Die Liebe und das liebe Geld

Christian Ringwald

Von Christian Ringwald

Di, 07. Januar 2014

Freiamt

Das Theater im Sängerheim hat seit Jahren Tradition und lockt auch Gäste von außerhalb / Gold für Robert Gerber.

FREIAMT. "Theater im Sängerheim", das hat Tradition und steht weit über die Gemeindegrenze von Freiamt hinaus für Qualität. Dieses Jahr stehen wieder zwei Stücke auf dem Programm, die sechs Mal aufgeführt werden. Am Freitag war Premiere mit Ehrung langjähriger Schauspieler. Robert Gerber, Vorsitzender des Gesangverein Eintracht Freiamt, führt nicht nur den Verein, sondern spielt schon seit über 40 Jahren Theater und gilt als Motor der Aufführungen.

Erwähnt wurde das Theaterspiel bei Gesangverein Eintracht Freiamt erstmals im Protokoll der Hauptversammlung von 1932, also vor über 80 Jahren. Am Freitagabend gab es erstmals Ehrungen für die Schauspieler; dazu war Christian Schulz vom Verband der Amateurtheater Baden-Württemberg nach Freiamt gereist. Im Gepäck hatte er sechs Urkunden und Nadeln. Mit einem abgewandelten Heinz Erhard-Gedicht hielt Schulz eine humorvolle Laudatio auf die sechs Akteure. Auf stolze 46 Jahren bringt es Robert Gerber. Für diese "außergewöhnliche Zeit" erhielt er die Goldene Ehrennadel des Bundesverbandes der Amateurtheater. Gerber, so ergänzte Walter Kern, selbst Aktiver der Theatergruppe, fange schon im Februar an, die Stücke auszuwählen; dazu lese er in seinen täglichen Mittagspausen Theaterstücke. Für diese Saison hatte Robert Gerber das Bauernlustspiel in drei Akten von Maximilian Vitus "Alles in Ordnung" und den Einakter von Dieter Adam "Das Millionending" auserkoren.

Beide Stücke hatten zwei Dinge gemeinsam: Es ging um Liebe und Geld und die Darbietung führte immer wieder zu wahren Lachsalven und Beifallsstürmen. Die Stücke leben vor allem von den Darstellern und die Eintracht hat einige wahre Talente! Von den neun Darstellern spielen gleich sechs in beiden Stücken mit.

Beim Bauern muss alles seine Ordnung haben und das ist für die Angestellten nicht immer leicht, da der Bauer durchaus auch seine Launen hat. Mit der neuen – selbstverständlich attraktiven – Magd bekommen die beiden altgedienten Frauen auf dem Hof, die beide gerne Bäuerin werden würden, mächtige Konkurrenz. Am Ende hat alles seine Ordnung, und, wie könnte es anders sein: Die neue Magd wird Bäuerin.

Um sich und seinen Betrieb finanziell zu sanieren, will Gastwirt Hofmann seine Tochter mit dem eigenwilligen Sohn des örtlichen Unternehmers verheiraten. Die Wirtstochter hat jedoch ein Aug auf einen mittellosen Musiker geworfen. Dann kommt die Nachricht von einer Millionenerbschaft.

Die Handlung beider Stücke ist intellektuell überschaubar, gleichwohl bieten die Akteure die Szenen meisterlich dar, überzeugen vor allem mit "Mutterwitz" und Lokalkolorit. Ein richtiger Spitzbube ist beispielsweise Killian (Friedrich Stählin), der Freund des Bauern. Mit seiner Bauernschläue bringt er schlussendlich den etwas steifen Bauern mit der neuen Magd unter die Haube. Mit seinem schauspielerischen Talent hat Friedrich Stählin zu Recht die Hauptrolle im Dreiakter.

Die Bühnenbilder sind eigentlich einfach, gleichwohl originell und liebevoll. "Das Millionending" spielt in eine Gastraum und in ihm lebt eine längst untergegangene regionale Brauerei originalgetreu wieder auf: "Mutschler Bier" leuchtet über der Theke und steht auch auf der original Zapfanlage jener Epoche. Der junge Musiker und Schauspieler ist manchmal noch ein wenig steif, am Ende bekommt er neben den Millionen natürlich auch die Wirtstochter Evi, während Fabrikantensohn Detlev leer ausgeht, auch wenn er immer wieder sehr schön aufsagt, was sein Papi sagt.

Über vier Stunden geht das Theater samt Ehrung und zur Auflockerung spielte der Akkordeon-Club Freiamt. Neben der Goldenen Ehrennadel für Robert Gerber gab es noch Bronze für Yvonne Gerber, Melanie Kern, Sonja Kolleth und Timo Reinbold (alle über zehn Jahre) und Silber für Walter Kern (30 Jahre).

Weitere Aufführungen: Freitag und Samstag, 10. und 11. Januar, jeweils 20 Uhr und am Sonntag, 12. Januar um 14 Uhr. Eintrittskarten an der Abendkasse oder im telefonischen Vorverkauf unter Tel. 07645/666.