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28. Januar 2012

Wählen zwischen Kita und Computer

Beim Berufswahlforum in der Hansjakob-Realschule konnten Schülerinnen und Schüler sich über zahlreiche Berufe informieren.

  1. Infos aus erster Hand: Die Auszubildenden Vanessa Groß und Wilhelm Kolb (vorn) stellen Realschülern ihr Unternehmen vor. Foto: Michael Bamberger

STÜHLINGER. Jungs in die Kitas, Mädchen an die Computer? So ganz funktioniert das noch nicht. Zumindest war die Geschlechteraufteilung bei Infos zu zwei Berufen mit guten Perspektiven beim Berufswahlforum in der Hansjakob-Realschule am Donnerstagabend sehr klassisch. Die Neunt- und Zehntklässler der Freiburger Realschulen können sich hier seit 2004 jährlich nicht nur über Erzieher und Fachinformatikerinnen informieren, sondern auch über viele andere Berufe: Diesmal stellten sich 24 Betriebe vor.

Die Mutter von Pius Waldner (15) geht zielstrebig auf Jörg Friedrichs vom mittelständischen IT-Unternehmen "Pyramid" zu: "Wo kann man sich hier bewerben?" Allerdings hat Pius, der in die neunte Klasse der Pestalozzi-Realschule geht, noch ein Jahr Zeit – umso beruhigter sind er und seine Mutter, als Jörg Friedrichs später erzählt, dass das Unternehmen jedes Jahr Ausbildungen zu Pius’ Traumberuf, dem IT-Systemkaufmann, anbietet. Für diesen Herbst sind bisher noch zwei Ausbildungsplätze frei, für angehende Industriekaufleute drei. Schlecht sieht es für das einzige Mädchen aus, das zwischen sieben IT-begeisterten Jungs sitzt: Für Mediengestalterinnen gibt’s im Herbst nichts, und generell kommen auf eine solche Stelle 50 Bewerbungen – fünf Mal so viele wie bei den technischen und kaufmännischen Ausbildungen.

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Was machen Auszubildende bei "Pyramid" konkret im Alltag, was macht Spaß und was nicht? Davon erzählen die Auszubildenden Vanessa Groß (19, Industriekauffrau) und Wilhelm Kolb (21, Fachinformatiker) nicht so arg viel – dafür stellen sie ausführlich ihr Unternehmen vor. Bis eine Ansage durch die Lautsprecher hallt: Die Zeit für die erste Runde ist vorbei, jetzt sollen alle die Räume wechseln.

Ob Mechatronikerin oder Justizfachwirt, Gastronomin oder medizinischer Fachangestellter – die Palette ist breit, in jedem Klassenzimmer sitzen an diesem Abend Abgesandte von Betrieben. Manche hier wissen schon genau, was sie wollen: Chiara Lorenz (16) zieht’s zur Polizeidirektion, sie hat bereits den Eignungstest für den mittleren Dienst hinter sich. Ihre Freundin Fabienne Kreth (15) ist auf dem Weg zum Colombi-Hotel, sie will Hotelfachfrau werden.

Auch Auszubildende mit "nicht ganz glatten" Biografien haben eine Chance

Der Sohn von Regina Weber ist noch nicht so festgelegt, er orientiert sich zurzeit in mehrere Richtungen, macht unter anderem Praktika als Koch und Steinmetz und hat an diesem Abend darum keine Zeit zu kommen. Dafür legt sich seine Mutter ins Zeug, um ihm viele Infos über einen weiteren seiner Wunschberufe zu verschaffen: Nach einem Praktikum in einer Kita könnte er sich vorstellen, Erzieher zu werden. Karin Ehinger und Gabriele Schmal vom städtischen Amt für Kinder, Jugend und Familie, die von der Erzieher-Ausbildung und den 19 städtischen Kitas erzählen, würde das freuen: Männer sind in Kitas besonders willkommen. Ebenso Auszubildende mit Migrationshintergrund und gern auch mit "nicht ganz glatten, eindimensionalen Biografien", betont Karin Ehinger. Denn um sich in Kinder mit verschiedenen Hintergründen einfühlen zu können, ist eine breite Palette an Menschen und Erfahrungen gefragt. Die Erzieherausbildung ist im Umbruch, das gefällt Regina Weber besonders, weil die Auszubildenden dann von Anfang an ein – wenn auch kleines – Gehalt bekommen.

Autor: Anja Bochtler