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08. März 2010 14:19 Uhr
Elsasserditsch und Schwyzerdütsch
In der Alten Kochschule von Ottoschwanden bot Karl Streicher ein kurzweiliges Programm auf Schwyzerdütsch, Elsasserditsch und "Standarddeutsch" mit Stücken des Berner Liedermacher Mani Matter und der französischen Chansonniers George Brassens und Jaques Brel.
Lustig – skurril: der Künstlerblick auf eine Kuh, die im entscheidenden Moment verschwunden ist; die schielende Lotti, die aufgrund ihres Sehfehlers für die Männer gefährlich ist, weil sie immer gleich zwei im Visier hat; der Eskimo, der gereimt wird auf "Cembalo" und "Fortissimo": Beispiele für den Humor und die Phantasie, die Mani Matter zu abwegigen Verbindungen und Textspielereien inspirierten. Karl Streichers Faible für diesen außergewöhnlichen Witz wurde spürbar, seine Begeisterung für die Wortspiele und Absurditäten moderierte er für die Zuhörer nachvollziehbar gekonnt. "I weiß, ihr min viel klatsche" – diese Ankündigung Streichers bewahrheitete sich vielmals, denn ein Merkmal der Lieder von Mani Matter ist häufig, dass mit einer Wendung, einem Wort etwas effektvoll auf den Punkt und sofort zu Ende gebracht wird. Es waren kleine, fast banale Geschichten, die aber gerade durch eine überhöhende Beschreibung ins Absurde gezogen wurden. Die Abgrenzung zu platter Albernheit war bisweilen haarscharf und gelang Karl Streicher durch augenzwinkernde Selbsironie.
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Melancholisch wurde der Abends vor allem mit einigen Chansons von George Brassens und Jaques Brel "en bloc". Es ist allerdings die Frage, ob Brels berühmt gewordenes und in zahlreichen Suoeradaptionen immer wieder aufgenommenes "Ne me quitte pas" wirklich ins Elsasserditsch übertragen werden sollte.
Ganz in der Tradition von George Brassens, der sich auf einfachste Instrumentierung beschränkte, um die eindringliche Wirkung seiner lebensnahen wie poetischen Texte nicht zu überlagern, verwies Karl Streicher darauf, dass "drei Akkorde allemal gut für ein gutes Lied seien". Damit ist die harmonische Dimension umrissen, wobei ein Chanson über einem einzigen Akkord allein durch diese Beschränkung eigenen Reiz gewinnen kann. Streichers Spiel auf der halbakustischen Gitarre war eher wie beiläufig, der Text stand im Vordergrund. Passagenweise war er eher als Sprechgesang denn mit großer Stimme angelegt. Ausgereizt wurde der Minimalismus in Wort und Harmonie in der Nummer "Dene, wos gut geht": der dialektische Umgang verblüffte, die musikalische Monotonie überzeugte.
Karl Streichers Auftreten passte sich gut in die besondere Atmosphäre der Alten Kochschule ein. Er hat mit seinem Programm eine Nische besetzt, die für diese Kleinkunstbühne auf dem Wald wie gemacht schien.
Autor: Hildegard Karig
