Ein riesiges Museum auf Rädern

Dieter Erggelet

Von Dieter Erggelet

Mo, 18. Juni 2018

Freiamt

Nachdem am Samstagvormittag 324 Fahrzeuge durch den Landkreis tuckerten, kamen am Sonntag zur Parade sogar 350.

FREIAMT. Technische Museumsstücke, ob auf zwei, drei oder vier Rädern erfordern einen behutsamen Umgang. Moderate Frühsommertemperaturen, wie sie am Samstag herrschten, sind geradezu ideal. Deshalb herrschte in den Morgenstunden auf dem Sportgelände des Motorsport Racing Teams (MSRT) in Freiamt vor dem Start der 18. ADAC Breisgau Veteranen-Rallye eine prächtige Stimmung. Die hielt an bis zur großen Parade am Sonntag mit 350 Fahrzeugen und mehreren tausend Zuschauern.

Allein schon die Vielfalt der Gefährte beim Start zur etwa 85 Kilometer langen Rundfahrt bis in die südliche Ortenau und den Kaiserstuhl war bewundernswert. Es knatterte, tuckerte in allen möglichen Tonarten und roch nach allerhand Elixieren, mit denen die Oldies angetrieben wurden. Da war klar, dass die Akteure rasch miteinander ins Gespräch kamen. Noch ein liebevolles Tätscheln der Karosserie, dann ging es auf die Strecke.

Leider längst vergangen sind die Zeiten, als Autos und Motorräder noch Kosenamen wie "Brezelfenster" (VW Käfer), "Hässliches Entlein", "Knutschkugel", "Traurige Lösung" (VW 1600 Fließheck), oder "Badewanne" (Ford Taunus 17M) hatten. Heute dominieren schnöde Kürzel aus Buchstaben und Zahlen.

Landrat Hanno Hurth, Bürgermeisterin Reinbold-Mench, Peter Weiß (CDU) als Vertreter der Abgeordneten sowie namhafte ADAC-Führungskräfte schickten die 324 Teilnehmer auf die Strecke. Startnummer 1 hatte Alt-Landrat Volker Watzka auf einer 750er BMW mit Seitenwagen. Der kürzlich 80 Jahre alt gewordene Pilot behauptete sich locker im Feld − ohne sich einmal zu verfahren. Er strahlte Ruhe und Abenteuerlust zugleich aus.

Nicht alle Fahrzeuge liefen problemlos. Manches Auto zickte. Ein kurzer Stopp war unumgänglich. Andere Teams waren von der Landschaft so verzaubert, dass sie eine freiwillige Fotopause einlegten.

Eher zur Gaudi waren die technischen Prüfungen, bei denen die Fahrer kleine Aufgaben zu lösen hatten, wie beispielsweise Abstände zwischen ihren Fahrzeuge einzuschätzen oder die Stärke eines Bohrers zu schätzen. Charmante junge Frauen wie Sandrina Zipse und Silvia Keller brachten dabei erfahrene alte Hasen zum Grübeln.

In Herbolzheim legte die tuckernde Karawane eine Pause ein. Vor dem Rathaus stellte Frank Böcherer die einzelnen Fahrzeuge vor und hatte noch manche Anekdote oder Schmankerl aus der Geschichte eines präsentierten Fahrzeugs zu erzählen. Bürgermeister Thomas Gedemer war sichtlich erfreut über das Ereignis, zumal die Mitglieder des örtlichen Handels- und Gewerbevereins eine Stärkung unter anderem mit badischem Gerstensaft verteilten.

Bei der Durchfahrt auf engen Nebenstraßen in den Rebbergen zwischen Endingen und Riegel genossen die Teilnehmer herrliche Ausblicke auf die Umgebung. Niemand störte sich daran, wenn ein emsiger Fotograf die Weiterfahrt seiner Hintermänner kurzfristig blockierte.

Später, auf dem Vereinsgelände des MSRT in Mußbach erklärte Heinz Giesin aus Sexau seinen Ford Eifel, Jahrgang 1937, der inzwischen 81 Jahre auf dem Blech hat. Besonders die altertümliche Kleidung einiger Motorradfahrer erinnerte an die wilden 1920 Jahre. Fahrer mit Rucksack und einer Art Helm hätten locker in einigen Historienfilmen mitmischen können. Helge Augsburg mit Hans und Klara Deinlein kamen mit einem Bulli und einem Käfer, Jahrgang 1970, nach Freiamt. "Wir sind Stammgäste beim Racing-Team, weil hier Freundlichkeit und Perfektion zusammengehören", meinten sie. Silva und Peter Bortoli aus Kenzingen genossen derweil, wie ihr Jaguar E-Type die Blicke auf sich zog. "Ich bin von Bad Kissingen mit meinem 2 CV hierher gefahren und genieße die tolle Landschaft", meinte ein weiterer Teilnehmer, ehe er sich bis zum darauffolgenden Sonntag verabschiedete.