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10. Oktober 2011 16:10 Uhr
Vereint im Verein
Reiche Vereinsvielfalt
In der Musikgruppe ist es wie überall bei den Angeboten vom Verein "Eltern werden – Eltern sein": Die Mütter sind immer noch klar in der Überzahl. Doch ein bisschen was tut sich auch bei den Vätern.
STÜHLINGER. Geboten wird viel, von der Betreuung durch Hebammen in der Schwangerschaft übers Baby-Shiatsu bis zur Paar- und Elternberatung. Oft wird’s sehr eng in den kleinen Räumen in der Rennerstraße 4. Und ganz dringend wünschen sich die ehrenamtlich arbeitenden Organisatorinnen mehr städtische Unterstützung.
Urlaubsstimmung: Fast ist es in der Musikgruppe von Heike Köplin wie irgendwo am Strand. Linette (zweidreiviertel Jahre alt) liegt in der Hängematte – einem von Müttern gehaltenen großen Tuch. Ihre Zwillingsschwester Corinne klettert zu drei anderen Kindern ins hölzerne Schiff, in dem sich wunderbar schaukeln lässt. Im Hintergrund verträumtes Meeresrauschen, manchmal wird auch getrommelt: Je nachdem, ob ein paar Kleine begeistert auf den mit Sand gefüllten Trommeln herumhämmern oder ein paar Große sie langsam hin und her drehen und den Sand zum Rauschen bringen.
Linette und Corinne kommen regelmäßig mit ihrer Mutter Ulla Bertsche hierher, daheim trällern sie oft die Lieder vor sich hin, die sie bei Heike Köplin hören und singen. Früher, als die Zwillinge noch Babys waren, kam Ulla Bertsche mit ihnen zu einem der Pekip-Kurse, die sich am "Prager Eltern-Kind-Programm" orientieren. Sie sind ein bewährter Renner beim Angebot von "Eltern werden – Eltern sein", das sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert hat.
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Das liegt unter anderem daran, dass der Verein inzwischen Freiburgs größter Anbieter für Kurse des Landesprogramms "Stärke" ist, das Eltern im ersten Lebensjahr ihres Kindes einen "Bildungsgutschein" im Wert von 40 Euro garantiert. Ein Drittel der Gutscheine werden hier eingelöst, erzählt Petra Rieder-Link vom Vorstand, insgesamt nutzen rund 500 Familien im Jahr irgendein Angebot des Vereins, oft gibt’s Wartelisten.
Das Ziel, mit dem sich der Verein 1985 gegründet hat, bleibt immer aktuell. "Wir wollen die frühe Phase der Elternschaft auffangen", sagt Petra Rieder-Link, die neben der ehrenamtlichen und immer aufwändiger werdenden Organisationsarbeit auch selbst als Sozialpädagogin mit Pekip-Ausbildung Kurse anbietet – genau wie die Musikpädagogin Anke Adam, die sich mit der Sozialpädagogin und Musiktherapeutin Heike Köplin bei den Musikgruppen abwechselt. Alle Kursleiterinnen sind qualifiziert, viele kamen, wie Anke Adam, die Mutter einer jetzt siebenjährigen Tochter ist, einst als Kursteilnehmerinnen dazu. "Hier gibt’s tolle Kontaktmöglichkeiten, das hilft über die Isolation mit einem kleinen Kind hinweg", sagt Anke Adam. Das nutzen vor allem Akademikerinnen.
Der Verein würde gern mehr sozial benachteiligte oder alleinerziehende Eltern mit speziellen Angeboten ins Boot holen, doch es ist keine Energie für zusätzlichen Aufwand da. Im Gegenteil: "Wir fühlen uns alleingelassen, das ist sehr frustrierend", sagt Anke Adam. Im Frühling scheiterte der Versuch, zumindest einen 400-Euro-Minijob mit städtischer Unterstützung zu etablieren – die Unabhängigen Listen hatten erfolglos einen Antrag gestellt. Auf Dauer aber könne es so nicht weitergehen, sagen die Vorstandsfrauen. Linette und Corinne ahnen noch nichts von solchen Problemen: Sie hüpfen nebenan als Bi-Ba-Butzemänner herum.
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Autor: Anja Bochtler
