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19. Juni 2009
Alles nur Papier, oder?
Beeindruckende Ausstellung eines Gemeinschaftsprojektes von Schule und Kindergärten.
FREIAMT. Das Kurhaus summt wie ein Bienenstock. Große und kleine Kinder, Erwachsene, lokale und regionale Prominenz hat sich eingefunden und wartet darauf, dass die festliche Vernissage beginnt. Von der Bühne zieht sich ein blaues Band wie ein Fluss durch den Raum, von Papierschiffchen gesäumt.
Stellwände und Zeltdächer gliedern die Ausstellung. Und schon ehe die eigentliche (ehrlich gesagt: etwas zu lange) Vernissage beginnt, ist eine Menge zu entdecken: Schick bemalte, papierne Schuhe, ein gedeckter Tisch (natürlich, das Essen auch aus Papier). Bilder in allen möglichen Techniken. Beeindruckend das begehbare Modell einer menschlichen Zelle, daneben eine Camera obscura – ebenfalls überdimensional. Kleider, Skulpturen, Häuser, Federvieh – alles, was nur irgendwie aus Papier herzustellen – zu basteln, zu bemalen, zu bearbeiten – ist, findet sich hier. Manches hat viel Witz, anderes wirkt einfacher, kindlicher."Papier ist geduldig" nennt sich das Schulprojekt, das auch Kindergärten mit einschloss, und es ist eine hemmungslose Untertreibung. Diese Vernissage, und wann kann man so was schon wirklich sagen, ist ein Ereignis. Gewiss, übliche Gruß- und Dankesworte (Schulleiterin Henriette Ade, Kurhauschef Robert Klausmann, Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench) gibt es auch – richtig Leben bringen die Kinder selbst in die Veranstaltung. Der Höhepunkt des Vormittags ist eine zwölf Minuten dauernde, tanzartige Performance, die Bedrich Smetanas Moldau Gestalt gibt. Was das mit Papier zu tun hat? Ganz einfach: "Instrumente" (die Musik kommt in Wirklichkeit aus der Konserve), Dekorationen, das Boot auf der Moldau – nahezu alles ist aus Papier. Bauerntanz, Nymphenreigen, Stromschnelle, zuletzt Prag – all das zeigen Drittklässler mit beneidenswertem Niveau und erstaunlicher Unaufgeregtheit. Nicht weniger frisch ein afrikanisches Lied, das Viertklässler singen, dann spricht Fachbetreuer Ludwig Schönstein vom Regierungspräsidium.
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Papier sei vor über 2000 Jahren in China erfunden und im 11. und 12. Jahrhundert erstmals in Europa hergestellt worden, nördlich der Alpen dann im 14. Jahrhundert. Bis heute nehme der Papierkonsum zu. Schönstein begeistert sich für das Arbeitsmaterial für den Französischunterricht genauso wie für den Kindergarten-Esstisch. Tarzan und Jane kommen ebenso vor: Dass Jane größer sei, hänge damit zusammen, dass man in Freiamt wisse, dass Frauen die größeren Männer seien. Die Installation der begehbaren Zelle heißt für den Kunstexperten, dass die Kinder ganz genau wüssten, wie es hinter ihrer Haut weiter gehe. Und Torten aus Pappmaché seien "erheblich ungefährlicher als die echten". Schönstein lobt, dass ein Exponat aus der Bibliothek bereits auf Landes- und Bundesebene zu sehen war. Auch die folgende Modenschau mit papiernen Hüten und Taschen lobt der Fachmann aus dem Regierungspräsidium. Und das zu Recht. Vor allem die Hüte sind keck, teils gewagt und von erfrischender Buntheit, die Präsentation der Hauptschüler hübsch überlegt. Hinter dieser riesigen Aktion steckt das Kunstteam des Freiamter Schulzentrums. Auch die beiden Kindergärten machten mit.
Das Ergebnis ist mehr als eine normale Schulpräsentation. Das Konzept wirkt ausgereift, die sichtbare Fähigkeit, Kinder zu Höchstleistungen zu motivieren, ist beeindruckend (bis 26. Juni).
Autor: Frank Berno Timm
