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04. November 2014 19:24 Uhr

Immobilienmarkt

Freiburg: Bauträger kritisieren Stadt – Private Baugruppen bevorzugt?

Der enge Immobilienmarkt in Freiburg macht Bauträgern zu schaffen. Zudem fühlen sie sich benachteiligt. Ihrer Meinung nach werden Zusammenschlüsse privater Bauherren von der Stadt bevorzugt.

  1. Im Baugebiet Gutleutmatten wird ein großes Rad gedreht – erstmal bei den Bauarbeiten. Foto: Ingo Schneider

So der Vorwurf der Vereinigung Freiburger Wohnungs- und Gewerbeunternehmen. Stimmt nicht, erwidert die Stadtverwaltung. Und der Bundesverband Baugemeinschaften entgegnet, wer so etwas sage, betreibe schlicht Lobbyarbeit.

Es rumort seit längerem bei der Vereinigung Freiburger Wohnungs- und Gewerbeunternehmen (VFW), zu der sich 18 Unternehmen rund ums Bauen zusammengetan haben. Ziel ihres Ärgers: Baugruppen, also Zusammenschlüsse privater Bauherren, die ihre Immobilien gemeinsam und ohne Bauträger errichten.

Baugruppen, findet VFW-Geschäftsführer Alexander Simon, hätten viel bessere Karten bei der Stadtverwaltung als professionelle Bauträger und ein besseres Image. "Aber unter dem Deckmantel der Baugruppe wird da ganz normales Bauträgergeschäft abgewickelt", sagt er und verweist auf die Insolvenz der Firma Phasea Baugestalt, die mit Baugruppenbetreuung angefangen hatte und mit Projektentwicklungen Pleite gegangen war.

Baugruppen im Fokus

Drei Viertel des privaten Wohnungsmarktes werde von professionellen Bauträgern errichtet, sagt Simon, in der Wertschätzung der Stadtverwaltung schlage sich das jedoch nicht nieder. Baugruppen würden protegiert: "Die Stadtverwaltung reserviert ihnen Grundstücke wie in Gutleutmatten und gestattet Reservierungsvorläufe – eine klare Wettbewerbsverzerrung", ist der VFW-Geschäftsführer überzeugt. "Ganz zu schweigen davon, dass Bauträger mehr Grunderwerbssteuer zahlen."

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Außerdem werde nicht berücksichtigt, dass sich nur die Profis an die Makler- und Bauträgerverordnung halten müssen; deshalb dürfen etwa Projektgelder nur getrennt vom übrigen Vermögen des Bauträgers verwendet werden. Für Baugruppen gelte das nicht – und sei riskant für deren Mitglieder. Das werde jedoch nicht thematisiert.

Wettbewerbsverzerrung? Lobbyarbeit?

Naturgemäß ganz anders sieht das der Bundesverband Baugemeinschaften, zu dem sich Baugruppen-Fachleute deutschlandweit zusammengeschlossen haben. "Lobbyarbeit gegen Baugruppen" nennt der Freiburger Architekt und Verbandsvorsitzende Hubert Burdenski die Anwürfe. "Es gibt in der Szene schwarze Schafe, siehe Phasea, aber die gibt’s auch bei Bauträgern. Insgesamt ist die Baugruppenbewegung eine Erfolgsgeschichte – und halt eine Konkurrenz zu Bauträgern geworden."

Baugruppen, sagt Burdenski, seien für viele Menschen die einzige Möglichkeit, nach ihren Vorstellungen zu bauen: kostengünstig, selbstbestimmt, mit einem Architekten ihrer Wahl. Über Chancen und Risiken einer Baugruppe informiere sein Büro die Baugruppenmitglieder schriftlich; etwa über das Risiko, dass die Kosten sich erhöhen könnten. Beim Bauträger habe man einen Festpreis für den schlüsselfertigen Bau, doch der sei von vornherein höher. Burdenski: "Realistischerweise sind Baugruppenprojekte in vergleichbaren Lagen 20 Prozent günstiger." Außerdem verwalte ein Geschäftsführer der Baugruppe deren Geld, nicht der Architekt. "Baugruppen", sagt Burdenski, "sind auf Festpreise für Grundstücke angewiesen, sonst hätten sie keine Chance." Deshalb sei es korrekt von der Stadt, mit diesem Festpreis Auflagen zu verbinden wie etwa, Sozialwohnungen zu bauen. Baugemeinschaften wie die "Blaue Blume", die ihn engagiert habe, hätten politisch dafür gekämpft, dass zum Beispiel auf Gutleutmatten Grundstücke für sie reserviert werden.

Dass es massive Wünsche aller Interessengruppen gibt, weiß Bruno Gramich, der Leiter des städtischen Amtes für Liegenschaften und Wohnungswesen. "Baugruppen nutzen Grundstücke für sich selbst, Bauträger wollen Wohnungen verkaufen. Beides hat seine Berechtigung." Doch sei es politischer Wille des Gemeinderats, Baugruppen zu fördern. "Gerade wenn wir wenig kommunale Flächen haben, wollen wir möglichst steuern, was draufkommt." Die Verwaltung schätze Bauträger genauso wie Baugruppen, "wir schreiben ja auch sonst Grundstücke aus, auf die sich jeder bewerben kann". Der Zwist, vermutet Gramich, sei eher "dem knappen Markt geschuldet".

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Autor: Simone Lutz