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24. Januar 2012

Geistreicher Unsinn

Mit eigenen und geliehenen Chansons zaubern Sarah Ley und Sarah Zuber Kleinkunst vom Feinsten.

  1. Edle Schnittchen servierten in der Alten Kochschule von Freiamt Sarah Ley und Sarah Zuber. Foto: Hildegard Karig

FREIAMT. "In der Pause gibt’s Schnittchen" – nach der Begrüßung und einem Eingangsgeplänkel zum Warmlaufen gaben Sarah Ley (Gesang) und Sarah Zuber (Piano und Gesang) mit einem französischen Chanson gleich die Richtung des Abends in der Alten Kochschule an: die Liebe mit all ihren Schatten- und Sonnenseiten. Ein abendfüllendes Thema für vielseitige Betrachtungen, für eigene und geliehene Chansons, für bissige und kabarettistische Einlagen.

Eine erfrischende Musikalität, die den Mix von Bekanntem und Neuem durchzog, zeichneten sowohl das Spiel am Piano wie den Gesang aus. Mit überraschenden Wendungen im Text wie in den Noten, mit unüblichen Bildern und einer gehörigen Portion Selbstironie schafften die beiden Schweizerinnen schnell eine Atmosphäre, deren Leichtigkeit und Witz sich die Zuhörer gerne überließen. Die intime Atmosphäre in der Alten Kochschule reizte zu einer dichten Kommunikation mit dem Publikum, was von beiden Akteurinnen gerne genutzt wurde.

Stimme und Klänge, dazu vielsagende Gebärden

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Mit geringen Mitteln, dem Piano und der zweiten Stimme von Sarah Zuber als drittes abwechslungsreiches Ostinato-Instrument, mit einem Rhythmus-Ei und für den schönsten Kitsch dann auch noch mit Glöckchen inszenierten die beiden die einzelnen Nummern. Das Möwengeschrei der Sängerin prägte die Stimmung des Seemannsliedes, aufreizender oder genervter Augenaufschlag der Pianistin sagte mehr als Worte oder Töne.

Dass sie bei allem Können und Konzentration auch noch Spaß an der Sache hatten, vergrößerte ihre Bühnenpräsenz und Ausstrahlung. Sie blieben bei allem Unsinn geistreich und spontan. War für die eine Marlene Dietrich mit ihren langen Beinen und der tiefen, rauchig-erotischen Stimme das Idol, dem es nachzueifern galt, so war es für die andere das Hexenmädchen Bibi Blocksberg mit blondem Pferdeschwanz und weißen Socken. Die Rückbesinnung auf die eigenen Kräfte machten eine Verherrlichung des Single-Daseins ("Hochbett und Herbstlaub machen Spaß auch alleine") ebenso erstrebenswert und glaubwürdig wie die Sehnsucht nach einem wirklichen Mann ( "Ich will keine Schokolade, ich will ’nen Cowboy als Mann").

Der Sound von Zarah Leander war wie der von Herbert Grönemeyer gut für überraschende Wendungen: "Du bist so schön, kleine Maus, wenn ich Dich seh’ – wird mir schlecht". Hatte sich die Sängerin in irgendwelche unrealistischen Höhen verstiegen, wurde sie von der Pianistin derb zurück auf den Boden der Bühne und Tatsachen geholt, und umgekehrt: Ein peppiges, selbstironisches Geplänkel, was in Schwyzerdütsch schon Kabarett für sich alleine ist. Kleinkunst, im besten Sinne des Wortes ohne Einschränkung ein Genuss – von den Pausen-Schnittchen ganz abgesehen!

Autor: Hildegard Karig