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06. Juli 2010
25 Jahre Waldhock mit den Liousts
Jedes Jahr kommen Gäste aus der französischen Partnergemeinde zum Hochdorfer Fest, das immer weniger Vereine in Gang halten.
HOCHDORF. Liegt’s am gebackenen Camembert und den Würstchen? Auch – denn die schmecken hier anders als in Frankreich. Vor allem aber genießt die Familie Lioust aus der Hochdorfer Partnergemeinde Chevilly-Larue die gesamte Atmosphäre beim Waldhock. Und so kommen die Liousts Sommer für Sommer, seit 25 Jahren. Vergangenes Wochenende saßen sie wieder mittendrin unter schattigen Bäumen, umgeben von Hochdorferinnen und Hochdorfern, für die der Waldhock ebenfalls ein Höhepunkt des Sommers ist.
Es ist immer wieder dasselbe: "Am Waldhock-Sonntag kocht in Hochdorf mittags niemand daheim", sagt Albert Reimold, "da kommt das ganze Dorf zu uns." Albert Reimold gehört seit zehn Jahren zur Chorvereinigung Hochdorf, und die tischt sonntags traditionell Rinderbraten mit Preiselbeeren und Meerrettich auf, dazu Kartoffeln oder Brot und Nudelsuppe. Aber auch am Samstagabend muss niemand hungern. Überall in der großen Küche, die sich der Verein fürs Wochenende aufgebaut hat, wuseln Frauen und Männern in roten T-Shirts und mit weißen Schürzen herum. Unter anderem gibt’s bunte Salatteller, Schnitzel, Camembert – und über den im Fett vor sich hin brutzelnden Pommes hängt eine umgedrehte alte Badewanne, auf die Küchenchefin Maria Meyer besonders stolz ist: "Das ist unsere Dunstabzugshaube!"Werbung
Die Idee hatte jemand aus der Chorvereinigung, denn für die 80 Sängerinnen und Sänger ist der Waldhock nicht nur eine Woche ein Thema – so lang dauert es, bis für das dreitägige Fest alles auf- und abgebaut ist. Sie überlegen sich auch davor und danach, was alles noch besser laufen könnte. So viel Einsatz würde sich Ortsvorsteher Christoph Lang-Jakob von allen Hochdorfer Vereinen wünschen. Doch immer mehr springen ab, klagt er, diesen Hock haben nur sechs Vereine vorbereitet. Christoph Lang-Jakob verkauft am Samstagabend Bier am Getränkestand, nur kurz schaut er bei der Familie Loust und Eliane Galeotti und Yvette Venon vorbei, den zwei älteren Frauen, die mit Pierre und Mathilde Lioust, ihrer Tochter Francoise und zwei Enkeln 500 Kilometer von Chevilla-Larue nach Hochdorf gefahren sind. Auch der Bürgermeister Christian Hervy und Verwaltungsmitarbeiter waren beim Fassanstich am Freitagabend dabei. Die Liousts und ihre Freundinnen bleiben länger: Sie machen zehn Tage Urlaub auf dem Campingplatz.
Es lag an Francoise Lioust und ihren Geschwistern, dass sich die Waldhock-Urlaubstradition so fest etablierte. 1985, mit damals 14 Jahren, kam Francoise Lioust zum ersten von seitdem vielen Malen nach Hochdorf, weil sie ihr Schul-Deutsch ausprobieren wollte. Ihre Eltern waren im Partnerschaftsverein, der seit 1978 mit Hochdorf in Kontakt ist, und die drei Kinder wollten ihr Deutsch trainieren. Dass Vereine und Ortschaftsvertreter aus Hochdorf und Chevilla-Larue sich austauschen und besuchen, hat sich etabliert, bei den privaten Kontakten aber sind die Franzosen reisefreudiger als die Hochdorfer. Elisabeth Weiß ist die Einzige, für die Chevilla-Larue eine "zweite Heimat" ist, sie reist oft hin – 2011 mit ihren Französischkursen beim Bildungswerk, in denen sie seit 19 Jahren längst nicht nur Hochdorfer unterrichtet.
Nicht überall ist es am heißen Samstagabend so erholsam wie bei den französischen Gästen an einem schattigen Tisch. Timo Schüler und Lukas Hochuli (beide elf) wird’s beim Waffelbacken ziemlich warm. Doch bald wird sie Timos Mutter Elke Schüler ablösen, die Vorsitzende des Förder- und Schwimmvereins Aqua Nautilius. Bei den Schwimmern gibt’s nicht nur Waffeln und Getränke, sondern auch gebackene Forelle – jedes Jahr. Doch es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, alle Verkaufsschichten mit Helfern zu besetzen, sagt Elke Schüler. Zwar hat der Verein 75 Mitglieder, doch das sind vor allem Kinder. Nicht alle Eltern haben Lust und Zeit, sich für den Verein des Kindes reinzuhängen. Umso mehr, weil ein Drittel von ihnen gar nicht in Hochdorf wohnt.
Autor: Anja Bochtler
