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19. Juni 2017

Es scheppert, raucht, klopft, rattert

Rund 5000 Besucher genossen am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein das Flair beim Traktorentreffen in Freiamt.

  1. Und dann wurde es laut: Die große Traktoren-Parade begann. Foto: Dieter Erggelet

  2. Aber bitte mit Blumen Foto: Dieter Erggelet

  3. Anschauungsunterricht gibt Wilhelm Hermann aus Teningen mit seinem Kramer-Traktor. Foto: Dieter Erggelet

FREIAMT. Beim dritten internationalen Schlepper- und Bulldogtreffen galt die Devise des Berliner Kabarettlegende Otto Reutter "Nehmen Sie ´n Alten". Rauer und derber Charme historischer Landmaschinen begeisterte die Besucher. Weit über 5000 Gäste waren es schon, schätzte Alfred Haas, Vorsitzender des veranstaltenden Racing-Teams.

Schon zwei Stunden vor der offiziellen Eröffnung des Schleppertreffens, um elf Uhr, war bei der Anfahrt nach Mußbach Geduld angesagt. Es schepperte, rauchte, klopfte und ratterte auf den Zufahrtsstraßen, dass es für die Fahrer der Traktoren eine Freude war. Entschleunigung war für die anderen Verkehrsteilnehmer eine möglicherweise wohltuende Nebenwirkung. 409 Schlepper und Traktoren waren später fein säuberlich, teilweise geordnet nach Fabrikaten, auf dem Sportgelände aufgereiht. Am meisten umzingelt waren die Arbeitsgeräte, die aus den 1950er und 1960er Jahren stammten.

Was fasziniert an diesen rustikalen Arbeitsgeräten so? Vermutlich ist es die Technik, die nicht unter einer Motorhaube und schallgedämpft ihre Arbeit verrichtet. Ein technisch interessierter Fahrer kann noch das Innenleben seines stählernen Arbeitspferds betrachten und Abhilfe schaffen, falls es einmal nicht rund läuft.

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Rasch kamen die Besucher und Aussteller miteinander ins Gespräch. Einen der weitesten Anreisewege hatte Theo Bank aus Mundelfingen bei Blumberg. Sein Kramerschlepper K 18 ist ein Fernsehstar. Das Vehikel wurde unter anderem vom einstigen Ministerpräsident Erwin Teufel oder von Paula Ruth-Köpfer aus der SWR 3 Fernsehserie "Die Fallers" für ihre Öffentlichkeitsarbeit genutzt.

Auch Unimogs aller Jahrgänge und Verwendungszwecke standen im Blickpunkt des Interesses. Alex Witzigmann aus Reute etwa hat das landwirtschaftliche Arbeitsgerät liebevoll restauriert und lackiert.

Nomen est Omen: Viele Porsche Fahrer möchten sich inzwischen auch einen Porsche Traktor in die Garage stellen. Peter Müller aus Windenreute erteilte geduldig Auskünfte, wie Porsche-Traktoren vor einem halben Jahrhundert ein Prestigeobjekt bei den Landwirten waren. Spannend, fast wie Lebensgeschichten, hörten sich manche der Historien um die Traktoren an. Ein Schlepper war auf einem Nato-Militär-Flugplatz auf der schwäbischen Alb eingesetzt – ausschließlich für die Räumung von möglichem Schnee auf der Start- und Landebahn, erzählte ein Besitzer.

Wilhelm Hermann aus Teningen erklärte den Besuchern die Funktionsweise von Traktoren ausführlich. Für den ehemaligen Berufsschullehrer eine vorzügliche Gelegenheit, Technik anschaulich an seinem historischen Kramer-Traktor zu vermitteln.

Zur Mittagsstunde wurden auf dem Sportgelände Racing-Teams die Stehplätze knapp. Im rund für 1000 Gäste zugelassenen Festzelt waren über 100 Helferinnen und Helfer um das Wohl der Gäste besorgt, während das Freiämter Ensemble Polka Blech die Besucher mit flotten Weisen unterhielt. Dann wurde es laut um das Sportgelände. Etwa 300 Traktoren nahmen an der Parade teil. Frank Böcherer hat sich ausführlich vorbereitet, um die einzelnen Fahrzeuge vorzustellen. Immer wieder Komplimente gab es von den Zuschauern für die Detailverliebtheit der Fahrzeugbesitzer: eine Milchkanne auf dem hinteren Trittbrett, oder ein Rucksack, gefüllt mit einem kräftigen Vesper. Außerdem Werkzeuge, um notfalls den Mähbalken zu reparieren oder gleich mit der Sense weiterzumachen.

Nicht strahlend, anfangs unscheinbar stand der Oldie der Veranstaltung, der rund 100 Jahre alte Fordson von Marcel Jundt aus Emmendingen am Eingang des Festzelts. Immer wieder musste er den Motor per Handkurbel angelassen. Danach schnurrte der Oldie erstaunlich kultiviert. Auf der Rückfahrt wirkten die stählernen, behäbigen Verkehrshindernisse geradezu sympathisch.

Autor: Dieter Erggelet