt in streitende Grüppchen: Da konnte die DFB-Führung ihre Schutzhand nicht mehr über die als Harmoniegarantin gedachte Jones legen.

Das Präsidium folgte der Empfehlung des Nationalteam-Direktors Oliver Bierhoff sowie des Sportlichen Leiters Joti Chatzialexiou. Der 42-Jährige ist neuerdings für die weiblichen Nationalteams zuständig, hatte sich Spiele gegen die USA (0:1) und England (2:2) angeschaut. Womöglich hat er die atmosphärischen Störungen vor Ort mitbekommen. Bierhoff deutete dies an: "Mit Blick auf die sportliche Entwicklung, die wichtige Qualifikation für die WM und die unterschiedlichen Rückmeldungen vom She-Believes-Cup sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass die Mannschaft eine neue Führung braucht." Man wolle nun die Strukturen im Frauenfußball professionalisieren, die Verzahnung mit dem Männerbereich verstärken, neue konzeptionelle Wege gehen.

Erst einmal kommt aber ein alter Bekannter: Interimsmäßig übernimmt Horst Hrubesch. Der lebenserfahrene 66-Jährige scheut sich nicht, in einen Bereich einzutauchen, der sich in vielen Parametern vom Männerfußball unterscheidet. "Ich habe den Frauenfußball in den vergangenen Jahren verfolgt und war auch bei der EM im Sommer vor Ort. Ich helfe in dieser Phase gerne." Doch als Langzeitlösung taugt der Sportdirektor mitnichten.

Spannend wird sein, ob der DFB in seiner neuen Struktur den Mut aufbringt, alte Zöpfe abzuschneiden. Junioren-Nationaltrainerin Maren Meinert ist zwar vertraut mir dem Metier, aber die 44-Jährige scheut das Rampenlicht. Die große Lösung wäre Ralf Kellermann, der allerdings dann kaum als Sportlicher Leiter beim VfL Wolfsburg verbleiben könnte. Der 44-Jährige hat auf Vereinsebene so viele Erfolge vorzuweisen, dass der Verband sich zwingend mit ihm beschäftigen muss. Das selbe gilt fast für die Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die ehemalige Nationalspielerin ist auf ihre Art unbequem, hat allerdings die Eidgenossen zuletzt zu Welt- und Europameisterschaft geführt. Die 50-Jährige wird auf internationaler Ebene für ihre Expertisen geschätzt.

Der Rauswurf von Steffi Jones bedeutet eine Zäsur bei den DFB-Frauen. Denn bislang hatte es durch Gero Bisanz, Tina Theune und Silvia Neid lediglich langfristige Besetzungen gegeben, die schiedlich-friedlich den Staffelstab weiterreichten.