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19. Dezember 2011
Verlorenes Einkaufsparadies
WIEDERSEHEN! Hohes Ansehen genoss einst das Kaufhaus "Koetting & Heinze" an der Freiburger Hauptgeschäftsstraße.
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Die historische Illustration zeigt das 1896/97 neu gebaute Geschäftshaus „Koetting & Heinze“. Die schmale Schauseite des Gebäudes war an der Kaiserstraße (heute Kaiser-Joseph-Straße). Am rechten Bildrand steht das Haus Schiffstraße 2. Heute befindet sich an der Stelle ein größerer Nachfolgebau, der eine Abteilung des Modehauses Kaiser und die Buchhandlung „Herder & Thalia“ beherbergt. Foto: Archiv Manfred Gallo/Ingo Schneider
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Foto: Ingo Schneider
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ALTSTADT. Nur wenigen Menschen dürfte die Firma "Koetting & Heinze" noch bekannt sein, die mehrere Jahrzehnte das größte Spezialgeschäft für Manufakturwaren (handgefertigte Produkte) in der Stadt gewesen ist. Die historische Ansicht mit niedrigem Nachbarhaus am rechten Bildrand zeigt es um 1898 in der damaligen Kaiserstraße 46, Ecke Schiffstraße. Heute befindet sich dort das Gebäude Kaiser-Joseph-Straße 178.
Die Betriebsgründung der Kaufleute Heinrich Koetting aus Darmstadt und Ernst Heinze aus Saalfeld erfolgte am 1. Juli 1897 durch Übernahme des Manufakturwarengeschäftes von Adolf Kürzel im gegenüber liegenden Haus Kaiserstraße 49. Beide kannten sich seit vielen Jahren als Kollegen und Reisende in der Manufakturwarenbranche. Das Unternehmen wurde zunächst unter dem Namen "Adolf Kürzel Nachfolger" und ab Februar 1890 unter "Koetting & Heinze" geführt. Verkauft wurden Kleiderstoffe und Baumwollwaren. Bereits 1893 war das Anwesen Kaiserstraße 46 erworben und 1896 die Bebauung abgerissen worden. Danach wurde mit Architekt Friedrich Ploch ein Neubau errichtet, in den man das Geschäft verlegt und am 25. Februar 1897 eröffnet hatte. Gleichzeitig war das Verkaufsangebot auf Gardinen, Teppiche und Ausstattungen erweitert worden.Werbung
Nachdem Ernst Heinze am 28. Februar 1900 im Alter von 41 Jahren verstorben war und Heinrich Koetting damit einen guten Freund und Förderer des gemeinsamen Unternehmens verloren hatte, trat die Witwe Lina Heinze als Teilhaberin in die Firma ein. Allerdings ist sie bereits 1903 wieder ausgeschieden, weshalb Heinrich Koetting Haus und Geschäft anschließend auf eigene Rechnung führte. Eine Konfektionsabteilung wurde im August 1900 eingerichtet und bis 1903 bedeutend erweitert.
Die historische Ansicht zeigt ganz am rechten Bildrand das kleine Haus Schiffstraße 2. Es wurde im Mai 1904 erworben und etwas später abgerissen. Danach wurde von der Architekten-Firma "Billing & Mallebrein" als Erweiterungsbau 1906 ein Jugendstilgebäude errichtet, das eine Etage höher war als das Geschäftshaus Kaiserstraße 46, mit dem es verbunden wurde. Heinrich Koetting (1854 bis 1942), der politisch zur nationalliberalen Partei zählte, war nicht nur als Kaufmann, sondern auch für die Bürgerschaft und die Allgemeinheit tätig. In den Jahren von 1902 bis 1911 bekleidete er das Amt eines Stadtverordneten. Im September 1910 wurde Heinrich Koetting in den Stadtrat gewählt, dem er bis zum Dezember 1922 angehörte. Ferner war er in vielen Kommissionen, Korporationen und Vereinen engagiert, zum Beispiel in der Schulkommission, als Mitglied der Handelskammer oder als Präsident der Harmonie-Gesellschaft.
Mit seinem Unternehmen überstand Koetting auch schwierige Zeiten. Dazu zählen der Erste Weltkrieg und der 18. September 1922, an dem seine Ehefrau Luise Koetting verstarb, die in seinem Geschäft eine nicht zu ersetzende Stütze war. Im Sommer 1931 gab Heinrich Koetting aus Altersgründen seinen Betrieb nach wochenlangem Total-Ausverkauf auf. Danach eröffnete nach Umbauarbeiten als Mieter der Geschäftsräume am 25. September 1931 das Geschäft "Wohlwert". Diese Firma wurde im Handelsregister als "Einheitspreise GmbH" eingetragen, ab Januar 1934 als "Central-Kaufhaus GmbH" und nach der Arisierung (so nannten die Nationalsozialisten die Konfiskation oder zwangsweise Übergabe von Eigentum in jüdischem Besitz) vom Juli 1938 als "Central-Kaufhaus Gerber & Oefelein".
Am 27. November 1944 wurde das Anwesen beim Bombardement auf Freiburg zerstört. Der Wiederaufbau des Doppelhauses "Herder-Kronimus", Kaiser-Joseph-Straße 180 und 178, wurde nach einem Entwurf des Architekten Dr. Herbert F. Kaspar erst 1968 fertiggestellt. Errichtet wurde der Neubau mit Aluminium-Brüstungen, Fensterbändern und ohne Traufgesims. Im Gebäudeteil auf dem früheren "Koetting & Heinze"-Areal befindet sich heute vor allem eine der Männer-Abteilungen des Modehauses Kaiser, dessen "Modehaus für die Dame" sich auf der anderen Seite der Schiffstraße befindet. Im südlichen Gebäudeteil ist die Buchhandlung "Herder & Thalia".
Autor: Manfred Gallo


