Ein ganzes Dorf soll Tracht tragen

Jürgen Schneider

Von Jürgen Schneider

Fr, 14. September 2018

Freiamt

Beim Museumsfest in Freiamt am Sonntag stehen Tracht und das Cegospiel im Mittelpunkt / Auch Besucher sollen in Tracht kommen.

FREIAMT. Die Tracht stellt der Heimatverein beim Museumsfest am Sonntag in den Mittelpunkt. Sie ist Schwerpunkt, ist Brennpunkt und zusammen mit einer Ausstellung alter Analog-Apparate und den modernen Fotos von Sebastian Wehrle lautet das Motto "Tracht im Fokus". Parallel dazu findet das dritte Freiämter Preis-Cego-Turnier statt.

Die Tracht

Aus dem Ortsbild sind sie lange verschwunden, die Trägerinnen der alten Markgräfler Tracht mit der berühmten Hörnerkappe. Deren Schachteln stapeln sich im Archiv des Museums; Köpfe dazu sind anscheinend nicht mehr zu finden. Einen Renaissance versucht nun der Heimatverein bei seinem Museumsfest. Seit Wochen wird im örtlichen Mitteilungsblatt dazu aufgerufen, in Tracht zum Fest zu kommen. Das Ergebnis ist offen, aber Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench zeigt sich im BZ-Gespräch optimistisch. "Ein Dorf trägt Tracht" würde sie gerne lesen und hofft auf viele Trachtenträgerinnen und "auf ein buntes Fest".

Denn die Tracht war von Grund auf bunt; so gibt es die Bruströcke in vielen, wenn auch zumeist gedeckten Farbentönen: blau, rot, braun oder grün. Schwarz mit Flügelhaube wurde nur zu den Kirchenfesten getragen, erstmals zur Konfirmation. Gleich vier junge Frauen erklärten sich bereit, sich wie eine Konfirmandin in den 1930er-Jahren zu kleiden. Zwei Stunden Vorlauf haben sie eingeplant, um sich mit Hilfe der Strickfrauen aus dem "Bäule" anzukleiden und die Haube zu befestigen. Dass sie noch ledig sind, wird man am hinten offenen Käppchen erkennen, aus dem die geflochtenen Haare und das Haarband quellen.

Die Sammlung

Aus der Sammlung des Heinrich Hippenmeyer werden 60 ausgewählte Analog-Kameras die Entwicklung der Fotoapparate von 1900 bis 1980 zeigen. Es gibt Kleinbild-, Rollfilm- und Plattenkameras (9 x 12 cm) zu sehen. Zum Fundes gehören auch Platten ohne Kamera; sein ältestes Negativ (1926) zeigt eine Aufnahme des Hafenumbaus in Casablanca.

Mit dabei ist auch der Eigenbau des Heinz Stache. Der 1920 in Breslau geborene Uhrmacher kam als Flüchtling nach Ottoschwanden. Schon bald nach Kriegsende eröffnete er im alten Tagelöhnerhaus von "´s Abrahame" ein Geschäft für Uhren, Haushaltswaren, allerlei Krimskrams und Fotobedarf. Passfotos konnte man bei ihm machen lassen, und über 30 Jahre lang war er präsent bei Konfirmationen oder Hochzeiten. Wie er sagt, erwarb er "für ein Jahresgehalt" ein hochwertiges Rodenstock-Objektiv und baute darum selbst eine Kamera. Schwarzer Karton wurde für den Balgen gefaltet und verklebt, Messingblech für den Rollfilm gelötet – den Durchblick verschließt ein kleiner Gewichtstein. Als "Rad" für die Schärfeneinstellung dient ein Fenstergriff und als Reflektor des externen Blitzes ein Autoscheinwerfer. Ein einziger Impuls an die in einem Kondensator gespeicherte Energie reicht aus, um über die Gasentladungsröhre das Freiburger Münster vom Eingang bis in den Chor hinein mit tageslichtähnlicher Qualität auszuleuchten.

Die Fotos

Über den Wahlfreiämter Sebastian Wehrle und seine Fotolinie "Facing Tradition" hat die Badische Zeitung wiederholt ausführlich berichtet. Um seine Trachtenbilder ist ein regelrechter Hype entstanden. In seinem Mußbacher Studio geben sich zwischenzeitlich SWR, ZdF und Journalisten unterschiedlichster Printmedien die Klinke in die Hand, und in den sozialen Medien ist er omnipräsent. Seine Bilder findet man auf dem Feldberg und bei der Landesgartenschau, in Galerien von Berlin oder Brooklyn. Nun bietet ihm der Heimatverein eine ganz besondere Location für eine Ausstellung: In der Museumsscheune verquere Trachtenbilder mit Piercing, Tattoos und Gruffti-Look zwischen "Blocheri", "Säugädder", "Bännewage", "Räff" und anderem mehr.

Info: Beginn ist am Sonntag, 16. September um 10.30 Uhr mit einem Festgottesdienst; anschließend Frühschoppenkonzert der Alten Freiämter Tanzmusik. Nach dem Mittagessen beginnt im Freihof-Saal das Preis-Cego-Turnier (Anmeldung 13.30 Uhr/Spielbeginn 14 Uhr). Gespielt wird zum dritten Mal um den großen Preis der "Ludinmühle". Um 14.30 Uhr folgt die Vernissage in der Scheune für die Fotoapparateausstellung von Heinrich Hippenmeyer und die Trachtenbilder des Sebastian Wehrle. Auf dem "Schieredänn" tanzt die Volkstanzgruppe. Die Bevölkerung ist aufgerufen, in Tracht zum Fest zu kommen.