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09. Februar 2010

Luxuswohnungen auf dem Areal von St. Urban

Das 45 000 Quadratmeter große Areal von St. Urban im Stadtteil Herdern wird aufgeteilt und mit Luxuswohnungen bebaut.

  1. Wohnen in exklusiver Lage für viel Geld: So soll die Architektur entlang der Sebastian-Kneipp-Straße aussehen. Foto: treubau freiburg

Noch immer hat das Evangelische Stift keinen Käufer für die stillgelegte Seniorenwohnanlage St. Urban in Herdern gefunden. Dabei sind Verkauf und Bebauung für sein Überleben dringend notwendig. Momentan werde mit drei Interessenten verhandelt, sagt Stiftvorstand Hartmut von Schöning. "Ich sehe Licht am Ende des Tunnels und bin heilfroh, dass wir in Endverhandlungen sind." In 14 Tagen rechne er mit einem Abschluss der Verhandlungen. Derweil arbeitet die Stadtverwaltung an einem Bebauungsplan. Im westlichen Teil sollen Luxuswohnungen entstehen.

Auf dem Gelände des ehemaligen Wirtschaftsbereich von St. Urban sollen nach den neuen Plänen für 25 Millionen Euro sechs begrünte mehrgeschossige Flachdachhäuser mit 45 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen und zwei Tiefgaragen entstehen. Sie werden von drei verschiedenen Architekturbüros entworfen. Gegenüber der ursprünglichen Planung wurde die Bebauung deutlich abgespeckt und von innen an den Rand des Grundstücks entlang der Sebastian-Kneipp-Straße verlegt. Allerdings müssen dort zahlreiche große Bäume den Neubauten weichen. "Auch riesengroße Bäume haben einmal ein Ende", sagte dazu Baureferent Norbert Schröder-Klings in einer Infoveranstaltung in der Weiherhofschule. Aus ehemals 7500 und mehr als 50 Wohneinheiten sind 5500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche geworden. Verhindern habe man die Bebauung nicht können, machte Wulf Daseking, Leiter des Stadtplanungsamtes, deutlich. "Die Rechtsgrundlage ist klar: Es darf bebaut werden." Baureferent Schröder-Klings lobte die "Innenentwicklung mit Augenmaß": "Vom städtebaulichen Konzept her ist das eine sehr gute Lösung."

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Den Zuschlag für den 8900 Quadratmeter großen Wirtschaftsbereich hat die Freiburger Treubau erhalten. Eine Million Euro hat sie bereits vor eineinhalb Jahren an das finanziell in Schwierigkeiten steckende Stift, das sechs Alteneinrichtungen in Freiburg und Gundelfingen betreibt, überwiesen. Der Rest wird bezahlt, wenn die Baugenehmigung erteilt ist, so Treubau-Vorstand Volker Homann. Mit dem Baubeginn rechnet er nach den Sommerferien. Für das Projekt hat die Treubau eigens die "Projektentwicklungsgesellschaft St. Urban" gegründet; der Bauverein Breisgau hat derzeit noch eine Option, sich mit zirka 50 Prozent zu beteiligen. In den nächsten drei bis vier Monaten wolle man sich entscheiden, so Bauvereinschef Reinhard Disch. Fest steht: Für die neuen Wohnungen wird zurecht mit dem Zusatz "exklusiv" geworben – der Kaufpreis liegt bei 4700 Euro pro Quadratmeter. Die von Bürgern kritisierte Architektur verteidigte Stadtplaner Daseking: "Zu dieser Architektur stehe ich. Wir bauen heute nicht mehr wie 1890, 1910 oder 1920." Auch Baureferent Schröder-Klings sprach von einer "sehr schönen, modernen Architektur."

Am 23. Februar soll der Gemeinderat nun die Offenlage des Bebauungsplans beschließen, so dass Betroffene ab Anfang März einen Monat lang die Gelegenheit zu Einwänden haben. Der Satzungsbeschluss ist dann im Oktober vorgesehen. Von der Planung ausgenommen hat die Verwaltung den mittleren Bereich rund um das frühere Klinikgebäude, das zurzeit bis auf das Praxiszentrum leer steht. Da bislang noch kein Käufer für die Klinik und Villa und den unbebaubaren Park im Ostteil gefunden wurde, ist offen, wie das Gebäude künftig genutzt wird. Ein Klinikbetrieb scheint unwahrscheinlich. Derzeit ist aber nur eine Nutzung des Hauses als Klinik oder soziale Einrichtung möglich, im Falle einer anderweitigen Nutzung müsste der Bebauungsplan geändert werden. Da auch auf dem Parkplatz an der Sebastian-Kneipp-Straße – dort hatte das Stift ursprünglich eine Demenzeinrichtung geplant – drei Häuser errichtet werden sollen und 60 Stellplätze wegfallen, muss der künftige Besitzer wahrscheinlich eine zusätzlich Tiefgarage bauen.

Besorgt zeigten sich die rund 100 Bürger in der Weiherhofschule über den künftigen Verkehr – vor allem in der sehr engen Sebastian-Kneipp-Straße, wo entlang der Neubauten Ausweichbuchten geplant sind. Laut einer Prognose rechnet das Garten- und Tiefbauamt pro Tag mit 1140 Fahrten aufs und aus dem St.-Urban-Gelände. Zurzeit sind es 500, bis zur Aufgabe des Klinikbetriebs 2004 waren es 1700. "Ich bin überzeugt, dass es durch die Bebauung zu keinem Verkehrskollaps kommt", versicherte Richard Neymeyer vom Garten- und Tiefbauamt.

Autor: Frank Zimmermann