Hilfe für die Erdbebenopfer

Freiburgerinnen aus aller Welt haben am Stühlinger Markt Dal und Kuchen für Nepal verkauft

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 02. Juni 2015

Freiburg Mitte

Die "Freiburgerinnen aus aller Welt" haben am Stühlinger Markt verkauft und Spenden gesammelt.

STÜHLINGER. Auch gegen Mittag, als vieles ausverkauft war, kam noch Nachschub – darunter zwei Kirschkuchen. Und dann gab’s am Stand des Netzwerks "Freiburgerinnen aus aller Welt" am Samstag auf dem Stühlinger Markt eine besondere Attraktion: Dal – Reis mit Linsen, nepalesisch zubereitet von Anura Thirimanna, dem Inhaber des Mittagsimbisses "Anuras Elefant". Das passte zum Zweck der Aktion: Die 1306,22 Euro, die eingenommen wurden, gehen an Erdbeben-Opfer in Nepal. Die Hälfte davon an die Familie der in Freiburg lebenden Urmail Shrestha.

Als Anura Thirimanna seine großen Töpfe mit dampfendem Reis und Linsen auspackt, duftet es auf dem Stühlinger Markt plötzlich nach Curry. Nebendran gibt’s weiterhin noch Süßes am Kuchenstand. Der Birne-Mohn-Mandelkuchen von Nathalie Culo ist schon weg. Sie hat ihn früh morgens um vier Uhr gebacken. Nathalie Culo stammt aus Kroatien und hat zusammen mit vielen anderen Frauen des Netzwerks "Freiburgerinnen aus aller Welt" unter der Regie der Medienpädagogin Irene Schumacher drei internationale Frauen-Kochbücher herausgegeben.

Die Arbeit an diesem Band hat Verbundenheit geschaffen – da war es ihr ein Anliegen, ihrer Kochbuch-Kollegin Urmail Shrestha, deren Familie durch das Erdbeben in Not geraten ist, zu helfen. Die Frauen haben davor bereits zwei Mal Kuchen-Spendenaktionen auf dem Stühlinger Markt organisiert, einmal für ein Frauenhaus im Libanon, mit dem eine von ihnen in Verbindung steht, das zweite Mal für die Projekte des Freiburger Vereins "Amica" in Bosnien-Herzegowina. Für den Libanon waren 750 Euro und für Bosnien-Herzegowina rund 1000 Euro zusammengekommen. Der Vorschlag von Nathalie Culo, diesmal für Nepal zu backen, kam bei allen gut an. Genau für solche Aktionen sei das Netzwerk da, betont Irene Schumacher: Denn die Frauen des Netzwerks, das finanziell unterstützt wird vom Integrationsministerium Baden-Württemberg und dem Büro für Migration, wollen sich untereinander – und darüber hinaus Frauen weltweit – unterstützen. Und sie wollen "sichtbar werden" in Freiburg, wo sie leben.

Das Haus der Eltern von Urmail Shrestha ist zerstört

Urmail Shrestha freut sich sehr über die Solidarität ihrer Kochbuch-Kolleginnen: Neben anderen Verwandten leben ihr 21-jähriger Sohn und ihre Eltern in Kathmandu, zum Glück geht es allen gut. Doch das Haus ihrer Eltern wurde zerstört, sie sind nun übergangsweise bei ihrem Bruder untergekommen.

Die Zeit direkt nach dem Erdbeben, als Urmail Shrestha nicht wusste, ob ihre Angehörigen überlebt hatten, war schlimm: "Ich habe immer die Bilder gesehen, die Zerstörungen, ich war sehr unruhig." Aus der Ferne kann Urmail Shrestha, die vor 15 Jahren nach Freiburg kam, weil sie damals in einen Freiburger verliebt war, nicht viel tun. Doch im Juli will sie ihre Familie besuchen. Die Hälfte des Geldes, das am Samstag zusammenkam, kann sie für ihre Verwandten mitnehmen. Die andere Hälfte geht an den Verein "Freiburger Nepalese Association".

Viele machen mit bei der Hilfsaktion: Mehr als 40 Kuchen wurden bei den Frauen abgegeben, etliche von Menschen außerhalb des Netzwerks. Für Anura Thirimanna, der aus Sri Lanka stammt und Inhaber eines Mittagsrestaurants in der Stühlingerstraße ist, war’s klar, dass er sich beteiligen würde. Er hat Freunde in Nepal, so wie Krishan Rajapakshe, der aus Sri Lanka geflohen ist und in Kirchzarten auf den Ausgang seines Asylverfahrens wartet. Er hat beim Kochen geholfen.

Kontakt: Netzwerk "Freiburgerinnen aus aller Welt", E-Mail-Adresse von Irene Schumacher: schumacher@kommunikation-und-medien.de, Tel. 0178 / 98 22 880
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