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15. Juni 2010

Einheitsfarbe für die Fassaden

Beschmierte Wände beim Zähringer Anti-Graffiti-Tag übermalt.

  1. Maler Rüdiger Steigert (vorne) entfernte mit Jugendlichen, die Sozialstunden ableisten, Graffiti entlang der Ochsengasse. Foto: Rita Eggstein

  2. Maler Rüdiger Steigert (vorne) entfernte mit Jugendlichen, die Sozialstunden ableisten, Graffiti entlang der Ochsengasse. Foto: Rita Eggstein

ZÄHRINGEN. Am Samstag war großer Anti-Graffiti-Tag in Freiburgs nördlichstem Stadtteil. Der Verein "Sicheres Freiburg" hatte zum sechsten Mal einen Großeinsatz von Malerbetrieben und anderen Helfern organisiert, bei dem die Schmierereien an Privathäusern für die Eigentümer kostenlos entfernt wurden. In Zähringen traten dabei insgesamt rund 60 Menschen in Aktion. An etwa 15 Stellen wurde den ungeliebten Graffiti zu Leibe gerückt.

Der Elan kam mit dem Arbeiten. Die zwei langen Jungs, beide schon an der oberen Grenze des typischen Halbstarkenalters, die mit Malergeselle Rüdiger Steigert die Mauer entlang der schmalen Ochsengasse nun doch mit gewissem Eifer vom Unkraut befreien und somit das Überstreichen vorbereiten, waren am früheren Morgen noch recht zögerlich ihrem Anleiter hinterher gestapft. Die beiden müssen hier sein und sich an der Graffiti-Bekämpfung beteiligen, weil sie entsprechende Auflagen von einem Richter aufgebrummt bekommen haben. Was sie ausgefressen haben, darüber wollen sie nicht sprechen. Dass sie jetzt Wände anstreichen dürfen, anstatt ihre Sozialstunden beispielsweise in einem Kindergarten abzuleisten, sei für sie eine gute Sache, sagen beide.

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Die Ochsengasse ist an dieser Stelle keine anderthalb Meter breit – nur ein Fußweg. Die schulterhohe Mauer, welche die Gasse vom Areal des Gasthauses "Ochsen" abtrennt, ist kräftig beschmiert und wahrlich keine Zierde. Steiger weist die beiden Jugendlichen kurz ein, und dann geht das ungewöhnliche Dreierteam wieder ans Werk. Zuerst mit Spraydosen, um einen Isolierlack aufzubringen und so ein späteres Durchscheinen der Schmierereien zu verhindern, und dann mit den Farbrollen.

Augenzwinkernd weist Steigert während einer kurzen Verschnaufpause darauf hin, dass seine beiden Helfer in den weißen Schutzoveralls ihre Spraydosen ausgesprochen professionell zu handhaben wissen. "Da erkennt man eine gewisse Erfahrung", raunt er – möglicherweise ein Indiz dafür, warum die zwei vom Gericht zu dieser gemeinnützigen Arbeit verpflichtet wurden. 25 Stunden müssen beide insgesamt ableisten. Für den heutigen Tag werden ihnen acht angerechnet.

Steigerts Team wird an diesem Tag etwa 35 Quadratmeter Fassade von Graffiti befreien. Insgesamt sind Teams an 15 verschiedenen Stellen im Stadtteil unterwegs. Fünf Malerfirmen sind im Einsatz mit ihren Leuten, dazu zwei Maler-Altmeister, die eigentlich schon im Ruhestand sind, und ein gutes Dutzend Jugendliche, die Sozialstunden abarbeiten oder Täter-Opfer-Ausgleich leisten.

Der Zähringer Bürgerverein hat Vesperpakete für alle vorbereitet, der Edeka-Markt am Platz der Zähringer, wo sozusagen das Hauptquartier des Aktionstags aufgeschlagen ist, spendet Getränke. Polizisten informieren über präventive Maßnahmen gegen Beschmierungen. Und der Verein "Sicheres Freiburg", vertreten unter anderem durch seinen Vorsitzenden, Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, stellt sich und seine Arbeit vor.

Holger Männer, der Chef des Bürgervereins, ist sehr zufrieden mit der Aktion – auch weil das Wetter hält und es nicht zu regnen beginnt. "Wir werden heute den überwiegenden Teil der Graffiti in Zähringen entfernen", sagt er. Es sei allerdings gar nicht so leicht gewesen, im Vorfeld die Eigentümer für die Teilnahme am Anti-Graffiti-Solidarmodell zu gewinnen. Männer: "Wenn man denen sagt, dass ihre Wände kostenlos gesäubert werden, werden viel erst einmal misstrauisch und fürchten, dass die dicke Rechnung hinterherkommt." Kommt sie aber nicht. Stattdessen die Versicherung, dass neue Graffiti an den gereinigten Stellen – ebenfalls kostenlos – sofort wieder entfernt würden, um die Sprayer zu entmutigen. Das gehört zum Konzept des Freiburger Solidarmodells. Männer: "Die Graffitifarbe kostet ja auch Geld. Und damit es wirklich schnell geht, halten die Malerfirmen sogar die entsprechenden Farbmischungen auf Vorrat."

Autor: Holger Schindler