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01. Oktober 2008
Jenseits von gut und böse
VEREINT IM VEREIN: Die Freiburger im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten.
INNENSTADT. Wie viel Steuern zusätzlich zur Kirchensteuer gehen in Baden-Württemberg an Kirchen und religiöse Gemeinschaften? Was ist die Höchststrafe für Gotteslästerung? Zwei von sieben Fragen eines Quiz, mit dem der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten auf sein Anliegen aufmerksam macht: Die Trennung von Staat und Kirchen.
Sie trinken Cola, Wein und Bier, einer isst Suppe. Und alle lieben Fragen und Diskussionen. Darf der Staat Schulzeit für Gottesdienste zur Verfügung stellen? Ist es nicht fatal, Kinder nach ihrer Religion im Religionsunterricht zu trennen – statt sie gemeinsam unterschiedliche Glaubensweisen kennenlernen zu lassen? Sind die Arbeitsbedingungen in kirchlichen Krankenhäusern am schlechtesten? Die neun (meist älteren) Männer und eine Frau, die beim "Gottlosen-Stammtisch" (zu dem auch Nicht-Mitglieder eingeladen sind) im "Grünhof" sitzen, kommen kaum zu ihrem eigentlichen Thema. Das heißt diesmal "Ethik ohne Gott", Joachim Hradetzky – ein Gast, kein Mitglied – hat einen Vortrag vorbereitet. Anfangs haben sie bei den Stammtischen immer einfach so geredet, erzählt Arno Ehret, mittlerweile gibt’s Themen. Anfangs, das ist noch gar nicht lange her: Vor einem Jahr hat sich Arno Ehret im Internet auf die Suche nach Menschen gemacht, die denken wie er. Die nicht nur – wie er mit Anfang 20 – aus der katholischen Kirche ausgetreten sind, weil sie das Glaubensbekenntnis nicht glauben. Sondern die es ärgert, dass die christlichen Kirchen in Deutschland Privilegien haben, die Arno Ehrets Meinung nach längst veraltet sind: Zum Teil, sagt er, gingen sie auf Verträge von 1803 zurück.Werbung
Arno Ehret hat über den Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten Gleichgesinnte für einen Stammtisch gefunden. Zum Beispiel Rainer Hercher, den es, "evangelisch getauft gegen meinen Willen", empört, dass sich die Kirche trotz ihrer düsteren Geschichte "als Hüterin von Recht und Moral aufspielt". Und Hartmut Ortlieb, der einen Gott, "der bestimmt, was gut und schlecht ist", totalitär und undemokratisch findet. Die Steuergelder für die Kirchen – in Baden-Württemberg 2008 mehr als 105 Millionen Euro zusätzlich zur Kirchensteuer – müssten unter anderem mit Muslimen und "Freigeistern" geteilt werden, fordert er. Gotteslästerung – die bis zu drei Jahre Gefängnis zur Folge haben kann – liegt nicht in ihrem Interesse. Und dass "ohne Gott alles erlaubt ist", sei natürlich Quatsch, betont Joachim Hradetzky in seinem Vortrag. Doch Begriffen wie "gut" und "böse" zieht er "gerecht" und "ungerecht" vor. Und keinem von ihnen leuchtet es ein, dass sie als Staatsbürger Kirchen unterstützen müssen, mit denen sie nichts zu tun haben.
Konfessionslose und Atheisten
und Atheisten
Mitglieder: zehn.
Angebot: Stammtische, Vorträge.
Mitgliedsbeitrag: 50 Euro/Jahr.
Kontakt: Arno Ehret, 0761/473408, email: ibka-freiburg@online.de
Autor: anb
Autor: Anja Bochtler
