Fußballfest mit famosen Frauen

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Do, 09. August 2018

Frauenfussball

Landesligist SV Titisee spielt gegen Bundesligist SC Freiburg munter mit und unterliegt im Neustädter Jahnstadion mit 0:13.

FRAUENFUSSBALL. Der deutsche Fußball hat zurzeit ein Imageproblem. Dank seiner Männer und ihrer Art, die vermeintlich schönste Nebensache der Welt zu managen und das krachende Scheitern bei der WM sowie die Causa Ösil halbwegs professionell zu meistern. Doch Fußball ist längst weiblich. Und das ist gut so. Was Frauen am Ball leisten können, war am Mittwochabend im Neustädter Jahnstadion zu sehen. Das von Jasmin Kaiser und Frank Furtwängler trainierte verstärkte Landesligateam des SV Titisee versuchte in einem Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten SC Freiburg mitzuhalten und unterlag mit 0:13 (0:3)-Toren.

Es war eine kurzweilige, unterhaltsame Partie unter dunklen Wolken, bei der die Titiseer Fußballerinnen vor rund 400 Zuschauern erkennen mussten, was Tempo am Ball bedeutet. Auch ohne die Nationalspielerinnen Lina Magull und Laura Benkart, die künftig für den FC Bayern München auflaufen werden, war die Elf des SC Freiburg, die acht Abgänge mit zehn Neuzugängen kompensieren muss, das, was sich die Fans an der Außenlinie erhofft und die Titiseer Fußballerinnen auf dem Platz befürchtet hatten: ein Frauenteam mit nationalem Format. Die Kickerinnen aus dem Hochschwarzwald mussten vor allem eines. Laufen. Viel laufen. Bei allem Willen, bei aller Leidenschaft: Die Titiseerinnen waren meist ein, zwei Schritte später dort, wo sie den Ball vermuteten, weil die Bundesliga-Kickerinnen aus dem Breisgau das Spielgerät längst wieder auf der Einbahnstraße Richtung SVT-Tor nach vorne getrieben hatten – auch wenn das im ersten Durchgang nicht so zielstrebig gelang, wie es sich SC-Trainer Jens Scheuer erhofft hatte.

Titisees Trainerin Jasmin Kaiser nahm es gelassen – weil sie sichtlich stolz war auf ihre Mädels. Gleich zwei komplette Teams hatten Kaiser und ihr Trainerkollege Frank Furtwängler parat, im zweiten Durchgang blieben aus der Startformation nur die robuste Torhüterin Stefanie Preisendanz, SVT-Spielführerin Kathrin Beha und Lotta Kleiser. Dazu kamen neben weiteren SVT-Spielerinnen als Verstärkung Hanna Zimmermann vom TuS Bonndorf und Kristin Ronecker vom Hegauer FV.

Auch wenn der gefühlte Ballbesitz der SC-Frauen bei 90 Prozent lag, zerrissen sich die Titiseer Fußballerinnen im Bemühen um eine gute Vorstellung. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand SVT-Torhüterin Stefanie Preisendanz, die mehrere SC-Halbchancen abwehrte. Robust sprang sie in der 30. Minute von der Torlinie nach vorn, prallte mit SC-Stürmerin Sandra Starke zusammen und blieb stöhnend liegen. Erster Verdacht: Das rechte Knie. Doch Preisendanz stand, kaum dass sie in sich zusammengesackt war, wieder auf, um bei einem Gerangel erneut zu Boden zu gehen – und sich das linke Knie zu halten. Humpelnd, aber grinsend verließ sie bei Halbzeit den Platz, mit einem Versprechen auf den Lippen: "Auswechseln lass’ ich mich hier nicht."

Dass es bei Halbzeit nach einem Treffer der Freiburger Bundesligaspielerinnen van Lunteren (19.) und zwei Toren der hochgewachsenen Carolin Schiewe (35./39.) nur 0:3 statt 0:6 hieß, war Preisdendanz’ Verdienst. Im zweiten Durchgang wurden die Wolken dichter, Donner grollte, aus schwüler Luft fielen Tropfen und die Erfolgsaussichten der Seemerinnen wurden wie erwartet düsterer. "Laufen, Mädels, mehr Bewegung", forderte SVT-Trainerin Jasmin Kaiser lautstark von der Außenlinie. Doch die SC-Spielerinnen, obwohl nach harten Trainingseinheiten sichtlich müde, ließen jetzt Ball und Gegner laufen und erhöhten mit Treffern fast im Minutentakt zum 0:13-Endstand.

Schiedsrichter Joachim Hahne aus Hinterzarten leitete die Partie souverän und das ohne jegliche Unterstützung. Die kaum erkennbaren Seitenlinien waren verwaist, SC-Trainer Jens Scheuer schüttelte, kaum dass die Partie begonnen hatte, auf seiner Bierbank an der Außenlinie den Kopf: "Unfassbar, dass die das hier ohne Linienrichter durchziehen." Was bleibt, ist die Erinnerung an ein stimmungsvolles abendliches Fußballfest "und unser Spiel des Jahres", so SVT-Trainerin Jasmin Kaiser.

SV Titisee: 1. Halbzeit: Preisendanz – Wangler, Beha, Kapp, Schwörer, Colpi, Kleiser, Janina Gutzweiler, Nünninghoff, Gfrörer, Knöpfle. 2. Halbzeit: Preisendanz - Holoch, Gantert, Felski, Sabrina Gutzweiler, Spee, Zimmermann (TuS Bonndorf), Hog, Beha, Kleiser, Ronecker (Hegauer FV), Schülein, Hermann, Kopp. Tore: 0:1 Van Lunteren (19.), 0:2 Schiewe (35.), 0:3 Schiewe (39.), 0:4 Starke (47.), 0:5 Beck (50.), 0:6 van Lunteren (52.) 0:7 Beha/Eigentor (55.), 0:8 Starke (59.), 0:9 Müller (60.), 0:10 Starke (80.), 0:11 Starke (82.), 0:12 Hohmann (82.), 0:13 Lahr (89.). Zuschauer: 400. Schiedesrichter: Hahne (Hinterzarten).